Die Macht des Archaischen
Was ist es, das uns wie hypnotisiert nach oben blicken lässt, wenn ein riesiger Schwarm Zugvögel über uns hinweg gen Süden fliegt? Wie sich der Himmel für Sekunden fast unmerklich verdunkelt? Wie Tausende von leisen Flügelschlägen die Luft zum Beben bringen? Das weckt in uns Gefühle, die wir kaum in Worte fassen können: etwas zwischen wohligem Schaudern und einer schwer erklärbaren Faszination …
Kaum jemand kann sich der Macht solch archaischer Bilder entziehen. Und die menschliche Kultur schöpft seit jeher aus dieser Quelle, um Werke hervorzubringen, die uns mit ihrer emotionalen Wucht ganz unmittelbar in unserem Innersten treffen – die Venus von Willendorf genauso wie etwa Stonehenge und Strawinskis „Sacre du Printemps“ –oder auch „Hive“, ein Projekt von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung (Innenarchitektur und Kommunikationsdesign) der FH Mainz.
„Hive“ war eine Lichtinstallation, die im Rahmen der Luminale 2010 über dem Weiher hinter der Alten Oper in Frankfurt präsentiert wurde: 1.600 einzeln über Bewegung und Klang ansprechbare LED-Leuchten formten einen dreidimensionalen, 12 x 6 x 5 Meter großen „Lichtschwarm“, der durch die Aktionen der Passanten ein Eigenleben zu entwickeln schien. Über spezielle Interaktionsplattformen hatten Besucher die Möglichkeit, die Lichtbewegungen des LED-Schwarms zu beeinflussen und ihm ungewöhnliche Klänge zu entlocken. Videoaufnahmen der Installation zeigen: Menschen reagierten auf den „Hive“ ganz ähnlich wie auf den eingangs erwähnten Vogelschwarm – und verfolgten gebannt das raffinierte Schauspiel aus Licht und Ton.
Dass Kunst auch der Werbung den Weg weisen kann, demonstrierten die Schöpfer von „Hive“ ebenfalls eindrucksvoll: Statt ihr Projekt nur mit herkömmlichen Pressemappen, Internetseiten und Video-Channels publik zu machen, organisierten sie Flashmobs, in denen sich Leute in schwarzweißen T-Shirts scheinbar spontan zu „Menschenschwärmen“ zusammenschlossen. So ergänzte sich die Licht-Installation mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu einem wegweisenden Gesamtkunstwerk, das gleichermaßen von der Begeisterung für innovative mediale Konzepte wie von der Faszination des Archaischen lebte. Ein bemerkenswerter Ansatz, de auch der Markenkommunikation frische Impulse verleihen kann.
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