Archiv für August, 2011

Was soll das mit dem Plus?

„Hat jemand eine Einladung für mich?“ Das war vor ein paar Wochen sicher eine der häufigsten Fragen, die in Netzwerken wie Facebook oder Xing unter Computer-Nerds die Runde machte. Einladung wofür? Für das Privileg, zu den Ersten zu gehören, die den neuen, vermeintlichen „Facebook-Killer“ Google+ ausprobieren können. Und? Wie ist nun der erste Eindruck vom neuen sozialen Netzwerk? Nun, alles hübsch aufgeräumt. Der „Stream“ ist Facebooks „Pinnwand“ nicht unähnlich, lässt sich aber leichter und differenzierter filtern. Eine gute Idee, „Freunde“ in „Circles“ gruppieren zu können. Das schafft Ordnung und die Möglichkeit, Meldungen sehr komfortabel an ganz bestimmte Zielgruppen zu adressieren. Und überhaupt: Es ist schön, alles auf einer Oberfläche mit einem Mausklick erreichen zu können: Suchmaschine, E-Mail-Konto, Kalender, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Fotosammlung …

Nach anfänglichen, leidenschaftlichen Diskussionen, ob Google+ auf längere Sicht Facebook gefährlich werden könnte, hat sich die erste Aufregung mittlerweile ziemlich gelegt. Allenfalls der Klarnamen-Zwang sorgt hie und da noch für Gesprächsstoff – ist ja auch eine lustige Geschichte, wenn Leute wie (der echte) William Shatner („Captain Kirk“) angeblich von Google wegen Fake-Namen-Verdachts zeitweilig gesperrt wurden. Und der wenig durchdachte Sommerloch-Beitrag von Innenminister Friedrich, User sollten in sozialen Netzwerken mit „offenem Visier, d. h. mit ihrem richtigen Namen, auftreten, hat sich schnell als das entpuppt, was es ist: heiße Luft aus einer Ecke, die das Internet immer noch nicht verstanden hat.

Bei Facebook läuft derzeit alles weiter wie gehabt – zumindest, soweit man das als „Normal-User“ beurteilen kann. Bei Google+ hingegen fließt der „Stream“ noch deutlich zäher – kein Wunder, tummeln sich hier doch im Wesentlichen dieselben Leute, die man auch schon in Facebook oder Xing auf seiner Kontakteliste stehen hat. Wer sich hier nicht explizit für Google+ entscheidet, wird aus purer Gewohnheit weiter in seinen „alten“ Netzwerken posten – zumal man dort gegenwärtig immer noch mehr Menschen erreicht.

Ist Google+ damit schon gescheitert? Nein, sicherlich nicht. Ob sich das Netzwerk behaupten  und das Gros der Internet-User für sich begeistern können wird, zeigt sich erst, wenn es für die breite Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Auch Unternehmen, die bereits heute bei Marketing und PR massiv auf Social Media setzen, haben derzeit noch keine Möglichkeit, das neue Instrument richtig zu nutzen und zu erproben.  Doch gerade hier könnte eines der interessantesten Potenziale von Google+ liegen: Allein schon die Möglichkeit der effizienten, zielgruppengerechten Ansprache via „Circles“ und die direkte Verknüpfung mit der mächtigsten Suchmaschine dürften hier faszinierende Perspektiven eröffnen.

Sie möchten Google+ ausprobieren? Dann kommen Sie doch rüber! Schreiben Sie uns, wir haben noch ein paar Einladungen zu vergeben …