Nachhaltigkeit – mehr als ein Modewort
Geht es Ihnen auch so wie mir? Manchmal kann ich das Wort Nachhaltigkeit nicht mehr hören. Jede Firma, jede Agentur bekennt sich mittlerweile offen zu nachhaltigen Unternehmens- und Markenkonzepten. Doch was steckt wirklich dahinter? Wie ernst meinen es die Betreffenden? Kein Ort eignet sich hier besser für eine Bestandsaufnahme als eine Messe. Hier präsentieren sich Unternehmen so, wie sie denken, bei der Zielgruppe die maximale Wirkung zu erzielen – das entsprechende Budget natürlich vorausgesetzt. Auf Messen will man klotzen und nicht kleckern: Großzügige Standarchitektur, edle Materialien, aufwändige Licht- und Tontechnik, multimediale Reizüberflutung allerorten. Wer heute eine Messe besucht, wird feststellen: Der Gedanke der Nachhaltigkeit hat vielfach erst punktuell Fuß gefasst und beherrscht in den seltensten Fällen durchgängig den gesamten Markenauftritt.
Dabei wäre die Messe das ideale Forum, eine von Nachhaltigkeit geprägte Unternehmensphilosophie nach außen zu tragen. Und sie böte die Gelegenheit zu einem Auftritt, der sich deutlich vom Gros des Mitbewerbs abhebt. Der die Marke mit positiven Attributen wie Umweltbewusstsein, Wirtschaftlichkeit, soziale Verantwortung, Fortschrittlichkeit und auch Kreativität aufzuladen imstande ist. Alles was man dazu braucht: umweltverträgliche und/oder recyclingfähige Materialien und ein paar unkonventionelle, frische Ideen. Das Magazin PAGE hat dem Thema der nachhaltigen Standkonzepte kürzlich einen eigenen Artikel gewidmet und inspirierende Anregungen für Eventmanagement und Messebau geliefert: Pappkarton oder Pizzaschachteln eignen sich ebenso für ungewöhnliche Messebauten wie etwa Campbell Suppendosen, die ja seit Andy Warhol ohnehin Kultstatus genießen. Besonders findig war kürzlich Oikos, eine studentische Initiative für Sustainable Economics and Management, die auf der goodgoods in Hamburg einen Messestand kurzerhand aus dem Verpackungsmüll der anderen Aussteller errichtete. Ob ausrangierte Stadionsitze, gebrauchte Holzpaletten, strapazierfähige Pressspanplatten aus recyceltem Papier oder schadstoffarmen Naturfaser-Verbundstoffen – die Möglichkeiten, mit ausrangierten oder besonders umweltverträglichen Komponenten außergewöhnliche Effekte zu erzielen, sind fast unbegrenzt. Weitere Vorteile, die mit nachhaltigen Messebauten fast automatisch einhergehen: die Wiederverwertbarkeit der meisten Komponenten, ihre transportfreundliche Leichtigkeit und die vergleichsweise geringen Anschaffungskosten – somit gesellt sich zur Nachhaltigkeit auch noch der Aspekt der Wirtschaftlichkeit.
Zugegeben: Es verlangt Mut und viel Fantasie, den protzigen Materialschlachten herkömmlicher Messestände etwas Neues, Unkonventionelles entgegenzusetzen. Aber der positive Effekt dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Der zahlt sich dann buchstäblich aus – und zwar nachhaltig.
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