Archiv für October, 2009

Von Google lernen

Toll, was man im Internet mit Flash & Co. alles anstellen kann! Ja. Man kann, muss aber nicht. Oft wirken Webseiten wie unaufgeräumte Kinderzimmer – da wird mit allem Möglichen rumgespielt und über den vielen bunten Bauklötzchen dann vergessen, die Hausaufgaben zu machen. Seien wir mal ehrlich: Mittlerweile weiß jeder Internet-User, welch tolle Animationen sich mit Flash erstellen lassen – aber wohl kaum einer von uns hat noch nicht geflucht, wenn ihm beim Aufrufen einer Webseite wieder mal ein minutenlanges Intro ohne jeden Informationsgehalt die Zeit gestohlen hat. Oder weil die Navigation zwar ultraschick aussieht, aber alles andere als praxistauglich ist.

Es geht nicht darum, permanent zu zeigen, was man alles machen kann. Die eigentliche Kunst besteht darin, die verfügbaren Werkzeuge so einzusetzen, dass am Ende etwas Sinnvolles und vor allem Benutzerfreundliches dabei herauskommt. Google hat mit seiner Suchmaschinen-Seite dabei vor zehn Jahren echte Pionierarbeit geleistet: Als noch alle trunken waren von Flash-Schnickschnack, eingebundenen Video- und Soundspielereien und aufpoppenden Browser-Fenstern, traute sich das US-Unternehmen mit einer minimalistisch gestalteten Such-Seite auf den Markt: Ein Texteingabefeld, ein Logo, fertig. Erfüllt seinen Zweck, kostet keine unnötigen Ladezeiten und ist kinderleicht zu bedienen.

Nicht umsonst  hat Google mittlerweile eine marktbeherrschende Position erreicht. Das liegt sicher großteils an der ausgefeilten Suchmaschinen-Technologie und an einer äußerst geschickten Marktpolitik, aber auch an der überragenden Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität, die Google-Produkte generell auszeichnet. Wer etwas sucht, will es eben schnell finden und sich dabei nicht erst durch einen Wust von blinkenden C-Promi-News-Bildchen klicken oder alle paar Minuten ein schickes Werbebanner vor das Eingabefeld geschoben bekommen.

Doch viele Webdesigner haben die Google-Lektion bis heute nicht gelernt. Immer noch gibt es Unternehmens-Auftritte, bei denen die glitzernde Verpackung wichtiger zu sein scheint als der Inhalt. Dabei ist die Konzentration auf das Wesentliche doch eigentlich eine Tugend, der im Business-Bereich ein besonders hoher Stellenwert zukommt. Und Schlichtheit und Schnelligkeit können im Web manchmal so unglaublich schick sein …

Energieeffizienz – Zwickmühle fürs Marken-Image

Katerstimmung nach dem Abwracken: Die deutsche Automobilindustrie steckt tief in der Krise. Das zeigt sich nicht nur an rückläufigen Verkaufszahlen, sondern auch an einer generellen Orientierungslosigkeit, wo denn in Zukunft die Reise hingehen soll.

Eines ist sicher: spritfressende Geländewagen und ausladende Luxuslimousinen sind auf dem Rückzug. Gefragt sind kompakte, stadttaugliche Kleinwagen und Konzepte für mehr Energieeffizienz im Straßenverkehr. Der letzte Schrei: eine groß angelegte, von Politik und Energieversorgern unterstützte Kampagne für Elektroautos. Bereits in wenigen Jahren soll die Entwicklung so weit gediehen sein, dass Letztere für den Käufer eine ernstzunehmende Alternative zu den gegenwärtig verbreiteten Benzin-, Diesel-, Gas- und Hybridmodellen darstellen können.

Auf den ersten Blick sieht das toll aus. Wer Elektroautos baut, zeigt Umweltbewusstsein, und das ist Gold wert fürs Marken-Image. Aber: Ist Antriebskraft aus der Steckdose tatsächlich so umweltfreundlich? Sollten Elektroautos die Spritschleudern verdrängen, würde das den allgemeinen Strombedarf gewaltig in die Höhe schnellen lassen – eine Herausforderung für die Energiekonzerne, die in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht ausschließlich mit erneuerbaren Energieträgern zu bewältigen ist. Wer nun also ganz auf das Elektroauto als Allheilmittel gegen Verkehrsinfarkt und Umweltprobleme setzt, könnten demnach schneller in einer Sackgasse landen, als ihm lieb ist.

Zur Aufwertung des Marken-Images ist das Elektroauto also nur bedingt geeignet. So mancher Autobauer hat das bereits erkannt und verlegt sich auf Unverfänglicheres: Wenn sich BMW einen Joschka Fischer als Berater leistet, wirkt das nach außen bereits als Engagement für eine sauberere Umwelt – auch wenn aus der Zusammenarbeit möglicherweise keine tragfähigen Konzepte entstehen. Audi geht einen ganz anderen Weg und unterstreicht sein „wertiges“ Image durch öffentlichkeitswirksames Kultur-Sponsoring: So ließen die Ingolstädter für den chinesischen Starpianisten Lang Lang eigens einen Flügel entwerfen und geben bei Komponisten Musikwerke in Auftrag. Darüber hinaus unterhält Audi sogar ein eigenes sinfonisches Blasorchester, das die Kulturbeflissenheit des Unternehmens auf sympathische Weise nach außen trägt.

Was dabei erneut deutlich wird: Das Image einer Marke wird nicht allein durch Produkte bestimmt, sondern fußt völlig unabhängig davon mindestens ebenso stark auf der geistigen Haltung, mit der sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentiert.

Spießig? Nein, wild!

Es gibt Produkte, die haben seit jeher ein altbackenes Image. „Das ist was für Omas“, heißt es oft über Eierlikör. Auch Kräuterlikör konsumierte man früher hierzulande wohl am ehesten im trauten Familienkreis nach dem fetten Sonntagsbraten. Und genau hier zeigt sich, dass Werbung manchmal tatsächlich Berge versetzen kann – wenn sie denn gut gemacht ist …

Marken wie Jägermeister oder Lucky Strike, die vor ein paar Jahren noch alles andere als „hip“ waren, sind bei jungen Leuten plötzlich „Kult“ – dank raffinierter crossmedialer Kampagnen, denen es gelungen ist, das Marken-Image nicht mehr miefig und spießig, sondern frisch, spritzig und witzig erscheinen zu lassen.

Lucky Strike setzt – auch bedingt durch die Einschränkungen für Zigarettenwerbung – eher auf einen minimalistischen Ansatz: Mit ganz sparsamen Mitteln von hohem Wiedererkennungswert wird beispielsweise auf Plakatwänden das Zeitgeschehen ironisch-witzig kommentiert. Der anhaltende Erfolg von Lucky Strike als Trend-Marke gibt dem Hersteller bei der Wahl seiner Strategie recht.

Jägermeister hingegen fährt „das volle Programm“ auf: Die sympathischen Aspekte des althergebrachten Jägermeister-Images wurden extrahiert, fortgeführt und durch neue, ebenso freche wie „stylische“ Elemente (z. B. die Mac-ähnliche Navigation auf der Jägermeister-Homepage www.jagermeister.com) angereichert.  So verjüngt Jägermeister nicht nur sein Erscheinungsbild, sondern schafft zugleich den Spagat zwischen alter und neuer Zielgruppe: Aus dem Logo mit dem Hirschkopf entsteht eine komplette eigene Jägermeister-Welt, in der das „wilde“ Tier als Sympathieträger fungiert und der Wald zum vielfältigen Spaß- und Lifestyle-Kosmos aufblüht. Das Produkt Jägermeister gewinnt auf diese Weise ein ganz neues Eigenleben, das Traditionalisten und Trendsetter gleichermaßen anzusprechen in der Lage ist.

Wie das funktioniert? Sicher lässt sich der Erfolg eines Image-Wechsels nicht bis ins letzte Detail planen. Marken, denen eine solche Frischzellenkur gelingt, dürfen sich auch über das Glück freuen, den Puls des Zeitgeists genau im richtigen Moment getroffen zu haben.

Ideen-Schaufenster

Wie wärs mit Kaffee? Papier hinterlässt einen besonderen Eindruck und dies sollte man nutzen. Alle Sinne ansprechen, das ist die Devise.

Wie wärs mit Kaffee? Papier hinterlässt einen besonderen Eindruck und dies sollte man nutzen. Alle Sinne ansprechen, das ist die Devise.

Bewusstseinserweiterung mit der Handy-Kamera

Ausflug aufs Holodeck gefällig? Star-Trek-Fans sind schon lange vertraut mit der Idee einer „Augmented Reality“ – einer Realität, die durch computergenerierte, virtuelle Elemente eine zusätzliche, gänzlich neue Dimension bekommt. Science-Fiction-Hirngespinste eskapistischer Träumer? Mitnichten. Schon heute wird eifrig mit Spielarten der Erweiterten Realität experimentiert – beispielsweise in Form von virtuellen Stadtführern, bei denen der User mit Hilfe seiner Handykamera Informationen zu den Sehenswürdigkeiten abruft, vor denen er gerade steht. Die Applikation „Wikitude AR Travel Guide“ für Googles Android-Plattform zeigt, wohin die Entwicklung hier in Zukunft gehen kann.  Auch im technischen und medizinischen Bereich eröffnet Augmented Reality ungeahnte Möglichkeiten: zum Beispiel den „Röntgenblick“, der den Arzt bei der Operation mit aktuellen CT- oder Ultraschall-Bilddaten unterstützt. Ebenso denkbar: die Verknüpfung von Positions- und Bilddaten mit zusätzlichen Informationen für die Wartung von industriellen Anlagen oder im Katastrophenschutz.

Bereits jetzt gibt es zudem kreative Ansätze, Augmented Reality auch im Werbesektor für crossmediale Kampagnen nutzbar zu machen. So realisierte Lego bereits ein System, in dem die Schachtel eines Produkts vor die Webkamera gehalten wird und der Bildschirm daraufhin ein animiertes Modell des enthaltenen Spielzeugs visualisiert. Der Autohersteller Ford nutzte Code-Sticker und Handy-Kamera, um dem User eine 3D-Darstellung des Modells KA auf das Display zu zaubern.

Doch welche Faktoren müssen zusammenspielen, um eine Erweiterte Realität erzeugen zu können? Auf den ersten Blick gar nicht viel: eine (Handy-)Kamera, ein Tracking-System wie GPS und die entsprechende AR-Software. Natürlich treten in der Umsetzung noch gravierende Probleme auf, die es langfristig zu lösen gilt, um die Effizienz der Systeme zu steigern: etwa die Leistungsfähigkeit von Akkus und Bilderfassung sowie die durchgehende Verfügbarkeit präziser Positionsdaten. Doch die ersten Schritte sind getan – und es ist jetzt schon abzusehen, dass Augmented Reality unsere Kommunikation und die Wahrnehmung der Umwelt vielleicht ähnlich revolutionieren wird wie in den 1990er Jahren das Internet.