Das virale Lauffeuer

Heute schon mal „Gefällt mir“ geklickt? Oder „Teilen?“ Irgendeinen Artikel auf einem Online-Portal Ihren Freunden bei Facebook empfohlen, weil er Ihnen aus der Seele gesprochen hat? Oder gar einen witzigen Werbespot, den Sie gerade auf Youtube gefunden haben?

Millionen von Menschen klicken regelmäßig in aller Welt auf „Gefällt mir“ und „Teilen“ – nicht selten sogar mehrmals täglich. Und wer eine Botschaft im Internet geschickt platziert, kann damit ohne Weiteres ein regelrechtes Social-Media-Lauffeuer entfachen. Seine Nachricht in wenigen Stunden über alle Kontinente verbreiten. Aktuelles Beispiel: Die geheimen Afghanistan-Dokumente bei Wikileaks sind heute in aller Munde und werden sicher die eine oder andere weitreichende politische Veränderung provozieren. Ohne die immense Dynamik von sozialen Netzwerken wie Facebook würde es zweifellos viel länger dauern, bis derartige Dinge ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen könnten. Und dann wäre es womöglich schon wieder zu spät, um ordentlich Wirkung zu entfalten …

 Auch Werbung und Marketing profitieren von den ultraschnellen und megaeffizienten Kommunikationskanälen der sozialen Netzwerke. Und wenn sie es geschickt anstellen, müssen sie weder viel Zeit noch Millionenbudgets in entsprechende Kampagnen investieren. Denn dann erledigt die Netzgemeinde die Arbeit schon fast von selbst. So geschehen bei Ikea zur Eröffnung der neuen Filiale in Malmö im Herbst 2009. Die Agentur Forsman & Bodenfors in Göteborg platzierte kurzerhand ein Profil des Filial-Chefs Gordon Gustavsson in Facebook, pflasterte es mit Bildern von Ikea-Produkten zu und verband das Ganze mit einem Gewinnspiel: Wer als Erster ein Bild mit seinem Namen kennzeichnete, gewann das entsprechende Möbelstück. Der Clou: Wer auf ein Bild klickte, informierte damit gleichzeitig all seine Facebook-Kontakte von der Ikea-Aktion – nullkommanichts und mit minimalem Aufwand hatte Ikea auf diese Weise ein Millionenpublikum erreicht.

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SQUIDDS entfacht das Feuer

Es war heiß, sehr heiß am Mittwoch vergangener Woche. Als ich das Auto bestieg, betrug die Innenraumtemperatur heimelige 44 Grad Celsius. Ich schnappte nach Luft und machte mich auf den Weg … zu einem Kamingespräch

SQUIDDS, die Spezialisten für Technische Dokumentation mit Firmensitz am Nürnberger Hafen, hatten eingeladen zu einem konzentrierten Gedankenaustausch unter Experten, Entwicklern und Anwendern. Aufhänger für die Veranstaltung „Technische Dokumentation erleben“ war die Veröffentlichung von Adobes Technical Communication Suite 2.5, die Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zum Anlass nahm, über ausgewählte neue Features des Software-Pakets zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Mit einer Reihe von anspruchsvollen, aber leicht verständlichen Beiträgen vermittelten Referenten der Unternehmen Acolada, Theorie3.De und CAP Studio ein umfassendes Bild dessen, was mit Technischer Dokumentation heute möglich ist. Die Optimierung des Workflows mit Hilfe von Content-Management-Systemen kam ebenso zur Sprache wie das Potenzial von 3D-PDF in der Katalogerstellung und eine kritische Würdigung des Dokumentenformats DITA. Abschließend ermutigte Georg Eck  dann noch zu einem Blick über den Tellerrand: Wie lassen sich Communities und Social Media in den Prozess der Technischen Dokumentation mit einbinden? Wie kann man sich die Vorteile moderner Online- und Mobile-Technologien in diesem Bereich noch stärker zunutze machen? 

Als ich nach dem Ende der Veranstaltung die SQUIDDS-Räumlichkeiten verließ und auf die Straße trat, hatte es immer noch über 30 Grad Celsius. „Technische Dokumentation ist tatsächlich ein heißes Thema“, schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte beim Kamingespräch einen intensiven Einblick in Bereiche der Technischen Dokumentation erhalten, von deren Potenzial ich bislang noch viel zu wenig wusste. Viele Erkenntnisse und Anregungen gewann ich auch aus den entspannten, aber sehr lebhaften Diskussionen zwischen den Fachbeiträgen. Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Kamingesprächs: „Es ist sehr lange her, dass ich zum letzten Mal derart tiefgründige und inspirierende Diskussionen miterleben durfte.“ 

Der Erfolg des ersten SQUIDDS-Kamingesprächs macht Lust auf mehr. Umso größer die Freude der rund ein Dutzend Teilnehmer, als Georg Eck verkündete, weitere Veranstaltungen dieser Art folgen lassen zu wollen. Das nächste Kamingespräch könnte eventuell bereits im September oder Oktober stattfinden. Behalten Sie also jetzt schon mal die Neuigkeiten auf der SQUIDDS-Homepage im Auge. Es lohnt sich!

Audi horcht in die Zukunft

Als August Horch 1909 die von ihm gegründete August Horch & Cie Motorwagenwerke Zwickau verließ, um einen unternehmerischen Neustart zu wagen, wandte er einen raffinierten Kniff an, um seinen Familiennamen weiterhin als Bestandteil des Firmennamens nutzen zu können: Er übersetzte „Horch!“ kurzerhand ins Lateinische. Heraus kam „Audi“, der Imperativ Singular von „audire“ (dt. „hören“). Derlei Kreativität hat bei Audi mittlerweile Tradition. So schaffte es der Ingolstädter Autobauer auch, sich vom Image einer „Altherren-Marke“ zu befreien und sich erfolgreich als weithin geachteter Premium-OEM zu positionieren. Hochwertiges, gediegenes Design und technische Innovationsfreude machen Audi heute zu einem der wichtigsten Automotive-Unternehmen der Welt.

Doch mit „Vorsprung durch Technik“ allein lassen sich noch keine Kunden gewinnen. Es ist – wie damals anno 1909 – die richtige Sprache, die den Erfolg bringt. So war Audi immer einer der Ersten, die gelernt haben, wie man die modernen Kommunikationsmittel am besten nutzt, um seine Zielgruppen zu erreichen. Und jetzt geht es darum, weibliche und männliche Käufer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren für den neuen Kleinwagen A1 zu begeistern. Folgerichtig setzt Audi bei der Prelaunch-Kampagne auf einen aufwändigen Medien-Mix, der alles einschließt: von der eigenen A1-Internet-Microsite als Startplattform über die virtuelle Probefahrt, Kurzfilme auf Youtube und Präsenzen auf allen entscheidenden Social-Media-Portalen. Ein Film mit Pop-Idol Justin Timberlake gehört ebenso zum Gesamtpaket wie der exklusive Rocksoundtrack, der „Stilberater“ oder das iPhone-Game. Das Überzeugende an Audis A1-Kampagne ist nicht primär der multimediale Overkill, sondern wie gut die Einzelkomponenten ineinandergreifen und ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben – eine große virtuelle Spielwiese, die den potenziellen Käufer auf allen Ebenen emotional wie intellektuell zu beschäftigen weiß. Die Kampagne zeigt: Audi hat verstanden, wie die Kommunikation der Zukunft funktioniert.

Warum Puma Pizza nicht mehr schmeckt

Es dürfte jedem klar sein: Bei der WM in Südafrika geht es nicht nur um Fußball. Irgendwie bei dem Spektakel dabei zu sein, kann dem (Marken-)Image einen gehörigen Schub verleihen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte von diesem Effekt profitieren. Es kann ja nicht schaden, sich nach dem Debakel der Bundespräsidenten-Wahl ein wenig im Glanz von Jogi Löws Nationalmannschaft zu sonnen, mögen sich ihre Berater gedacht haben. Und so wohnte Merkel dem 4:0-Sieg über Argentinien in Kapstadt höchstpersönlich bei. Eigentlich eine gute Gelegenheit, um vor Dutzenden von Kameras wieder mal ein wenig Volksnähe zu demonstrieren – wenn da nicht der bittere Beigeschmack wäre, dass Merkels Flug nach Südafrika in etwa zehn Jahresgehälter hart arbeitender Bürger an Steuergeldern verschlungen hat …

Nicht nur für Politiker, sondern auch für Unternehmen mit handfesten wirtschaftlichen Interessen ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein zweischneidiges Schwert: Wer wie adidas auf die deutsche Mannschaft setzte, hat jetzt schon das große Los gezogen: die Fußballtrikots des Markenartikel-Herstellers gehen weg wie warme Semmeln und bescheren adidas im WM-Jahr vorausschichtlich ein Umsatz-Plus von 25 Prozent. Mitbewerber Puma hatte weniger Glück: er investierte 16,5 Millionen Euro in die Ausrüstung des Ex-Weltmeisters Italien – der dann prompt schon in der Vorrunde aus dem Rennen flog. Puma wird sich demnach wohl weder über die erhofften Einnahmen noch über einen Image-Gewinn freuen können. Besonders tragisch erwischte es bei der Weltmeisterschaft 2006 den fränkischen Spielwarenhersteller NICI, der das Maskottchen Goleo in Lizenz produzierte und u. a. wegen mangelnder Nachfrage noch vor Beginn der WM Insolvenz anmelden musste.

Eigentlich erschreckend, wie 90 Minuten Spielzeit nicht nur für Fußballerkarrieren, sondern auch für Wohl und Wehe ganzer Großkonzerne entscheidend sein können. Aber die Chancen auf einen Image-Gewinn scheinen trotz des enormen Risikos deutlich zu überwiegen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sich alle vier Jahre so viele Hersteller darum reißen, Lizenzprodukte auf den Markt bringen zu dürfen.

Die Orgie ist vorbei

Glaubt man einschlägigen Umfragen, haben Kreative und „Werber“ beim Gros der Bevölkerung keinen allzu guten Ruf. Werbung gilt vielfach als etwas Unehrliches, als Schaumschlägerei, für das ihre Macher fürstlich entlohnt werden und ihre Erfolge mit Hummergelagen und Champagnerbädern feiern. Nun, falls es denn jemals tatsächlich so war, diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Die Werbebranche hat nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise starke Schläge hinnehmen müssen: Unternehmen kürzten radikal ihre Werbebudgets und halten sich mit neuen Investitionen nach wie vor zurück. Agenturen und Einzeldienstleister müssen bis heute einem horrenden Preisdruck nachgeben, um sich überhaupt irgendwie über die Runden zu retten. Viele sind stark ins Trudeln gekommen, mussten Mitarbeiter entlassen oder gar ganz ihre Pforten schließen.

Doch man darf die Schuld nicht nur bei anderen suchen. Werber sollten sich durchaus an die eigene Nase fassen. Denn die gegenwärtige Krise ist zum Teil auch hausgemacht. „In unserer Branche gibt es zu viele egomanische Selbstdarsteller, die keine wirkliche Substanz mitbringen“, bemängelte Amir Kassaei, Kreativchef der Agentur DDB, gegenüber Welt Online. In der Tat schmorten wohl manche Vertreter der Werbeindustrie in den letzten Jahren zu sehr im eigenen Saft und haben die Verbindung zu „der Welt da draußen“ etwas verloren. Anders lässt es sich auch kaum erklären, dass sich die Branche immer noch so schwer tut mit den gegenwärtigen Umwälzungen auf dem Markt: TV, Radio und Print verlieren für die Werbung zunehmend an Bedeutung und werden verdrängt durch Online und Mobile.

Doch wie umgehen mit Phänomenen wie Internet und Social Communities, Smartphones oder In-Game-Advertising? Auch Jahre nachdem diese Entwicklung ihren Anfang genommen hat, herrscht noch große Unsicherheit im Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen. Dabei kommen praktisch wöchentlich neue faszinierende Möglichkeiten hinzu, diese Werkzeuge für aufregende crossmediale Kampagnen zu nutzen. Doch souverän auf der Klaviatur der Neuen Medien spielen bislang nur wenige. Hier tut sich ein weites Feld auf, in dem Kreative wieder wirklich kreativ werden müssten. Vielleicht klappt’s dann irgendwann auch wieder mit den Orgien … ;-)

Mein Kumpel Calibri

Den ganzen lieben langen Tag sitze ich vor dem Computer und tippe Texte – manchmal ein ziemlich einsames Geschäft. Und eines, bei dem man wählerisch wird. Da sucht man es sich schon ganz gezielt aus, wem man sein Vertrauen schenkt und wen man am liebsten die ganze Zeit um sich haben will. Nach vielen kurzen und weniger glücklichen Affären hab ich mich nun für Calibri entschieden. Calibri ist immer freundlich zu mir und ich fühle mich wohl in seiner Nähe. Danke, Lucas de Groot, dass du uns miteinander bekannt gemacht hast. Ein weniger harmonisches Verhältnis pflege ich mit Times New Roman, bei dem ich immer sofort an unangenehme Briefe vom Amt oder an dozierende Altphilologen denken muss. Times, den alten Römer, dulde ich nicht in meiner Nähe. Alles markieren, umformatieren, dann endlich wieder entspannen! Erst dann kann ich wieder in Ruhe weiterarbeiten.

Jetzt kann ich meine Freundschaft mit Calibri auch öffentlich kundtun, ohne dabei ein komisches Gefühl haben zu müssen. Denn ich bin nicht allein. Es gibt noch mehr Menschen wie mich, die sich Schriften zu Freunden gewählt haben. Auf Facebook ist das ganz einfach. Wie kürzlich in der Online-Ausgabe der PAGE zu lesen war, ist es gar nicht so ungewöhnlich, zu einer Schrift ein sehr emotionales Verhältnis zu haben: So gestehen manche Leute auf Facebook ihre Liebe zu der natürlichen, serifenlosen Schönheit von Gill Sans, während andere verschworene Häuflein bilden, um gemeinsam ihrer Verachtung für … na? … jawoll! … Times New Roman Ausdruck zu verleihen.

Sicher werden Schriften auch auf Facebook niemals so viele Fans haben wie Lena Meyer-Landrut oder Ozzy Osbourne. Aber es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass es noch eine ganze Menge Menschen gibt, denen Typografie auch im Internet-Zeitalter noch eine Herzensangelegenheit ist.

Am besten gleich als Marke starten

Ein sportliches Programm: Fünf Euro von der Sparkasse als Startkapital und dann innerhalb von sechs Wochen eine Firma gründen. Mit eigener Geschäftsidee, Businessplan, Anmeldung und allem drum und dran. Der 5-Euro-Businessplan-Wettbewerb soll Studierenden die Möglichkeit geben, neben der grauen Theorie schon möglichst früh die Gesetze des Marktes hautnah in der Praxis kennenzulernen – ideal für alle, die vom eigenen Unternehmen träumen, sich aber nicht völlig unerfahren ins Abenteuer der Existenzgründung stürzen wollen.

Matthias Brinkmann, Geschäftsführer der Nürnberger Agentur 2be_markenmacher, veranschaulichte den Teilnehmern des Wettbewerbs in Bamberg und Bayreuth, wie wichtig es ist, schon bei der Unternehmensgründung an die eigene Marke zu denken. Es ist eben nicht nur das pfiffige Produkt, das den Erfolg ausmacht, sondern es geht auch um Faktoren wie Kommunikation, Vertrauen und Leidenschaft, wie man sich nach außen präsentiert. Wenn hier alles zusammenpasst, hat man meist gewonnen. Das ist die Macht der Marke. Und die hilft schon dabei, den Banker davon zu überzeugen, dass man unbedingt das Darlehen braucht, um diese unglaublich geile Geschäftsidee zu verwirklichen.

Die Studenten in Bamberg und Bayreuth waren mit Feuereifer dabei und schätzten die praktischen Erfahrungen, die sie im Lauf ihrer Projekte machen durften. Die schärften nämlich den Sinn für potenzielle Schwachstellen im eigenen Konzept und stachelten dazu an, kreative Problemlösungen zu entwickeln. Denn am Ende zählt nur eines: der Verkaufserfolg. Und über den entscheidet nun mal maßgeblich die Marke.

Wie Marken Ohren strapazieren können

Uff, ein bisschen hübscher hätte ich mir das schon vorgestellt. Ich kopiere versuchsweise die URL von www.coca-cola.de in das Eingabefeld von www.codeorgan.com und warte, bis die virtuelle Orgel den Code der Coca-Cola-Website in Musik umgerechnet hat. Nein, das klingt nicht nach spritzigem Sommersonnenfeeling wie in der TV-Werbung: da holpert ein Drumloop unbeholfen vor sich hin, darüber wabern synthetische Streicherklänge. Melodie? Keine Spur.

Ich versuche es noch mit anderen Marken-Websites: www.adidas.de zum Beispiel. Oder www.siemens.de. Letztere erschöpft sich klangmäßig in einem einzigen Ton und ein paar verebbenden Hi-Hat-Zischern.

Nein, das witzige Lärminstrument Codeorgan, das die Codes von Websites nach einem raffinierten System in Klänge umsetzt, schreibt nicht den Soundtrack für Ihr Unternehmen. Die musikalische Kreativität der Orgel hat es nicht so mit Harmonie oder dynamisch groovenden Beats, die eine Marke akustisch attraktiver machen könnten. Ein bisschen erinnern die Ergebnisse an den Youtube-Kult der „Shreds“, bei dem virtuose Musiker mit einer neuen, „andersartigen“ Tonspur unterlegt werden. Dabei mutiert schon mal ein Ausnahme-Gitarrist wie Paco de Lucia zum blutigen Anfänger-Poser.

Zum Schluss hab ich mir von der Codeorgan noch www.angela-merkel.de in Musik übersetzen lassen. Da hat’s mir dann endgültig die Schuhe ausgezogen …

Haben Sie auch schon einen Urwaldbewohner?

Um den indonesischen Urwald zu retten und seine Artenvielfalt zu erhalten, müssen viele Menschen zusammenhelfen. Der WWF hat es mit der Offenbacher Agentur zweipol geschafft, für dieses Projekt schon eine ganze Menge Unterstützer zu aktivieren – und es werden täglich mehr.

Auf der Microsite wwf.de/Urwaldriese wächst ein tropischer Baum. Jedes Mal, wenn man ihn besucht, ist er noch etwas belebter – und die Chancen, natürliche Lebensräume in Indonesien zu erhalten, sind vielleicht in diesem Moment wieder ein bisschen gewachsen. Tobias hat 500 Euro für die Urwälder auf Sumatra, Borneo und West-Papua gespendet und sich dafür ein Sumatra-Tiger-Baby ausgesucht. Julia hat an Freunde eine Spende von 3 Euro verschenkt und dafür eine Riesen-Waldameise auf den Baum gesetzt.

Wer die Arbeit des WWF für den Erhalt der indonesischen Flora und Fauna mit Geld unterstützt, darf sein Lieblingstier oder eine Pflanze auswählen und auf dem Urwaldriesen platzieren. Klickt man Tier oder Pflanze an, öffnet sich eine kleine Tafel mit interessanten Informationen zur jeweiligen Spezies. Hier kann der Spender seinen Namen, sein Bild und einen Kommenar einfügen – und jeder Leser wird gefragt, ob er auch einen Baumbewohner spenden oder verschenken möchte. Da die Urwaldriesen-Site so viel Charme ausstrahlt, kommen der Bitte tatsächlich sehr viele Leute gerne nach. Bislang gibt es schon über 1.500 Baumbewohner, für die knappe 50.000 Euro gespendet worden sind. »Bereits nach wenigen Stunden hat sich gezeigt, dass wir hier ein Tool geschaffen haben, das von den Usern begeistert angenommen wird, über das man spricht und das ein großes Potenzial in sich birgt« freut sich Constanze Oelighoff, Leiterin Internet, beim WWF Deutschland.

Kein Wunder, denn die Geschichte mit dem Urwaldriesen hat sich schnell herumgesprochen. Urwaldbewohner lassen sich nämlich prima per Twitter verschicken oder ins Facebook-Profil einbinden. So streckt der Urwaldriese seine Äste jetzt schon über weite Teile des Internets aus – und wann sorgen Sie dafür, dass sich darauf noch ein paar glückliche Lebewesen mehr tummeln?

Lasst Fetzen sprechen

Promi-Köpfe werden in der Werbung immer gern genommen – wenn sie beispielsweise erklären, wie sie zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung stehen. Oder sich nicht zu schade dafür sind, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellten Artikel eines Textildiscounters zu bewerben.

Glücklicherweise gibt es immer noch Beispiele, bei denen weder ein Gesicht als purer Werbeträger noch der Profit, sondern durchaus eine wichtige Botschaft im Vordergrund steht. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Ein solches Meisterstück ist der Agentur Scholz & Friends mit einem Beitrag zur FAZ-Reihe „Kluge Köpfe“ gelungen: Auf dem Foto ist Marianne Bithler zu sehen, die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen – jedoch nicht ihr kluger Kopf, sondern lediglich ihre Hand, die ein aus zahllosen Schnipseln zusammengesetztes Exemplar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vors Gesicht hält. Die Message trifft den Betrachter hart und unerbittlich. Sie lässt weder Missverständnisse noch Schönfärbereien zu. Frau Bithler ist auf dem Bild zwar sehr präsent, tritt aber zugunsten der wichtigen politischen Aussage in den Hintergrund.

Die Eindringlichkeit des Bildmotivs zeigt Wirkung. Mit einem Mal beginnt man wieder, sich in Gedanken mit diesem wichtigen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – mit Ereignissen, die angesichts des täglichen Medien-Overkills in unseren Köpfen schon fast der Vergessenheit anheimgefallen sind.

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