Die Orgie ist vorbei
Glaubt man einschlägigen Umfragen, haben Kreative und „Werber“ beim Gros der Bevölkerung keinen allzu guten Ruf. Werbung gilt vielfach als etwas Unehrliches, als Schaumschlägerei, für das ihre Macher fürstlich entlohnt werden und ihre Erfolge mit Hummergelagen und Champagnerbädern feiern. Nun, falls es denn jemals tatsächlich so war, diese Zeiten sind definitiv vorbei.
Die Werbebranche hat nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise starke Schläge hinnehmen müssen: Unternehmen kürzten radikal ihre Werbebudgets und halten sich mit neuen Investitionen nach wie vor zurück. Agenturen und Einzeldienstleister müssen bis heute einem horrenden Preisdruck nachgeben, um sich überhaupt irgendwie über die Runden zu retten. Viele sind stark ins Trudeln gekommen, mussten Mitarbeiter entlassen oder gar ganz ihre Pforten schließen.
Doch man darf die Schuld nicht nur bei anderen suchen. Werber sollten sich durchaus an die eigene Nase fassen. Denn die gegenwärtige Krise ist zum Teil auch hausgemacht. „In unserer Branche gibt es zu viele egomanische Selbstdarsteller, die keine wirkliche Substanz mitbringen“, bemängelte Amir Kassaei, Kreativchef der Agentur DDB, gegenüber Welt Online. In der Tat schmorten wohl manche Vertreter der Werbeindustrie in den letzten Jahren zu sehr im eigenen Saft und haben die Verbindung zu „der Welt da draußen“ etwas verloren. Anders lässt es sich auch kaum erklären, dass sich die Branche immer noch so schwer tut mit den gegenwärtigen Umwälzungen auf dem Markt: TV, Radio und Print verlieren für die Werbung zunehmend an Bedeutung und werden verdrängt durch Online und Mobile.
Doch wie umgehen mit Phänomenen wie Internet und Social Communities, Smartphones oder In-Game-Advertising? Auch Jahre nachdem diese Entwicklung ihren Anfang genommen hat, herrscht noch große Unsicherheit im Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen. Dabei kommen praktisch wöchentlich neue faszinierende Möglichkeiten hinzu, diese Werkzeuge für aufregende crossmediale Kampagnen zu nutzen. Doch souverän auf der Klaviatur der Neuen Medien spielen bislang nur wenige. Hier tut sich ein weites Feld auf, in dem Kreative wieder wirklich kreativ werden müssten. Vielleicht klappt’s dann irgendwann auch wieder mit den Orgien …
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