Die Bio-Masse
Das waren noch Zeiten, als Anbieter von biologisch angebauten Lebensmitteln als Exoten und „Öko-Spinner“ betrachtet wurden und der Gang in den Bioladen fast schon einem anarchistischen Akt gleichkam. Damals strickten die Grünen noch im Bundestag, hatten lange Haare, Zottelbärte und leisteten Amtsschwüre in Turnschuhen.
Heute trägt Joschka Fischer teure Anzüge und arbeitet für BMW – und auch die Bio-Branche ist im Mainstream angekommen: Drogeriemärkte und Discounter haben mittlerweile ganz selbstverständlich Bio-Produkte im Regal, oft sogar vertrieben unter eigenen Marken. Traditionelle Hersteller zeigen gegenüber „Bio“ keinerlei Berührungsängste mehr und offerieren selbst entsprechende Produktreihen. Die Tage, in denen sich ein Anbieter ausschließlich über das Label „Bio“ als Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal wirkungsvoll von der Konkurrenz abheben konnte, sind also ein für allemal vorbei.
Wenn aber alles Bio ist, heißt es im Wettbewerb nicht mehr „Bio gegen Konventionell“, sondern „Bio gegen Bio“. Das bedeutet, Bio-Anbieter müssen andere, neue Kriterien finden, mit denen sie das Profil ihrer Marken schärfen können, wenn sie ihre Margen nicht ausschließlich über konkurrenzlos günstige Preise sichern wollen. Denn ein Preiskrieg, der sich zwangsläufig auch in geringerer Produktqualität niederschlagen würde, wäre gerade in der Bio-Branche fatal.
Bio-Hersteller stehen gegenwärtig vor einer Situation, die ein Umdenken erforderlich macht: Idealismus und umweltfreundliche Produktpolitik allein reichen nicht mehr, um im Haifischbecken des „Business“ zu bestehen. Es gilt, die Gesetze des Marktes nicht zu verteufeln, sondern für sich nutzbar zu machen. Und das gelingt nur durch die Kommunikation eines klaren, eigenständigen Markenprofils.
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