Archiv für July, 2010

Das virale Lauffeuer

Heute schon mal „Gefällt mir“ geklickt? Oder „Teilen?“ Irgendeinen Artikel auf einem Online-Portal Ihren Freunden bei Facebook empfohlen, weil er Ihnen aus der Seele gesprochen hat? Oder gar einen witzigen Werbespot, den Sie gerade auf Youtube gefunden haben?

Millionen von Menschen klicken regelmäßig in aller Welt auf „Gefällt mir“ und „Teilen“ – nicht selten sogar mehrmals täglich. Und wer eine Botschaft im Internet geschickt platziert, kann damit ohne Weiteres ein regelrechtes Social-Media-Lauffeuer entfachen. Seine Nachricht in wenigen Stunden über alle Kontinente verbreiten. Aktuelles Beispiel: Die geheimen Afghanistan-Dokumente bei Wikileaks sind heute in aller Munde und werden sicher die eine oder andere weitreichende politische Veränderung provozieren. Ohne die immense Dynamik von sozialen Netzwerken wie Facebook würde es zweifellos viel länger dauern, bis derartige Dinge ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen könnten. Und dann wäre es womöglich schon wieder zu spät, um ordentlich Wirkung zu entfalten …

 Auch Werbung und Marketing profitieren von den ultraschnellen und megaeffizienten Kommunikationskanälen der sozialen Netzwerke. Und wenn sie es geschickt anstellen, müssen sie weder viel Zeit noch Millionenbudgets in entsprechende Kampagnen investieren. Denn dann erledigt die Netzgemeinde die Arbeit schon fast von selbst. So geschehen bei Ikea zur Eröffnung der neuen Filiale in Malmö im Herbst 2009. Die Agentur Forsman & Bodenfors in Göteborg platzierte kurzerhand ein Profil des Filial-Chefs Gordon Gustavsson in Facebook, pflasterte es mit Bildern von Ikea-Produkten zu und verband das Ganze mit einem Gewinnspiel: Wer als Erster ein Bild mit seinem Namen kennzeichnete, gewann das entsprechende Möbelstück. Der Clou: Wer auf ein Bild klickte, informierte damit gleichzeitig all seine Facebook-Kontakte von der Ikea-Aktion – nullkommanichts und mit minimalem Aufwand hatte Ikea auf diese Weise ein Millionenpublikum erreicht.

 Und jetzt? Sehen Sie rechts von diesem Text den blauen „Teilen“-Button? Klicken Sie doch einfach mal drauf! ;-)

SQUIDDS entfacht das Feuer

Es war heiß, sehr heiß am Mittwoch vergangener Woche. Als ich das Auto bestieg, betrug die Innenraumtemperatur heimelige 44 Grad Celsius. Ich schnappte nach Luft und machte mich auf den Weg … zu einem Kamingespräch

SQUIDDS, die Spezialisten für Technische Dokumentation mit Firmensitz am Nürnberger Hafen, hatten eingeladen zu einem konzentrierten Gedankenaustausch unter Experten, Entwicklern und Anwendern. Aufhänger für die Veranstaltung „Technische Dokumentation erleben“ war die Veröffentlichung von Adobes Technical Communication Suite 2.5, die Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zum Anlass nahm, über ausgewählte neue Features des Software-Pakets zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Mit einer Reihe von anspruchsvollen, aber leicht verständlichen Beiträgen vermittelten Referenten der Unternehmen Acolada, Theorie3.De und CAP Studio ein umfassendes Bild dessen, was mit Technischer Dokumentation heute möglich ist. Die Optimierung des Workflows mit Hilfe von Content-Management-Systemen kam ebenso zur Sprache wie das Potenzial von 3D-PDF in der Katalogerstellung und eine kritische Würdigung des Dokumentenformats DITA. Abschließend ermutigte Georg Eck  dann noch zu einem Blick über den Tellerrand: Wie lassen sich Communities und Social Media in den Prozess der Technischen Dokumentation mit einbinden? Wie kann man sich die Vorteile moderner Online- und Mobile-Technologien in diesem Bereich noch stärker zunutze machen? 

Als ich nach dem Ende der Veranstaltung die SQUIDDS-Räumlichkeiten verließ und auf die Straße trat, hatte es immer noch über 30 Grad Celsius. „Technische Dokumentation ist tatsächlich ein heißes Thema“, schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte beim Kamingespräch einen intensiven Einblick in Bereiche der Technischen Dokumentation erhalten, von deren Potenzial ich bislang noch viel zu wenig wusste. Viele Erkenntnisse und Anregungen gewann ich auch aus den entspannten, aber sehr lebhaften Diskussionen zwischen den Fachbeiträgen. Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Kamingesprächs: „Es ist sehr lange her, dass ich zum letzten Mal derart tiefgründige und inspirierende Diskussionen miterleben durfte.“ 

Der Erfolg des ersten SQUIDDS-Kamingesprächs macht Lust auf mehr. Umso größer die Freude der rund ein Dutzend Teilnehmer, als Georg Eck verkündete, weitere Veranstaltungen dieser Art folgen lassen zu wollen. Das nächste Kamingespräch könnte eventuell bereits im September oder Oktober stattfinden. Behalten Sie also jetzt schon mal die Neuigkeiten auf der SQUIDDS-Homepage im Auge. Es lohnt sich!

Audi horcht in die Zukunft

Als August Horch 1909 die von ihm gegründete August Horch & Cie Motorwagenwerke Zwickau verließ, um einen unternehmerischen Neustart zu wagen, wandte er einen raffinierten Kniff an, um seinen Familiennamen weiterhin als Bestandteil des Firmennamens nutzen zu können: Er übersetzte „Horch!“ kurzerhand ins Lateinische. Heraus kam „Audi“, der Imperativ Singular von „audire“ (dt. „hören“). Derlei Kreativität hat bei Audi mittlerweile Tradition. So schaffte es der Ingolstädter Autobauer auch, sich vom Image einer „Altherren-Marke“ zu befreien und sich erfolgreich als weithin geachteter Premium-OEM zu positionieren. Hochwertiges, gediegenes Design und technische Innovationsfreude machen Audi heute zu einem der wichtigsten Automotive-Unternehmen der Welt.

Doch mit „Vorsprung durch Technik“ allein lassen sich noch keine Kunden gewinnen. Es ist – wie damals anno 1909 – die richtige Sprache, die den Erfolg bringt. So war Audi immer einer der Ersten, die gelernt haben, wie man die modernen Kommunikationsmittel am besten nutzt, um seine Zielgruppen zu erreichen. Und jetzt geht es darum, weibliche und männliche Käufer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren für den neuen Kleinwagen A1 zu begeistern. Folgerichtig setzt Audi bei der Prelaunch-Kampagne auf einen aufwändigen Medien-Mix, der alles einschließt: von der eigenen A1-Internet-Microsite als Startplattform über die virtuelle Probefahrt, Kurzfilme auf Youtube und Präsenzen auf allen entscheidenden Social-Media-Portalen. Ein Film mit Pop-Idol Justin Timberlake gehört ebenso zum Gesamtpaket wie der exklusive Rocksoundtrack, der „Stilberater“ oder das iPhone-Game. Das Überzeugende an Audis A1-Kampagne ist nicht primär der multimediale Overkill, sondern wie gut die Einzelkomponenten ineinandergreifen und ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben – eine große virtuelle Spielwiese, die den potenziellen Käufer auf allen Ebenen emotional wie intellektuell zu beschäftigen weiß. Die Kampagne zeigt: Audi hat verstanden, wie die Kommunikation der Zukunft funktioniert.

Warum Puma Pizza nicht mehr schmeckt

Es dürfte jedem klar sein: Bei der WM in Südafrika geht es nicht nur um Fußball. Irgendwie bei dem Spektakel dabei zu sein, kann dem (Marken-)Image einen gehörigen Schub verleihen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte von diesem Effekt profitieren. Es kann ja nicht schaden, sich nach dem Debakel der Bundespräsidenten-Wahl ein wenig im Glanz von Jogi Löws Nationalmannschaft zu sonnen, mögen sich ihre Berater gedacht haben. Und so wohnte Merkel dem 4:0-Sieg über Argentinien in Kapstadt höchstpersönlich bei. Eigentlich eine gute Gelegenheit, um vor Dutzenden von Kameras wieder mal ein wenig Volksnähe zu demonstrieren – wenn da nicht der bittere Beigeschmack wäre, dass Merkels Flug nach Südafrika in etwa zehn Jahresgehälter hart arbeitender Bürger an Steuergeldern verschlungen hat …

Nicht nur für Politiker, sondern auch für Unternehmen mit handfesten wirtschaftlichen Interessen ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein zweischneidiges Schwert: Wer wie adidas auf die deutsche Mannschaft setzte, hat jetzt schon das große Los gezogen: die Fußballtrikots des Markenartikel-Herstellers gehen weg wie warme Semmeln und bescheren adidas im WM-Jahr vorausschichtlich ein Umsatz-Plus von 25 Prozent. Mitbewerber Puma hatte weniger Glück: er investierte 16,5 Millionen Euro in die Ausrüstung des Ex-Weltmeisters Italien – der dann prompt schon in der Vorrunde aus dem Rennen flog. Puma wird sich demnach wohl weder über die erhofften Einnahmen noch über einen Image-Gewinn freuen können. Besonders tragisch erwischte es bei der Weltmeisterschaft 2006 den fränkischen Spielwarenhersteller NICI, der das Maskottchen Goleo in Lizenz produzierte und u. a. wegen mangelnder Nachfrage noch vor Beginn der WM Insolvenz anmelden musste.

Eigentlich erschreckend, wie 90 Minuten Spielzeit nicht nur für Fußballerkarrieren, sondern auch für Wohl und Wehe ganzer Großkonzerne entscheidend sein können. Aber die Chancen auf einen Image-Gewinn scheinen trotz des enormen Risikos deutlich zu überwiegen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sich alle vier Jahre so viele Hersteller darum reißen, Lizenzprodukte auf den Markt bringen zu dürfen.