Mit Scheuklappen durchs Leben?
Wir sind uns sicher einig: Kinder und Jugendliche sollen nicht zum Tabak- oder Alkoholkonsum verführt werden. Ebenso unerwünscht ist es, Klischees über Geschlechterrollen, Menschen unterschiedlicher Nationalitäten oder ethnischer Herkunft in der Gesellschaft zu zementieren. Natürlich muss es diesbezüglich auch für die Werbung klare Grenzen geben. Doch was tun, wenn die ganze Wirkung von Werbebeschränkungen wegen Schwächen in der Umsetzung völlig verpufft?
Ehrenhafte Absichten und handfeste wirtschaftliche Interessen prallen bei Werbebeschränkungen hart aufeinander. Daraus ergeben sich groteske Situationen wie die Folgende: Bei Jugendsportveranstaltungen darf nicht für Alkohol geworben werden, im Fußball jedoch schon. Überspitzt ausgedrückt: Wäre es da nicht folgerichtig, Jugendlichen im Stadion Scheuklappen zu verpassen, damit sie die Werbung der Brauerei nicht sehen, die ihren Lieblingsverein sponsert? Tatsächlich ist „Koma-Saufen“ bei Jugendlichen heute „cooler“ denn je – das legt die Vermutung nahe, dass die aktuellen, halbherzigen Beschränkungen für Alkoholwerbung völlig ins Leere gehen.
Betrachten wir es realistisch: Der Einfluss von Werbung auf soziale „Dos and don´ts“ kann niemals isoliert vom komplexen Gesamtgefüge aller gesellschaftlichen Strömungen gesehen werden. Solange Phänomene wie Sexismus, Rassismus und Tabak- oder Alkoholkonsum in großen Teilen der Bevölkerung akzeptiert und nicht hinreichend hinterfragt werden, kann Werbung dem zwar positive Zeichen entgegensetzen, aber alleine kein gesellschaftliches Umdenken bewirken.
Wer hier den Schwarzen Peter ausschließlich der Werbeindustrie zuweist, schiebt selbst Verantwortung von sich weg. Jeder Einzelne von uns hat mit seinem Verhalten Einfluss darauf, welche Werte in unserer Gesellschaft das Handeln bestimmen.
Comments(3)
Ich denke das liegt nicht hauptsächlich an der Werbung, denn keine Brauerei sagt den Leuten “Sauft bis ihr sterbt!”.
Es liegt wohl mehr daran was die Eltern den Kinden vorleben bzw. was sie durch die Gesellschaft erfahren. Und auf der anderen Seite, wer gibt sich denn noch großartig Mühe? Wer richtet etwas für Kinder/Jugendliche ein ohne dafür Geld zu bekommen?
Wer hat dazu die Zeit? Haben Sie die? Ich habe sie definitiv nicht. Ich bin voll berufstätig, habe Mann und Kinder, wann soll ich da noch etwas Aufbauen was Kindern langfristig hilft?
Wer die Zeit hat?! Der der sich die Zeit nimmt, genauso wie Sie sich die Zeit für ihre Kinder und für ihre Familie nehmen, gibt es noch andere die sich AUßERDEM noch die Zeit nehmen etwas für andere Kinder einzurichten. So unglaublich das vielleicht klingen mag, aber das gibt es auch. Und wenn wir so jemanden haben, der hier zuhört, dann können wir denjenigen auch direkt fragen, wie er das anstellt, dieser Übermensch. Nicht persönlich nehmen, aber das sind nur Ausreden und die ehrlichere wäre zu sagen, dass man einfach Zeit für sich selbst haben möchte. Keiner verurteilt das und keiner will jemanden zu etwas zwingen, aber es ist eine Tatsache, dass es Personen gibt, die die Zeit haben! Oder sehen Sie das anders?