Archiv für Mai, 2011

Brot für die Marke

Kurze URLs sind schon etwas Praktisches – wer twittert, weiß die Möglichkeit, ellenlange Links auf wenige Zeichen zusammenzustauchen, sehr zu schätzen. Ein junges Unternehmen will das Verfahren jetzt für Werbezwecke nutzbar machen.  Bre.ad heißt ihr System, das beim Anklicken des Links erst für fünf Sekunden eine Werbeseite anzeigt, bevor der User zu seinem tatsächlichen Ziel weitergeleitet wird. Die Inhalte der Werbeseite kann derjenige selbst gestalten, der den verkürzten Link verschickt – sei es ein Hinweis auf das eigene Unternehmen, ein bestimmtes Produkt oder eine Kampagne zu einem guten Zweck. Neben der Textmessage kann ein 720 x 300 Pixel großes Bild in die Werbe-Message mit eingebunden werden – ideal, um die Kurz-Links wirkungsvoll mit Botschaften zur eigenen Marke aufzuladen. Gegenwärtig noch in der Testphase, hinterlässt bre.ad einen vielversprechenden Eindruck. Die zwischengeschaltete Werbung – auch Toast genannt – wirkt unaufdringlich und persönlich zugleich. Zumindest für eine Weile dürfte sich damit sehr effizient Aufmerksamkeit erzielen lassen.

Laut Mashable hat Lady Gaga schon einen Account. Weitere 500 User, die rechtzeitig über die Mailadresse mashable@bre.ad ihr Interesse bekunden, können an der bald anstehenden Beta-Phase teilnehmen.

Wii shall overcome?

Jetzt muss ich einmal ganz dick auftragen: Ich war schon als Kind ein Visionär. Gemeinsam mit meinem Cousin saß ich zu Zeiten, als Fernsehen noch überwiegend schwarzweiß und auf drei Programme beschränkt war, in einem Dachgeschosszimmer. Bewaffnet mit bunt isolierten Drahtstücken, Pappe, Reißnägeln, Plastikabfall, kleinen Glühbirnen, Uhu, Schere, Bleistift und Filzschreibern machten wir uns an die Arbeit. Wir nahmen leere Streichholzschachteln und ordneten darin kunstvoll und „technisch aussehend“ unsere Bauteile an. Wir überklebten das Etikett der Schachtel mit weißem Papier und zeichneten mit feinen Strichen Bedienkonsolen darauf. Wir nannten diese Kreationen „Allesgeräte“, denn in unserer Fantasie konnte man alles damit machen: Telefonieren, Fernsehen, fremde Autos James-Bond-mäßig in die Luft jagen und und und … Mein Cousin und ich waren damals ein eingeschworenes Team. Er war X-7 und ich X-8. Und wir trugen unsere Allesgeräte immer mit uns in der Hosentasche herum. Man wusste ja nie, wann man mal in die Verlegenheit kommen würde, Goldfinger oder Dr. No unschädlich machen zu müssen.

Naja, heute sind diese Allesgeräte Realität. Fast jeder schleppt heute ein Smartphone mit sich herum. Und noch vor ein, zwei Jahren hätte niemand für möglich gehalten, wie sehr Smartphones und Tablets unsere ganze Welt verändern würden. Auch ganz ohne Dr. No, Scaramanga, Blofeld und Goldfinger.

Jetzt hat es auch die Spiele-Industrie erwischt. Auf der Entwicklerkonferenz Quo Vadis 2011, die jüngst in Berlin stattfand, wurde die Tragweite des Trends zu Smartphone und Tablet-PC auch für diesen Sektor deutlich. Hieß es vor Jahren noch, der PC als Spielgerät sei tot und die Zukunft würde den Konsolen gehören, haben die Konsolen nun mit iPhone, iPad & Co. massive Konkurrenz bekommen. Nintendos neue 3D-Konsole verkauft sich derzeit schleppender als erwartet und der Datenskandal um Sonys Playstation Network tut ein Übriges, um Fans weiter zu vergraulen. Konsolenspiele sind überdies teuer – App-Stores bieten hochwertige Games für Smartphones und Tablets hingegen bereits für wenige Euros an. Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der mobilen Endgeräte und günstigen Flatrates dürfte sich dieser Trend noch weiter verschärfen. Wer hier weiter bestehen will, braucht außergewöhnliche Bedienkonzepte wie Nintendos Wii oder Microsofts Kinect. Doch angesichts der rasanten Entwicklung läuft jeder Hersteller Gefahr, dass ein von langer Hand vorbereitetes Produkt bereits bei Release schon wieder den Anschluss verloren hat.

Fazit: Wer heutzutage ein innovatives, zukunftssicheres Allesgerät bauen will, muss tatsächlich ein außerordentlich begabter Visionär sein …

 

Die Alten kommen

Jugendkult? Das war einmal. Wer heute das TV-Gerät einschaltet, sieht in den Werbepausen statt hibbeliger 20-Jähriger immer öfter Graumelierte „in den besten Jahren“. Kein Wunder, schließlich steigt das Durchschnittsalter in unserer Gesellschaft immer weiter an, und es gilt jetzt, eine Zielgruppe zu bedienen, die lange Zeit von der Werbung vernachlässigt worden ist. Die „Best Agers“, die „Silver Generation“, wie man die Älteren in Marketingkreisen gerne nennt, sind die Generation der Zukunft: mit viel Kaufkraft und viel Freizeit für viel Konsum.

Enexy, ein Süßigkeitenhersteller aus Schwäbisch Gmünd, treibt den neuen Trend nun auf die Spitze. Er lässt den 107 Jahre alten Johannes Heesters gemeinsam mit Rapper Oliver Harris in einem Werbespot für einen neuen Energy-Riegel antreten. Mit diesem Kniff der Berliner Agentur Alpha Pool gelingt der Brückenschlag zwischen Jung und Alt perfekt: Heesters zeigt dem Jungspunt Harris so richtig, wo der Hammer hängt („Du bist einfach nicht tight, Alter!“), während sich Harris cool in Selbstironie übt.

Der Enexy-Riegel soll laut Hersteller „neue Akzente im Süßwarenmarkt“ setzen und verbindet die aufputschende Wirkung von Koffein mit der von Guarana. Weiße Schokolade umhüllt eine Füllung aus neongrünem Gel. Horizont.net berichtet, dass der generationsübergreifende Power-Snack in Kürze im Handel landen soll. Wir wären sehr überrascht, wenn der humorige Spot und das Produkt selbst nicht einschlagen würden wie eine Bombe …