Archiv für Januar, 2011

Aufschwung süßsauer

Viele sahen die deutsche Autoindustrie in den vergangenen beiden Jahren schon nahe am Abgrund. Verzweiflungsmaßnahmen wie Kurzarbeit und Abwrackprämie sollten den lahmenden Gaul wieder auf die Beine bringen. Doch heute? Fast der ganze Jammer ist schon wieder verflogen.

Deutsche Autobauer fahren wieder Sonderschichten, Audi legte 2010 mit 1,1 Millionen verkauften Fahrzeugen das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte hin, VW setzte 4,5 Millionen Autos ab und Daimler jubelt über einen Zuwachs von 12 Prozent. Doch auf welchen Straßen sind die Legionen der im vergangenen Jahr abgesetzten Neuwagen eigentlich unterwegs? In Deutschland wohl kaum. Einschlägigen Erhebungen zufolge verkauften alle Autohersteller zusammen in Deutschland 2010 nur etwa 2,9 Millionen Fahrzeuge. Stattdessen öffnet sich gegenwärtig ein Markt, den bis vor kurzem noch kaum jemand so richtig auf dem Plan hatte. Schwellenländer, besonders in Fernost, legen derzeit massiv an Wirtschaftskraft zu und haben die westlichen Industrienationen mit Wachstumsrekorden vielfach schon überrundet. J.P. Morgan prophezeit jetzt schon, dass G20 bald mehr Gewicht haben wird als G7, wenn es um die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft geht.

China entwickelt sich beispielsweise gegenwärtig zur wahren Goldgrube für deutsche Autohersteller. Denn wer in Peking, Shanghai oder Shenzhen etwas auf sich hält, fährt nicht etwa eine einheimische Marke, sondern setzt auf Premium-Produkte von BMW, Audi, Mercedes & Co.  Doch der neue, so ungeheuer dynamische Absatzmarkt birgt nicht nur Chancen für hiesige Unternehmen, sondern auch Tücken für die deutsche Industrielandschaft. Es ist naheliegend, dass OEMs und Zulieferer mittelfristig dazu übergehen werden, die neuen Wachstumsmärkte direkt vor Ort zu bedienen und ihre Ressourcen zunehmend in Richtung Fernost zu verlagern. Von dieser Entwicklung wird nicht nur die Produktion betroffen sein, sondern auch Forschung und Entwicklung. Selbst in Sachen Ausstattung und Design dürfte man sich zunehmend an den Anforderungen des asiatischen Raums ausrichten.

Was also gegenwärtig noch vielfach euphorisch als Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft begrüßt wird, könnte sich bald als echtes Problem erweisen. Den Unternehmen kann man die Orientierung hin zu neuen lukrativen Räumen kaum verdenken. Mit der zunehmenden Abhängigkeit deutscher Großkonzerne vom chinesischen Markt begeben sich Letztere jedoch nicht zuletzt aufgrund unberechenbarer politischer Voraussetzungen auch auf dünnes Eis, dessen Tragfähigkeit heute noch kaum sicher einzuschätzen ist. Wollen wir hoffen, dass sich hier nicht in absehbarer Zukunft die nächste „alternativlose“ Notwendigkeit für einen „Rettungsschirm“ anbahnt …

Mit Freunden Geschäfte machen

Kaum ein Internet-Phänomen ist derzeit so heftig umstritten wie Facebook. Im Vordergrund steht dabei häufig die Angst, die Kontrolle über persönliche Daten zu verlieren und zum Spielball von Konzernen, Werbung oder sogar politischer Interessengruppen zu werden. Wie immer, wenn etwas neu ist, überwiegen zunächst die Bedenken – dabei sind wir auch ohne Facebook längst zu „gläsernen Bürgern“ geworden.

Sicher müssen Datenschutz und Persönllichkeitsrechte sehr ernst genommen werden. Aber in der aktuellen öffentlichen Facebook-Diskussion gerät die andere Seite der Medaille zunehmend ins Hintertreffen: das enorme Potenzial, das Facebook nicht nur für das Pflegen privater Kontakte hat, sondern auch für die Kommunikation auf B2B- und B2C-Ebene.

So ermöglicht es Facebook Händlern und Unternehmen, über eigene Profilseiten die emotionale Brücke zum Kunden zu schlagen und Vertrauen aufzubauen. Der persönliche Kontakt zwischen Kunden und Anbieter kann also schon hergestellt werden, bevor Ersterer überhaupt den Laden betritt. Praktisch: Der Kunde kann sich vorab ein klares Bild vom Verkäufer machen und weiß unter Umständen sogar schon, wer sein persönlicher Ansprechpartner ist.

Bei der Beziehung zwischen Händler und Kunden erweist sich gerade die Transparenz von Facebook als großer Vorteil: Mit einem Blick auf die unternehmenseigene Pinnwand wird es für den Händler deutlich, wie gut sein Auftritt beim Kunden ankommt und wo Optimierungsbedarf besteht. Und der Interessent erkennt sofort, wie intensiv sich der Händler um seine Kunden kümmert, wie schnell und wie ausführlich Anfragen beantwortet werden und wie umfangreich das Service-Angebot ausfällt.

Facebook bedeutet für Werbe- und Marketingabteilungen die Abkehr vom reinen Kampagnendenken. An die Stelle von zeitlich befristeten Aktionen setzt Facebook die dauernde Präsenz. Wer hier durch Rührigkeit, Kundennähe und Vertrauenswürdigkeit überzeugt, hat beim Kunden automatisch die besseren Karten – und das ohne großen Aufwand an Zeit und Personalressourcen.

Nur einen Fehler sollte man als Händler vermeiden: Facebook ist als direkter Verkaufskanal nur bedingt geeignet. Man sollte das Portal vielmehr als Medium nutzen, sein eigenes Profil zu schärfen und durch nachhaltigen, intensiven Kontakt mit dem Kunden eine dauerhafte Vertrauensbasis zu schaffen. Dann läuft es mit den Verkäufen auch ganz von selbst …