Was ich nicht kenne … wird verboten!
Das Internet – unendliche Weiten. Und unendliche Möglichkeiten. Keine Frage, wer damit vernünftig umgehen oder sogar daraus Kapital schlagen will, braucht ein gehöriges Maß an Medienkompetenz. Doch gerade vielen Entscheidern in unserer Gesellschaft, Politikern wie Unternehmern, fällt es anscheinend derzeit noch schwer, die Dynamik des Internet richtig einzuschätzen. Und was man nicht richtig kennt, von dem geht in der eigenen Wahrnehmung zunächst einmal eine Gefahr aus. Mit dem Ruf nach Verboten ist man dabei stets schnell zur Hand – bei sogenannten „Killerspielen“ ebenso wie beim Surfen am Arbeitsplatz. Schwarzweißmalerei allerorten. Noch.
Denn allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass Internet-Angebote wie Social-Media-Plattformen, die bislang vornehmlich dem privaten Bereich zugeordnet wurden, auch für Unternehmen ein ungeheures Potenzial bieten. Nirgends lässt sich der kontinuierliche Kundenkontakt und Support so unkompliziert, schnell und wirtschaftlich realisieren wie über das Internet. Und so beginnen nach und nach immer mehr Firmen, Facebook & Co. für sich zu entdecken oder betreiben systematische Community-Arbeit. Für die beteiligten Mitarbeiter beginnt damit eine unsichere Gratwanderung, denn die Übergänge von „Beruflich“ zu „Privat“ sind auf Web-2.0-Portalen und Foren nicht selten fließend. Und spätestens hier kommt man mit dem Schwarzweißdenken früherer Internet-Tage nicht mehr weiter. Der effiziente Umgang mit Social Media im betrieblichen Umfeld lässt sich weder mit strikten Verboten noch mit allgemeingültigen gesetzlichen Vorgaben regeln. Jedes Unternehmen tickt anders und braucht einen individuellen Kanon an eindeutigen Richtlinien, die sowohl der Geschäftsleitung als auch dem Mitarbeiter Sicherheit geben. Bei einer Bank oder öffentlichen Einrichtungen müssen solche Regelungen selbstverständlich völlig anders aussehen als etwa in einer Werbeagentur oder einem Handwerksbetrieb.
Wie aber sollen Führungskräfte in Unternehmen klare Regeln für den Umgang mit Internet und Social Media ausarbeiten, wenn sie selbst mit den Chancen und Gefahren des neuen Mediums nur unzureichend vertraut sind? Wertvolle erste Hinweise liefern beispielsweise die aktuellen Handreichungen des Bundesverbands Digitale Wirtschaft BVDW oder die Tipps einschlägig spezialisierter Anwaltskanzleien. Immerhin: Das Bewusstsein wächst, dass Handlungs- und Klärungsbedarf besteht. Denn welches Unternehmen möchte sich schon auf Dauer die vielfältigen gewinnbringenden Möglichkeiten des neuen Kommunikationskanals Internet durch die Lappen gehen lassen? Leisten kann sich das heute ohnehin kaum jemand mehr, der geschäftliche Erfolge verbuchen will.
Kommentare(0)