Lasst Fetzen sprechen
Promi-Köpfe werden in der Werbung immer gern genommen – wenn sie beispielsweise erklären, wie sie zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung stehen. Oder sich nicht zu schade dafür sind, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellten Artikel eines Textildiscounters zu bewerben.
Glücklicherweise gibt es immer noch Beispiele, bei denen weder ein Gesicht als purer Werbeträger noch der Profit, sondern durchaus eine wichtige Botschaft im Vordergrund steht. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Ein solches Meisterstück ist der Agentur Scholz & Friends mit einem Beitrag zur FAZ-Reihe „Kluge Köpfe“ gelungen: Auf dem Foto ist Marianne Bithler zu sehen, die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen – jedoch nicht ihr kluger Kopf, sondern lediglich ihre Hand, die ein aus zahllosen Schnipseln zusammengesetztes Exemplar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vors Gesicht hält. Die Message trifft den Betrachter hart und unerbittlich. Sie lässt weder Missverständnisse noch Schönfärbereien zu. Frau Bithler ist auf dem Bild zwar sehr präsent, tritt aber zugunsten der wichtigen politischen Aussage in den Hintergrund.
Die Eindringlichkeit des Bildmotivs zeigt Wirkung. Mit einem Mal beginnt man wieder, sich in Gedanken mit diesem wichtigen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – mit Ereignissen, die angesichts des täglichen Medien-Overkills in unseren Köpfen schon fast der Vergessenheit anheimgefallen sind.
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