Facebook kommt in die Jahre
Wie lange hat man Fans? Wie dauerhaft sind Freundschaften? Im Zeitalter sozialer Online-Netzwerke haben Begriffe wie „Freundschaft“ eine völlig neue Bedeutung bekommen – begleiten uns Freunde im realen Leben bislang oft über Jahrzehnte hinweg, stehen und fallen die Kontakte zu virtuellen „Freunden“ nicht selten mit dem Erfolg des sozialen Netzwerks, in dem man mit ihnen die Verbindung geknüpft hat. Facebook ist – gegenwärtig – die ideale Plattform, um alte Freundschaften neu zu beleben, Kontakte zu geschätzten Menschen in aller Welt zu pflegen und neue Bekanntschaften zu schließen. Doch so universell das System Facebook auf den ersten Blick wirken mag, ist es dann doch nicht. Die einen stören sich an ungelösten Problemen des Datenschutzes, Business-User fürchten eine unerwünschte, schleichende Vermengung von beruflichen und privaten Inhalten, andere wiederum vermissen weitreichende Möglichkeiten der individuellen Anpassung.
So wird sicher auch in Zukunft eine breite Vielfalt unterschiedlichster Netzwerke existieren, die gezielt völlig verschiedene Alters- und Interessengruppen bedienen können. Auch wenn der Blog MediaWeek kürzlich einige hoffnungsvolle Projekte im Netz aufgestöbert hat, ist derzeit schwer abzusehen, wohin die Entwicklung letztendlich führen wird – schließlich verändern sich auch die Ansprüche und Bedürfnisse der User mit den sich rasch wandelnden technischen Möglichkeiten. Viele Projekte, die noch vor nicht allzu langer Zeit als Offenbarungen gehandelt wurden, fristen heute bereits ein klägliches Nischendasein oder wurden komplett eingestellt. Kaum ein Hahn kräht heute beispielsweise noch nach Second Life. Und erst vor wenigen Wochen hat Google sein Projekt „Wave“ ad acta gelegt. Auch die Begeisterung für einst hochgelobte Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn scheint gegenwärtig spürbar abzuebben.
Ob Moshi Monsters für Kinder, mGage für Marketing-Leute oder der vielseitige Aggregator TweetDeck – niemand kann sagen, ob sich einer dieser Ansätze auf Dauer bewähren wird. Gerade angesichts der aktuellen Diskussion um die Datensammelwut und den mangelhaften Schutz der Privatsphäre bei Plattformen wie Facebook dürfte allerdings für viele User das Netzwerk Diaspora interessant sein. Das Open-Source-Projekt auf Peer-to-Peer-Basis will dem User die Kontrolle über seine Daten zurückgeben und wird bereits jetzt als künftiger, scharfer Facebook-Konkurrent gehandelt. Doch auch für diesen Fall gilt: Was heute vielversprechend wirkt, kann im Web morgen schon wieder veraltet sein. Das Positive daran: Das Netz ist voller Leben. Und so wird auch das virtuelle Dasein in sozialen Netzwerken in nächster Zeit kaum der Langeweile und Alltagsroutine anheimfallen.
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