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Vom Bundestrojaner zum Unternehmenstrojaner – oder: Wie man innerhalb von wenigen Tagen Vertrauen in eine Marke verspielt

Was ist Privatsphäre heute noch wert? Nicht viel, wie es scheint. Und zweifellos trägt das Internet zu dieser Entwicklung bei. Wir wollen nun nicht ins selbe Horn stoßen wie diverse Fortschrittsverächter, die in jeder Innovation gleich einen potenziellen Totengräber des Abendlands vermuten. Welche enormen Vorteile beispielsweise Social Media für Anwender und Unternehmen mit sich bringen können, haben wir an dieser Stelle ja schon des Öfteren thematisiert. Dennoch: Wer von uns stellt sich auf den größten Platz seiner Stadt, zieht sich vor allen Passanten nackt aus oder präsentiert auf einem Tischchen seine Einkommensteuererklärung für jeden Vorbeigehenden zur Einsichtnahme? Daneben liegt dann gleich eine Liste mit den schweren, ansteckenden Krankheiten der letzten Jahre und der Ausdruck mit den persönlichen Daten aller Menschen aus, mit denen man in den letzten sechs Monaten telefoniert hat. Als Dreingabe gibt’s schließlich noch das pikante Bewegungsprofil, aus dem sich mühelos entnehmen lässt, in welchen Läden, Restaurants und sozialen Schichten man so verkehrt …

„Ich habe nichts zu verbergen“, wenden immer noch viele ein und öffnen staatlichen Institutionen wie privaten Unternehmen bereitwillig Tür und Tor zum eigenen Daten-Pool, nicht ahnend, dass sie sich damit selber zum Spielball fremder Interessen machen. Und hier geht es längst nicht mehr nur um lästige Werbe-Postwurfsendungen, Call-Center-Drückerkolonnen oder Spam im heimischen Mail-Programm. Staatliche Organe bedienen sich mittlerweile in wesentlich größerem Umfang des sogenannten Bundestrojaners, als dies nach einschlägigen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts erlaubt ist. Die sächsische Polizei späht nach dem Gießkannenprinzip einfach mal weit über 100.000 Mobilfunkverbindungen unbescholtener Bürger aus und so weiter …

Die wenigsten regen sich wirklich darüber auf. In der alltäglichen Nachrichtenflut geht sowas schnell wieder unter. Genauso wie die gespeicherten Bewegungsprofile auf Apples iPhone. Aktiv werden Bürger stattdessen dort, wo es eigentlich am wenigsten weh tut – wie etwa bei der Ablichtung ohnehin öffentlich einsehbarer Gebäude für Dienste wie Google Streetview. Insbesondere hier kam es zu geradezu grotesken Situationen, wenn sich beispielsweise Organisatoren von Anti-Streetview-Initiativen von den Medien ohne Bedenken vor ihren Wohnhäusern fotografieren ließen. So war es auch ohne Streetview mit wenigen Mausklicks möglich, Adressen samt Telefonnummern herauszufinden und einen ersten Einblick in das soziale Umfeld der betreffenden Personen zu bekommen.

Derzeit macht ein neuer Daten-Schnüffelskandal die Runde – mit ganz ähnlicher Ambivalenz. Computerspiele-Gigant Electronic Arts betreibt einen Online-Shop namens Origin, der Bestandteil der Software-Pakete des Unternehmens ist. Wer beispielsweise den neuen „Fussball Manager 12“ oder „Battlefield 3“ spielen will, kommt um Origin nicht herum. Anwender haben jedoch mittlerweile herausgefunden, dass Origin sehr neugierig ist: Es fragt unter anderem die Postleitzahl des Benutzers ab, durchwühlt Cache und Browserverlauf … und scannt sogar die Daten, die in der Einkommensteuer-Software hinterlegt sind. User reagieren empört – mittlerweile hat der neue Hype-Spieletitel aus dem Hause EA, „Battlefield 3“, auf Amazon weit über tausend Negativ-Bewertungen mit nur einem Stern. Trotzdem kaufen die Leute das Produkt – es hat bei Amazon in der Rubrik „Games“ derzeit Rang 2 erreicht.

EAs Ruf ist durch die Datensammelwut von Origin sicherlich nachhaltig angekratzt. Verstörend: Konsumenten kritisieren zwar die Vorgehensweise des Konzerns, kaufen aber trotzdem dessen Produkte – der Konsumwille siegt über ethische Gesichtspunkte beim Umgang mit persönlichen Daten. Fragt sich nur, wie lange noch – der Grundstein für mehr „Awareness“ in Sachen Datenschutz ist gelegt. Und das ist auch gut so. Langfristig wird EA sicher seine Origin-Strategie überdenken müssen, wenn der Konzern nicht massenweise potenzielle Käufer vergrätzen will …

Der gegelte Axolotl

Wer sich mit seiner Persönlichkeit als Marke positionieren will, um sein Profil zu schärfen und seinem gesellschaftlichen oder monetären Erfolg damit einen ordentlichen Schub verleihen möchte, sollte sich an ein altes Sprichwort halten: „Ehrlich währt am längsten“. Das mag altbacken klingen, aber gerade in den letzten Tagen hat es sich gezeigt, dass doch sehr viel Wahres in diesen vier Wörtchen steckt.

Blicken wir ein Jahr zurück: Da brachte die damals gerade 17-jährige Jungautorin und Dramaturgen-Tochter Helene Hegemann das zunächst als Sensation gefeierte Machwerk „Axolotl Roadkill“ auf den Markt. Die Feuilletons überschlugen sich mit begeisterten Lobeshymnen – bis ein Blogger Hegemann nachwies, dass große Teile ihres Buches schlicht und einfach abgekupfert waren. Der Skandal schlug hohe Wellen und dürfte die Verkaufszahlen noch einmal  kräftig nach oben getrieben haben. Schließlich wollte ja jeder mitreden, ob es sich im Fall von „Axolotl Roadkill“ nun um banales Abschreiben oder um ein Paradebeispiel für poststrukturalistische „Intertextualität“ handeln würde. Gut, das Buch verkaufte sich, heute ist es schon fast dem Vergessen anheimgefallen. Und Helene Hegemann, einst als hyperbegabte, authentische Nachwuchsschriftstellerin gehandelt, kann jetzt die Reste ihres guten Rufs zusammenkratzen.

Auch wenn Sinn und Zweck des Urheberrechts heute immer wieder in Frage gestellt werden und Hegemanns Buch von manchen Apologeten zum Exempel für eine Kulturtechnik der Zukunft hochstilisiert wurde, es bleibt der Makel des Abschreibens. Hegemann hat damit die Aura der genialen, kaum dem Kindesalter entwachsenen Kreativen verspielt – sozusagen das Kennzeichen und Alleinstellungsmerkmal der Marke „Helene Hegemann“. Durch das exzessive Plagiieren von Texten des Berliner Bloggers Airen und etwa der britischen Band Archive hat Hegemann ihre oft beschworene Authentizität verloren: ihr Werk ist nicht ihres, ihre Marke basierte nicht auf den eigenen Leistungen. Es dürfte schwer sein, diese Scharte wieder auszuwetzen.

Ganz ähnlich ergeht es derzeit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich in der Bevölkerung lange Zeit durch Schneid, klare Worte und ein bisschen Adelsglanz besondere Sympathien erwerben konnte. Bislang hat es Guttenberg verstanden, Kritik an seiner Arbeit an sich abperlen zu lassen. Schnelle Entlassungen von vermeintlich Verantwortlichen ließen sich gut als Zeichen von Entschlossenheit verkaufen. So weit, so gut die Marke Guttenberg.

Mehr noch als durch geöffnete Post von Afghanistan-Soldaten und die Vorgänge auf der Gorch Fock könnte Guttenberg jetzt durch eigenes Handeln ins Schlingern geraten – mit seiner Dissertation, in der sich – wie erst jetzt bekannt wurde – wie in Hegemanns „Axolotl Roadkill“ eine ganze Reihe abgeschriebener Passagen finden. Ob Guttenberg seinen Doktor-Titel nun behalten darf oder nicht, ist eigentlich egal – seine „Marke“ hat bereits mit der Veröffentlichung der abgekupferten Stellen bei Spiegel, Süddeutsche & Co. schmerzhaften Schaden genommen. Guttenberg hat etwas von seinem Image des zupackenden „Machers“ eingebüßt – indem er sich zweifelhafterweise an dem bedient hat, was andere vor ihm „gemacht“ haben. Ein paar Anführungszeichen mehr zur Kennzeichnung von Zitaten – Ehrlichkeit im Umgang mit seinen Quellen eben – hätten ihm und seiner Marke dieses Schlamassel ganz einfach ersparen können.

Der King wackelt wieder

Erinnern Sie sich noch an den TV-Werbespot von Audi, in dem eine Elvis-Wackelfigur auf dem Armaturenbrett die Hauptrolle spielte? Die Aktion war ungeheuer erfolgreich: Der King als Wackel-Ikone fürs Auto wurde mit einem Schlag zum Kultobjekt, und das kleine Plastikmännchen verkaufte sich wie geschnitten Brot. Kaum eine Straße, kaum ein Parkplatz, kaum eine Kreuzung, an der man nicht in Dutzenden von Fahrzeugen zusehen konnte, wie Elvis die Hüften kreisen ließ.

Audi versteht es, Werbemittel nachhaltig einzusetzen – und Kreativität, Humor und Coolness als prägende Kennzeichen der Marke wirken zu lassen. Längst vergessen geglaubt, holt Audi den King nun noch einmal hervor, um Facebook-User auf die Seite des Ingolstädter Autobauers zu locken: Der letzte verfügbare Wackel-Elvis aus den Werbespots soll im Rahmen eines Gewinnspiels einen liebevollen „Paten“ finden.

„Eine Ikone sucht ihren größten Fan und ein neues Zuhause“ heißt die Aktion, bei der sich User per Foto als die besten Paten für Elvis bewerben können. Wer bis 27. Oktober das coolste Foto an facebook@audi.de einschickt, hat gute Chancen, Besitzer des letzten Wackel-Elvis zu werden. Die bisherigen Einsender beweisen Humor, Mut zum Trash und Unbestechlichkeit: Vom zugemüllten Schreibtisch bis zum Cockpit eines Passagierflugzeugs sind die unterschiedlichsten, nicht immer „Audi-affinen“ Lebensräume für den alten Elvis vertreten. Ein User gelobt gar, im Auto einen Altar zu errichten und jeden Tag für den King ein Räucherstäbchen zu entzünden.

Ein geschickter Schachzug von Audi: Stellte schon der Wackel-Elvis-Werbespot eine untrennbare Verbindung der Automarke mit dem zeitlosen Rock`n´Roll-Idol her, macht Audi jetzt seine TV-Werbung selbst zum Kult, der locker die Jahre überdauert. Auch „Vorsprung durch Technik“ kommt eben nicht ohne ausgeprägte Tradition und Geschichte aus …

Karotten auf Äpfeln

Alte Mütterweisheit: Der Verzehr von Karotten soll für die Augen gut sein. Dass das gelbe Wurzelgemüse jedoch auch zum coolen Lifestyle-Objekt taugt, ist neu. Zu verdanken hat das die Karotte einem Apfel. Denn wer es einmal geschafft hat, sich als Protagonist einer App auf Apples iPhone zu etablieren, dem muss man zweifellos eine gewisse Hipness bescheinigen. Gemeinsam mit Crispin Porter & Bogusky hat der Gemüsehersteller Bolthouse Farms die Babykarotte aufs iPhone gebracht, um sie Lifestyle-orientierten Konsumenten als Junkfood schmackhaft zu machen. Natürlich gelingt das nicht, wenn die Gelberübe nur dekorativ in der Gegend herumliegt. Nein, die knackigen Vitaminschleudern drehen in dem iPhone-Werbespiel »Xtreme Crunch Cart« ordentlich auf: Der Spieler heizt mit seinem Einkaufswagen in atemberaubendem Tempo über Häuserschluchten hinweg, vollführt waghalsige Sprünge, nur um überall in der Stadt die nahrhaften Baby-Karotten einzusammeln. Bleibt nur zu hoffen, dass »Xtreme Crunch Cart«-Spieler ihre iPhone-Stunts nicht beim nächsten Gemüseeinkauf aufs reale Leben übertragen …

Gegenwärtig testen zahlreiche innovationsfreudige Anbieter von Consumer-Produkten das enorme Werbepotenzial von Mobile Games aus – oft im Rahmen aufwändiger crossmedialer Kampagnen. Meist geht es dabei ähnlich rasant zu wie in der Gemüsehatz der Bolthouse Farms. So lässt der deutsche Entwickler Fishlabs die User für Barclaycard eine Wasserrutsche hinabjagen oder lädt für VW zur virtuellen Probefahrt mit dem Spritspar-Modell Polo BlueMotion ein. Spiegel Online hingegen setzt mehr auf Köpfchen und wirbt in der iPhone-App „Spiegel Online Wissenstrainer“ mit anspruchsvollen Fragen aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten.

Problematisch: Im allgemeinen App-Fieber, das mit dem iPhone-Hype einhergeht, vergisst so mancher Werber, dass sich mit Apples Plattform nur ein relativ kleiner Teil der Zielgruppe erreichen lässt. So weist der aktuelle „Mobile Web Device Report“ von Netbiscuits darauf hin, dass das iPhone zu Beginn des Jahres in Deutschland gerade eine Marktdurchdringung von 28,64 % erzielte – dicht gefolgt von einem Nokia-Smartphone (24,35 %). Insgesamt zählte Netbiscuits im Januar 2010 in Deutschland 954 verschiedene mobile Endgeräte, mit denen User auf mobile Web-Angebote zugriffen. Wer also beim Werben ausschließlich auf iPhone-Apps setzt, lässt sich unter Umständen den größeren Teil seiner Zielgruppe durch die Lappen gehen. Software-Standards, die es erlauben, Programme ohne große Mühe und wirtschaftlichen Aufwand von einer Plattform auf jede beliebige andere zu portieren, können hier Abhilfe schaffen. Wünschenswert wäre das allemal: Es soll schließlich auch Symbians, Androids oder Badas geben, die von Zeit zu Zeit gerne an einer Karotte knabbern …

Facebook kommt in die Jahre

Wie lange hat man Fans? Wie dauerhaft sind Freundschaften? Im Zeitalter sozialer Online-Netzwerke haben Begriffe wie „Freundschaft“ eine völlig neue Bedeutung bekommen – begleiten uns Freunde im realen Leben bislang oft über Jahrzehnte hinweg, stehen und fallen die Kontakte zu virtuellen „Freunden“ nicht selten mit dem Erfolg des sozialen Netzwerks, in dem man mit ihnen die Verbindung geknüpft hat. Facebook ist – gegenwärtig – die ideale Plattform, um alte Freundschaften neu zu beleben, Kontakte zu geschätzten Menschen in aller Welt zu pflegen und neue Bekanntschaften zu schließen. Doch so universell das System Facebook auf den ersten Blick wirken mag, ist es dann doch nicht. Die einen stören sich an ungelösten Problemen des Datenschutzes, Business-User fürchten eine unerwünschte, schleichende Vermengung von beruflichen und privaten Inhalten, andere wiederum vermissen weitreichende Möglichkeiten der individuellen Anpassung.

So wird sicher auch in Zukunft eine breite Vielfalt unterschiedlichster Netzwerke existieren, die gezielt völlig verschiedene Alters- und Interessengruppen bedienen können. Auch wenn der Blog MediaWeek kürzlich einige hoffnungsvolle Projekte im Netz aufgestöbert hat, ist derzeit schwer abzusehen, wohin die Entwicklung letztendlich führen wird – schließlich verändern sich auch die Ansprüche und Bedürfnisse der User mit den sich rasch wandelnden technischen Möglichkeiten. Viele Projekte, die noch vor nicht allzu langer Zeit als Offenbarungen gehandelt wurden, fristen heute bereits ein klägliches Nischendasein oder wurden komplett eingestellt. Kaum ein Hahn kräht heute beispielsweise noch nach Second Life. Und erst vor wenigen Wochen hat Google sein Projekt „Wave“ ad acta gelegt. Auch die Begeisterung für einst hochgelobte Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn scheint gegenwärtig spürbar abzuebben. 

Ob Moshi Monsters für Kinder, mGage für Marketing-Leute oder der vielseitige Aggregator TweetDeck – niemand kann sagen, ob sich einer dieser Ansätze auf Dauer bewähren wird. Gerade angesichts der aktuellen Diskussion um die Datensammelwut und den mangelhaften Schutz der Privatsphäre bei Plattformen wie Facebook dürfte allerdings für viele User das Netzwerk Diaspora interessant sein. Das Open-Source-Projekt auf Peer-to-Peer-Basis will dem User die Kontrolle über seine Daten zurückgeben und wird bereits jetzt als künftiger, scharfer Facebook-Konkurrent gehandelt. Doch auch für diesen Fall gilt: Was heute vielversprechend wirkt, kann im Web morgen schon wieder veraltet sein. Das Positive daran: Das Netz ist voller Leben. Und so wird auch das virtuelle Dasein in sozialen Netzwerken in nächster Zeit kaum der Langeweile und Alltagsroutine anheimfallen.

SQUIDDS entfacht das Feuer

Es war heiß, sehr heiß am Mittwoch vergangener Woche. Als ich das Auto bestieg, betrug die Innenraumtemperatur heimelige 44 Grad Celsius. Ich schnappte nach Luft und machte mich auf den Weg … zu einem Kamingespräch

SQUIDDS, die Spezialisten für Technische Dokumentation mit Firmensitz am Nürnberger Hafen, hatten eingeladen zu einem konzentrierten Gedankenaustausch unter Experten, Entwicklern und Anwendern. Aufhänger für die Veranstaltung „Technische Dokumentation erleben“ war die Veröffentlichung von Adobes Technical Communication Suite 2.5, die Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zum Anlass nahm, über ausgewählte neue Features des Software-Pakets zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Mit einer Reihe von anspruchsvollen, aber leicht verständlichen Beiträgen vermittelten Referenten der Unternehmen Acolada, Theorie3.De und CAP Studio ein umfassendes Bild dessen, was mit Technischer Dokumentation heute möglich ist. Die Optimierung des Workflows mit Hilfe von Content-Management-Systemen kam ebenso zur Sprache wie das Potenzial von 3D-PDF in der Katalogerstellung und eine kritische Würdigung des Dokumentenformats DITA. Abschließend ermutigte Georg Eck  dann noch zu einem Blick über den Tellerrand: Wie lassen sich Communities und Social Media in den Prozess der Technischen Dokumentation mit einbinden? Wie kann man sich die Vorteile moderner Online- und Mobile-Technologien in diesem Bereich noch stärker zunutze machen? 

Als ich nach dem Ende der Veranstaltung die SQUIDDS-Räumlichkeiten verließ und auf die Straße trat, hatte es immer noch über 30 Grad Celsius. „Technische Dokumentation ist tatsächlich ein heißes Thema“, schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte beim Kamingespräch einen intensiven Einblick in Bereiche der Technischen Dokumentation erhalten, von deren Potenzial ich bislang noch viel zu wenig wusste. Viele Erkenntnisse und Anregungen gewann ich auch aus den entspannten, aber sehr lebhaften Diskussionen zwischen den Fachbeiträgen. Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Kamingesprächs: „Es ist sehr lange her, dass ich zum letzten Mal derart tiefgründige und inspirierende Diskussionen miterleben durfte.“ 

Der Erfolg des ersten SQUIDDS-Kamingesprächs macht Lust auf mehr. Umso größer die Freude der rund ein Dutzend Teilnehmer, als Georg Eck verkündete, weitere Veranstaltungen dieser Art folgen lassen zu wollen. Das nächste Kamingespräch könnte eventuell bereits im September oder Oktober stattfinden. Behalten Sie also jetzt schon mal die Neuigkeiten auf der SQUIDDS-Homepage im Auge. Es lohnt sich!

Lasst Fetzen sprechen

Promi-Köpfe werden in der Werbung immer gern genommen – wenn sie beispielsweise erklären, wie sie zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung stehen. Oder sich nicht zu schade dafür sind, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellten Artikel eines Textildiscounters zu bewerben.

Glücklicherweise gibt es immer noch Beispiele, bei denen weder ein Gesicht als purer Werbeträger noch der Profit, sondern durchaus eine wichtige Botschaft im Vordergrund steht. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Ein solches Meisterstück ist der Agentur Scholz & Friends mit einem Beitrag zur FAZ-Reihe „Kluge Köpfe“ gelungen: Auf dem Foto ist Marianne Bithler zu sehen, die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen – jedoch nicht ihr kluger Kopf, sondern lediglich ihre Hand, die ein aus zahllosen Schnipseln zusammengesetztes Exemplar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vors Gesicht hält. Die Message trifft den Betrachter hart und unerbittlich. Sie lässt weder Missverständnisse noch Schönfärbereien zu. Frau Bithler ist auf dem Bild zwar sehr präsent, tritt aber zugunsten der wichtigen politischen Aussage in den Hintergrund.

Die Eindringlichkeit des Bildmotivs zeigt Wirkung. Mit einem Mal beginnt man wieder, sich in Gedanken mit diesem wichtigen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – mit Ereignissen, die angesichts des täglichen Medien-Overkills in unseren Köpfen schon fast der Vergessenheit anheimgefallen sind.

Apple greift nach den Sternen

Kein Tag vergeht, an dem nicht in Dutzenden von Medien auch hierzulande mindestens eine News-Meldung über die iPhone-Schmiede Apple die Runde macht. Da wollen wir natürlich nicht hintanstehen – denn schließlich muss jeder unumwunden zugeben, dass es das Team um Steve Jobs versteht wie niemand sonst, eine Marke weltweit perfekt zu positionieren. Egal ob man nun begeisterter Anhänger von Apple-Produkten ist oder nicht – die Marke bleibt permanent im Gespräch.

Markenkommunikation als Selbstläufer – Apple macht vor, wie’s geht, wenn man omnipräsent sein will. Es reichen ein paar kleine, gezielte Impulse: eine der legendären Keynotes hier, ein zufällig (?) in einer Kneipe vergessenes iPhone da. Und schon bricht sie los, die Lawine weltweiter Aufmerksamkeit. Die Medien greifen jede Nachricht begierig auf und verbreiten sie flächendeckend weiter. In Youtube basteln währenddessen schon Witzbolde an neuen Apple-Parodien. Und in die Kult-TV-Serie „The Simpsons“ hat es „Steve Mobs“ auch schon geschafft. Etwas Vergleichbares dürfte seit den Beatles keiner außer Jobs und sein Marketing-Team geschafft haben.

Ja, iPhone und iPad sind sicher auch deshalb so erfolgreich, weil man mit ihnen als Erwachsener lifestyle-gerecht seinem Spieltrieb frönen kann. Die Apps, die der iTunes Store zu Hunderten hierfür bereithält, liefern für jeden Geschmack den passenden Zeitvertreib. Wer es beispielsweise etwas „abgehobener“ mag, greift mit iPhone oder iPad kurzerhand mal nach den Sternen und lädt sich die App Star Walk 4.0 herunter.

Star Walk 4.0 wurde von VITO Technology produziert und bestimmt per GPS die Position des Users. So ist es möglich, den Sternenhimmel exakt so darzustellen, wie er am aktuellen Standort aussieht – komplett mit Erklärungen zu den einzelnen Himmelskörpern, mit Mondphasen sowie Auf- und Untergangszeiten der Sonne. Per Zeitleiste lässt sich der Hobby-Astronom die Sternenkonstellationen für jeden beliebigen Tag anzeigen – animierte Meteoritenschauer inklusive.

Das lässt erahnen, wie künftig romantische Begegnungen frisch verliebter Nerds an lauen Sommerabenden ausfallen könnten:

Sie schmiegt sich wohlig an ihn, schmachtet ihn mit strahlenden Augen an und legt den Kopf auf seine Schulter.
Er: „Schau mal, der Große Wagen …“ … und deutet wissend auf den blitzblanken Screen des iPads in seiner linken Hand …

David in Goliaths Revier

Trotz aller nach außen getragenen Dynamik und Innovationsfreudigkeit gleicht die deutsche Agenturlandschaft in vielerlei Hinsicht einer Götterspeise: Man mag sie ein bisschen zum Zittern bringen, aber im Grunde bleibt die Masse fest und unbeweglich. Ein Umfeld, in dem sich gerade junge, kleine Agenturen damit schwer tun, im Schatten der „Big Players“ Fuß zu fassen und den Markt wirkungsvoll mit frischen Ideen zu beflügeln.

„Einmal im Jahrbuch der Werbung stehen!“ Davon erhofft sich so mancher Werber einen entscheidenden Impuls für den Durchbruch. Immerhin haben sich im vergangenen Jahr am Wettbewerb des JDW ca. 400 Agenturen mit mehr als 1.300 Beiträgen beteiligt. Die Erfolgschancen sind für Newcomer allerdings recht gering – auch hier dominieren die großen, bereits etablierten Namen der deutschen Werbeszene.

Netzwerke aufbauen ist das Zauberwort für die Kleinen unter den Agenturen. Es gilt, geeignete Plattformen für den Gedankenaustausch zu finden. Hier bietet sich auf den ersten Blick der mächtige Gesamtverband Kommunikationsagenturen GWA an – der jedoch Agenturen leider erst ab einem Jahresumsatz von mehr als 250.000,- Euro für eine Mitgliedschaft offen steht. Auch hier bleiben die Großen also weitgehend unter sich. Ein befruchtender Dialog zwischen den Davids und Goliaths der Werbebranche findet allenfalls unter erschwerten Bedingungen statt.

Umso wünschenswerter wäre es, über Jahrzehnte gewachsene und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Damit sich große und kleine Agenturen auf Augenhöhe begegnen und Synergien voll ausschöpfen können. Damit mal wieder richtig Bewegung in die Götterspeise kommt …

Dezent klappern fürs Geschäft

Freiberufler wie Ärzte oder Rechtsanwälte hatten es lange Zeit schwer, als Einsteiger ihre Praxen und Kanzleien in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Es war ihnen schlichtweg verboten, für ihre Leistungen Werbung zu machen. Mittlerweile ist diese strikte, aber schwer verständliche Regelung etwas gelockert worden, auch wenn es nach wie vor tabu ist, potenzielle Klienten oder Patienten als „Kunden“ direkt anzusprechen.

Immerhin: Es ist nun erlaubt, Flyer zu einem bestimmten Thema auszulegen und darin auf das eigene Beratungsangebot hinzuweisen. Ärzte dürfen auf Visitenkarten auflisten, in welchen Bereichen sie Leistungen anbieten. Auch die Veröffentlichung von Informationen über die eigene Tätigkeit im Internet oder in einschlägigen Branchen-Telefonbüchern ist möglich.

Trotzdem kommt Werbung für die genannten Berufsgruppen nach wie vor auf leisen Füßen daher – vielleicht ist das ja auch gut so. Und da der dezente Ton in der gesamten Branche als der gute Ton gilt, ist es wohl auch gar nicht nötig, als freiberuflicher Arzt oder Anwalt werblich so richtig auf den Putz zu hauen. Was hier vielmehr zählt, ist fachliche Kompetenz und Vertrauen – und da erwirbt man einen guten Ruf oft nach wie vor am besten durch die gute alte Mundpropaganda.

Ein wenig Zielgruppenansprache ist dennoch machbar. Wer seine Praxis oder Kanzlei mit seinem Standort in der Google-Suche ganz oben platzieren kann, hat bei internet-affinem Klientel schon fast gewonnen. Wer einen älteren Personenkreis ansprechen möchte, der nach wie vor auf traditionelle Medien setzt, ist sicher mit einem unübersehbaren Eintrag in den Gelben Seiten besser beraten.

Beim eigenen Flyer oder beim Webauftritt hingegen sollte man nicht an der falschen Stelle sparen. Hier gilt es, die Werte Professionalität, Seriosität und Verlässlichkeit zu transportieren – und das gelingt mit dem selbst gestalteten Werk eines Hobby-Designers in den seltensten Fällen. Guter, gediegener Geschmack hingegen spricht den Kunden unmittelbar positiv an und schafft Vertrauen. Fachleute in Agenturen kennen sich bestens aus mit der ganzheitlichen Wirkung von Optik, Haptik und Text – warum also bei der Gestaltung von Flyern oder Internetauftritt auf deren bewährten Sachverstand verzichten?

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