Archiv für 'Soziales' Category

Was soll das mit dem Plus?

„Hat jemand eine Einladung für mich?“ Das war vor ein paar Wochen sicher eine der häufigsten Fragen, die in Netzwerken wie Facebook oder Xing unter Computer-Nerds die Runde machte. Einladung wofür? Für das Privileg, zu den Ersten zu gehören, die den neuen, vermeintlichen „Facebook-Killer“ Google+ ausprobieren können. Und? Wie ist nun der erste Eindruck vom neuen sozialen Netzwerk? Nun, alles hübsch aufgeräumt. Der „Stream“ ist Facebooks „Pinnwand“ nicht unähnlich, lässt sich aber leichter und differenzierter filtern. Eine gute Idee, „Freunde“ in „Circles“ gruppieren zu können. Das schafft Ordnung und die Möglichkeit, Meldungen sehr komfortabel an ganz bestimmte Zielgruppen zu adressieren. Und überhaupt: Es ist schön, alles auf einer Oberfläche mit einem Mausklick erreichen zu können: Suchmaschine, E-Mail-Konto, Kalender, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Fotosammlung …

Nach anfänglichen, leidenschaftlichen Diskussionen, ob Google+ auf längere Sicht Facebook gefährlich werden könnte, hat sich die erste Aufregung mittlerweile ziemlich gelegt. Allenfalls der Klarnamen-Zwang sorgt hie und da noch für Gesprächsstoff – ist ja auch eine lustige Geschichte, wenn Leute wie (der echte) William Shatner („Captain Kirk“) angeblich von Google wegen Fake-Namen-Verdachts zeitweilig gesperrt wurden. Und der wenig durchdachte Sommerloch-Beitrag von Innenminister Friedrich, User sollten in sozialen Netzwerken mit „offenem Visier, d. h. mit ihrem richtigen Namen, auftreten, hat sich schnell als das entpuppt, was es ist: heiße Luft aus einer Ecke, die das Internet immer noch nicht verstanden hat.

Bei Facebook läuft derzeit alles weiter wie gehabt – zumindest, soweit man das als „Normal-User“ beurteilen kann. Bei Google+ hingegen fließt der „Stream“ noch deutlich zäher – kein Wunder, tummeln sich hier doch im Wesentlichen dieselben Leute, die man auch schon in Facebook oder Xing auf seiner Kontakteliste stehen hat. Wer sich hier nicht explizit für Google+ entscheidet, wird aus purer Gewohnheit weiter in seinen „alten“ Netzwerken posten – zumal man dort gegenwärtig immer noch mehr Menschen erreicht.

Ist Google+ damit schon gescheitert? Nein, sicherlich nicht. Ob sich das Netzwerk behaupten  und das Gros der Internet-User für sich begeistern können wird, zeigt sich erst, wenn es für die breite Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Auch Unternehmen, die bereits heute bei Marketing und PR massiv auf Social Media setzen, haben derzeit noch keine Möglichkeit, das neue Instrument richtig zu nutzen und zu erproben.  Doch gerade hier könnte eines der interessantesten Potenziale von Google+ liegen: Allein schon die Möglichkeit der effizienten, zielgruppengerechten Ansprache via „Circles“ und die direkte Verknüpfung mit der mächtigsten Suchmaschine dürften hier faszinierende Perspektiven eröffnen.

Sie möchten Google+ ausprobieren? Dann kommen Sie doch rüber! Schreiben Sie uns, wir haben noch ein paar Einladungen zu vergeben …

Der King wackelt wieder

Erinnern Sie sich noch an den TV-Werbespot von Audi, in dem eine Elvis-Wackelfigur auf dem Armaturenbrett die Hauptrolle spielte? Die Aktion war ungeheuer erfolgreich: Der King als Wackel-Ikone fürs Auto wurde mit einem Schlag zum Kultobjekt, und das kleine Plastikmännchen verkaufte sich wie geschnitten Brot. Kaum eine Straße, kaum ein Parkplatz, kaum eine Kreuzung, an der man nicht in Dutzenden von Fahrzeugen zusehen konnte, wie Elvis die Hüften kreisen ließ.

Audi versteht es, Werbemittel nachhaltig einzusetzen – und Kreativität, Humor und Coolness als prägende Kennzeichen der Marke wirken zu lassen. Längst vergessen geglaubt, holt Audi den King nun noch einmal hervor, um Facebook-User auf die Seite des Ingolstädter Autobauers zu locken: Der letzte verfügbare Wackel-Elvis aus den Werbespots soll im Rahmen eines Gewinnspiels einen liebevollen „Paten“ finden.

„Eine Ikone sucht ihren größten Fan und ein neues Zuhause“ heißt die Aktion, bei der sich User per Foto als die besten Paten für Elvis bewerben können. Wer bis 27. Oktober das coolste Foto an facebook@audi.de einschickt, hat gute Chancen, Besitzer des letzten Wackel-Elvis zu werden. Die bisherigen Einsender beweisen Humor, Mut zum Trash und Unbestechlichkeit: Vom zugemüllten Schreibtisch bis zum Cockpit eines Passagierflugzeugs sind die unterschiedlichsten, nicht immer „Audi-affinen“ Lebensräume für den alten Elvis vertreten. Ein User gelobt gar, im Auto einen Altar zu errichten und jeden Tag für den King ein Räucherstäbchen zu entzünden.

Ein geschickter Schachzug von Audi: Stellte schon der Wackel-Elvis-Werbespot eine untrennbare Verbindung der Automarke mit dem zeitlosen Rock`n´Roll-Idol her, macht Audi jetzt seine TV-Werbung selbst zum Kult, der locker die Jahre überdauert. Auch „Vorsprung durch Technik“ kommt eben nicht ohne ausgeprägte Tradition und Geschichte aus …

Facebook kommt in die Jahre

Wie lange hat man Fans? Wie dauerhaft sind Freundschaften? Im Zeitalter sozialer Online-Netzwerke haben Begriffe wie „Freundschaft“ eine völlig neue Bedeutung bekommen – begleiten uns Freunde im realen Leben bislang oft über Jahrzehnte hinweg, stehen und fallen die Kontakte zu virtuellen „Freunden“ nicht selten mit dem Erfolg des sozialen Netzwerks, in dem man mit ihnen die Verbindung geknüpft hat. Facebook ist – gegenwärtig – die ideale Plattform, um alte Freundschaften neu zu beleben, Kontakte zu geschätzten Menschen in aller Welt zu pflegen und neue Bekanntschaften zu schließen. Doch so universell das System Facebook auf den ersten Blick wirken mag, ist es dann doch nicht. Die einen stören sich an ungelösten Problemen des Datenschutzes, Business-User fürchten eine unerwünschte, schleichende Vermengung von beruflichen und privaten Inhalten, andere wiederum vermissen weitreichende Möglichkeiten der individuellen Anpassung.

So wird sicher auch in Zukunft eine breite Vielfalt unterschiedlichster Netzwerke existieren, die gezielt völlig verschiedene Alters- und Interessengruppen bedienen können. Auch wenn der Blog MediaWeek kürzlich einige hoffnungsvolle Projekte im Netz aufgestöbert hat, ist derzeit schwer abzusehen, wohin die Entwicklung letztendlich führen wird – schließlich verändern sich auch die Ansprüche und Bedürfnisse der User mit den sich rasch wandelnden technischen Möglichkeiten. Viele Projekte, die noch vor nicht allzu langer Zeit als Offenbarungen gehandelt wurden, fristen heute bereits ein klägliches Nischendasein oder wurden komplett eingestellt. Kaum ein Hahn kräht heute beispielsweise noch nach Second Life. Und erst vor wenigen Wochen hat Google sein Projekt „Wave“ ad acta gelegt. Auch die Begeisterung für einst hochgelobte Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn scheint gegenwärtig spürbar abzuebben. 

Ob Moshi Monsters für Kinder, mGage für Marketing-Leute oder der vielseitige Aggregator TweetDeck – niemand kann sagen, ob sich einer dieser Ansätze auf Dauer bewähren wird. Gerade angesichts der aktuellen Diskussion um die Datensammelwut und den mangelhaften Schutz der Privatsphäre bei Plattformen wie Facebook dürfte allerdings für viele User das Netzwerk Diaspora interessant sein. Das Open-Source-Projekt auf Peer-to-Peer-Basis will dem User die Kontrolle über seine Daten zurückgeben und wird bereits jetzt als künftiger, scharfer Facebook-Konkurrent gehandelt. Doch auch für diesen Fall gilt: Was heute vielversprechend wirkt, kann im Web morgen schon wieder veraltet sein. Das Positive daran: Das Netz ist voller Leben. Und so wird auch das virtuelle Dasein in sozialen Netzwerken in nächster Zeit kaum der Langeweile und Alltagsroutine anheimfallen.

Das virale Lauffeuer

Heute schon mal „Gefällt mir“ geklickt? Oder „Teilen?“ Irgendeinen Artikel auf einem Online-Portal Ihren Freunden bei Facebook empfohlen, weil er Ihnen aus der Seele gesprochen hat? Oder gar einen witzigen Werbespot, den Sie gerade auf Youtube gefunden haben?

Millionen von Menschen klicken regelmäßig in aller Welt auf „Gefällt mir“ und „Teilen“ – nicht selten sogar mehrmals täglich. Und wer eine Botschaft im Internet geschickt platziert, kann damit ohne Weiteres ein regelrechtes Social-Media-Lauffeuer entfachen. Seine Nachricht in wenigen Stunden über alle Kontinente verbreiten. Aktuelles Beispiel: Die geheimen Afghanistan-Dokumente bei Wikileaks sind heute in aller Munde und werden sicher die eine oder andere weitreichende politische Veränderung provozieren. Ohne die immense Dynamik von sozialen Netzwerken wie Facebook würde es zweifellos viel länger dauern, bis derartige Dinge ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen könnten. Und dann wäre es womöglich schon wieder zu spät, um ordentlich Wirkung zu entfalten …

 Auch Werbung und Marketing profitieren von den ultraschnellen und megaeffizienten Kommunikationskanälen der sozialen Netzwerke. Und wenn sie es geschickt anstellen, müssen sie weder viel Zeit noch Millionenbudgets in entsprechende Kampagnen investieren. Denn dann erledigt die Netzgemeinde die Arbeit schon fast von selbst. So geschehen bei Ikea zur Eröffnung der neuen Filiale in Malmö im Herbst 2009. Die Agentur Forsman & Bodenfors in Göteborg platzierte kurzerhand ein Profil des Filial-Chefs Gordon Gustavsson in Facebook, pflasterte es mit Bildern von Ikea-Produkten zu und verband das Ganze mit einem Gewinnspiel: Wer als Erster ein Bild mit seinem Namen kennzeichnete, gewann das entsprechende Möbelstück. Der Clou: Wer auf ein Bild klickte, informierte damit gleichzeitig all seine Facebook-Kontakte von der Ikea-Aktion – nullkommanichts und mit minimalem Aufwand hatte Ikea auf diese Weise ein Millionenpublikum erreicht.

 Und jetzt? Sehen Sie rechts von diesem Text den blauen „Teilen“-Button? Klicken Sie doch einfach mal drauf! ;-)

Haben Sie auch schon einen Urwaldbewohner?

Um den indonesischen Urwald zu retten und seine Artenvielfalt zu erhalten, müssen viele Menschen zusammenhelfen. Der WWF hat es mit der Offenbacher Agentur zweipol geschafft, für dieses Projekt schon eine ganze Menge Unterstützer zu aktivieren – und es werden täglich mehr.

Auf der Microsite wwf.de/Urwaldriese wächst ein tropischer Baum. Jedes Mal, wenn man ihn besucht, ist er noch etwas belebter – und die Chancen, natürliche Lebensräume in Indonesien zu erhalten, sind vielleicht in diesem Moment wieder ein bisschen gewachsen. Tobias hat 500 Euro für die Urwälder auf Sumatra, Borneo und West-Papua gespendet und sich dafür ein Sumatra-Tiger-Baby ausgesucht. Julia hat an Freunde eine Spende von 3 Euro verschenkt und dafür eine Riesen-Waldameise auf den Baum gesetzt.

Wer die Arbeit des WWF für den Erhalt der indonesischen Flora und Fauna mit Geld unterstützt, darf sein Lieblingstier oder eine Pflanze auswählen und auf dem Urwaldriesen platzieren. Klickt man Tier oder Pflanze an, öffnet sich eine kleine Tafel mit interessanten Informationen zur jeweiligen Spezies. Hier kann der Spender seinen Namen, sein Bild und einen Kommenar einfügen – und jeder Leser wird gefragt, ob er auch einen Baumbewohner spenden oder verschenken möchte. Da die Urwaldriesen-Site so viel Charme ausstrahlt, kommen der Bitte tatsächlich sehr viele Leute gerne nach. Bislang gibt es schon über 1.500 Baumbewohner, für die knappe 50.000 Euro gespendet worden sind. »Bereits nach wenigen Stunden hat sich gezeigt, dass wir hier ein Tool geschaffen haben, das von den Usern begeistert angenommen wird, über das man spricht und das ein großes Potenzial in sich birgt« freut sich Constanze Oelighoff, Leiterin Internet, beim WWF Deutschland.

Kein Wunder, denn die Geschichte mit dem Urwaldriesen hat sich schnell herumgesprochen. Urwaldbewohner lassen sich nämlich prima per Twitter verschicken oder ins Facebook-Profil einbinden. So streckt der Urwaldriese seine Äste jetzt schon über weite Teile des Internets aus – und wann sorgen Sie dafür, dass sich darauf noch ein paar glückliche Lebewesen mehr tummeln?

Lasst Fetzen sprechen

Promi-Köpfe werden in der Werbung immer gern genommen – wenn sie beispielsweise erklären, wie sie zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung stehen. Oder sich nicht zu schade dafür sind, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellten Artikel eines Textildiscounters zu bewerben.

Glücklicherweise gibt es immer noch Beispiele, bei denen weder ein Gesicht als purer Werbeträger noch der Profit, sondern durchaus eine wichtige Botschaft im Vordergrund steht. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Ein solches Meisterstück ist der Agentur Scholz & Friends mit einem Beitrag zur FAZ-Reihe „Kluge Köpfe“ gelungen: Auf dem Foto ist Marianne Bithler zu sehen, die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen – jedoch nicht ihr kluger Kopf, sondern lediglich ihre Hand, die ein aus zahllosen Schnipseln zusammengesetztes Exemplar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vors Gesicht hält. Die Message trifft den Betrachter hart und unerbittlich. Sie lässt weder Missverständnisse noch Schönfärbereien zu. Frau Bithler ist auf dem Bild zwar sehr präsent, tritt aber zugunsten der wichtigen politischen Aussage in den Hintergrund.

Die Eindringlichkeit des Bildmotivs zeigt Wirkung. Mit einem Mal beginnt man wieder, sich in Gedanken mit diesem wichtigen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – mit Ereignissen, die angesichts des täglichen Medien-Overkills in unseren Köpfen schon fast der Vergessenheit anheimgefallen sind.

Das soziale Eigenleben der Marke

Heute schon gegoogelt oder Ihr Facebook-Profil aktualisiert? Ihren Followern den morgendlichen Gemütszustand getwittert? Die zunehmende Digitalisierung der Kommunikation verändert nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Wahrnehmung von Marken. Fast scheint es, als würde die Steuerung des Markenbilds den Unternehmen gewissermaßen entgleiten – denn immer seltener gelingt es, einer Marke allein über Produkt und Unternehmensphilosophie ein unverwechselbares Profil zu verleihen. Stattdessen tritt der soziale Wert der Marke in den Vordergrund.

Schon lange vor dem Internet-Zeitalter gab es Marken, die ganz bewusst auf eine soziale Komponente setzten – so wird das Markenbild von Tupperware seit jeher vor allem durch das gesellschaftliche Miteinander der Verbraucher auf den Tupperware-Parties geprägt und erst in zweiter Linie durch das eigentliche Produkt. Mit dem Internet hat der soziale Aspekt für den Markenwert jedoch noch weit größere Bedeutung erlangt und erfordert bei Unternehmen, die diese Tatsache bislang noch nicht berücksichtigt haben, langfristig ein Umdenken in ihrer Markenstrategie.

Eine Studie der HYVE AG und von Vivaldi Partners zum Thema „Social Brand Value“ belegt eindeutig, wie wichtig es mittlerweile ist, dem Kunden mit der Marke auch einen sozialen Nutzen zu bieten. Am besten gelingt dies laut Studie gegenwärtig Apple, StudiVZ und Google, während sich starke Unternehmen ohne hohen Social Brand Value wie Nokia, McDonald´s und Coca-Cola ganz unten in der Rangliste platzieren. Diese Marken verfügen zwar über einen beträchtlichen monetären Markenwert, sind aber nur unzureichend auf die Anforderungen vorbereitet, die Communities an eine Marke stellen.

Die Schwierigkeit: Der soziale Wert einer Marke  entsteht direkt in der Nutzergemeinschaft, kann theoretisch also durchaus ein „Eigenleben“ entwickeln, das mit den Intentionen des Unternehmens nicht immer konform gehen muss. Es gilt also, Werkzeuge zu entwickeln, die das Unternehmen in die Lage versetzen, die Kommunikation der Verbraucher untereinander aktiv zu steuern. Eine andere Wahl haben Unternehmen ohnehin nicht: Wer seine Marke auch in Zukunft fest im Bewusstsein der Konsumenten verankern will, wird langfristig nicht darum herumkommen, sich Gedanken über den sozialen Mehrwert zu machen, den er dem Kunden mit seinen Produkten bieten will.

Fällt uns nichts mehr ein?

Wo wollen wir hin? Vorwärts oder rückwärts? Beides. Wir zerreißen uns förmlich. Wir wollen noch schnelleres Internet, fühlen uns nackt, wenn wir unser Smartphone mal zuhause vergessen haben, suchen Hotels danach aus, ob es im Zimmer einen WLAN-Hotspot gibt. Ohne GPS und Navigation wären wir schon in unserer eigenen Stadt völlig verloren. Unsere Kontakte pflegen wir bequem in Online-Netzwerken und schreiben lieber Mails, weil uns ein Brief viel zu lange dauert. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass Smart Textiles und Wearable Computing endlich auch für den Normalbürger erschwinglich werden …

Moderne Technologien entwickeln sich so rasant wie nie, und was gestern noch sensationelle Novität war, ist heute schon Gewohnheit und aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir schätzen das Mehr an Bequemlichkeit, das uns smarte „Gadgets“ für die Jackentasche oder das Web 2.0 bescheren, und gehen davon aus, dass in ein paar Monaten alles noch viel toller, schneller, günstiger und schicker sein wird.

Trotzdem scheint uns – oder unserem Unterbewussten – das enorme Tempo, das uns die Welt vorgibt, Schwierigkeiten zu bereiten. Wir sehnen uns nach etwas, an dem man sich ein bisschen festhalten kann. Insgeheim bestellen wir uns über den Webshop eines Bauernhofs mit herrlich antiquiertem Namen noch „richtige“ Lebensmittel wie früher: Bio-Eier und Äpfel, die sich einen Dreck um EU-Normgrößen scheren. Birnen, in denen auch mal ein echter Wurm drin ist.

Wir suchen ein Stückchen heile Welt aus der Kindheit. Zum Beispiel TV-Serien der Augsburger Puppenkiste, das A-Team oder Pierre Brice als Winnetou. Mythen, die immer für uns da sind, an die wir uns klammern können wie an den sprichwörtlichen Fels in der Brandung. Wir wollen die alte Musik aus den 60ern, 70ern und 80ern – oder eben Musik, die genauso klingt. Kein Wunder also, dass sich Wolfmother wie Led Zeppelin anhört, die Arctic Monkeys wie die frühen Who und Franz Ferdinand als Kinks-Kopie durchgehen. Und das Beste: Wir haben MP3-Player, auf deren Flash-Speicher unsere gesamte Musiksammlung Platz findet – aber wir nehmen wieder „Mixtapes“ auf störanfälligen C90-Kassetten mit unüberhörbarem Hintergrundrauschen auf. Geht´s noch?

Jenseits des technischen Fortschritts wird unser Leben zu einer Kopie der Vergangenheit. Die Kopie der Kopie der Kopie. C64, Amiga und Atari sind Kult. Auf den Straßen zischen die neuen Minis und Beetles an uns vorbei, als wir den Diner betreten, der uns mit seinen knallroten Sitzbänken aus glänzendem Lederimitat zurückbeamt in die Zeit von James Dean und Marilyn Monroe. Und als wir da so sitzen und uns von der netten Dame im Petticoat zu Elvis-Klängen unseren Burger servieren lassen, mag sich der eine oder andere im Stillen fragen: Warum kopieren wir eigentlich nur noch Vergangenes? Warum jagt ein Remix das nächste Remake. Warum leben wir im Internet-Zeitalter und gleichzeitig in einer Art „Kindheit reloaded“? Ist uns bei all der Rasanz unseres Lebens die eigene Fantasie abhanden gekommen, mit der wir Neues schaffen könnten?

Energieeffizienz – Zwickmühle fürs Marken-Image

Katerstimmung nach dem Abwracken: Die deutsche Automobilindustrie steckt tief in der Krise. Das zeigt sich nicht nur an rückläufigen Verkaufszahlen, sondern auch an einer generellen Orientierungslosigkeit, wo denn in Zukunft die Reise hingehen soll.

Eines ist sicher: spritfressende Geländewagen und ausladende Luxuslimousinen sind auf dem Rückzug. Gefragt sind kompakte, stadttaugliche Kleinwagen und Konzepte für mehr Energieeffizienz im Straßenverkehr. Der letzte Schrei: eine groß angelegte, von Politik und Energieversorgern unterstützte Kampagne für Elektroautos. Bereits in wenigen Jahren soll die Entwicklung so weit gediehen sein, dass Letztere für den Käufer eine ernstzunehmende Alternative zu den gegenwärtig verbreiteten Benzin-, Diesel-, Gas- und Hybridmodellen darstellen können.

Auf den ersten Blick sieht das toll aus. Wer Elektroautos baut, zeigt Umweltbewusstsein, und das ist Gold wert fürs Marken-Image. Aber: Ist Antriebskraft aus der Steckdose tatsächlich so umweltfreundlich? Sollten Elektroautos die Spritschleudern verdrängen, würde das den allgemeinen Strombedarf gewaltig in die Höhe schnellen lassen – eine Herausforderung für die Energiekonzerne, die in absehbarer Zeit wahrscheinlich nicht ausschließlich mit erneuerbaren Energieträgern zu bewältigen ist. Wer nun also ganz auf das Elektroauto als Allheilmittel gegen Verkehrsinfarkt und Umweltprobleme setzt, könnten demnach schneller in einer Sackgasse landen, als ihm lieb ist.

Zur Aufwertung des Marken-Images ist das Elektroauto also nur bedingt geeignet. So mancher Autobauer hat das bereits erkannt und verlegt sich auf Unverfänglicheres: Wenn sich BMW einen Joschka Fischer als Berater leistet, wirkt das nach außen bereits als Engagement für eine sauberere Umwelt – auch wenn aus der Zusammenarbeit möglicherweise keine tragfähigen Konzepte entstehen. Audi geht einen ganz anderen Weg und unterstreicht sein „wertiges“ Image durch öffentlichkeitswirksames Kultur-Sponsoring: So ließen die Ingolstädter für den chinesischen Starpianisten Lang Lang eigens einen Flügel entwerfen und geben bei Komponisten Musikwerke in Auftrag. Darüber hinaus unterhält Audi sogar ein eigenes sinfonisches Blasorchester, das die Kulturbeflissenheit des Unternehmens auf sympathische Weise nach außen trägt.

Was dabei erneut deutlich wird: Das Image einer Marke wird nicht allein durch Produkte bestimmt, sondern fußt völlig unabhängig davon mindestens ebenso stark auf der geistigen Haltung, mit der sich ein Unternehmen in der Öffentlichkeit präsentiert.

Verlotterter Auftritt im Bildungstempel

Unternehmen, die etwas auf sich halten, verbessern ihr Ansehen in der Öffentlichkeit gerne durch Sponsoring von sozialen, kulturellen oder bildungsfördernden Projekten. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen es Bildung und Forschung schwer haben, an dringend benötigte finanzielle Ressourcen zu gelangen, kommt solche Unterstützung gerade recht.

Aber Sponsoren sollten auch von ihren Wohltaten profitieren – zum Beispiel, indem sie diese für Werbemaßnahmen gewinnbringend nutzen. Doch wie an anderen öffentlichen Orten unterliegen auch Werbeaktionen im Umfeld von Bildungseinrichtungen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Prospektständer an Fachhochschulen oder Universitäten sehen in der Regel innerhalb von kürzester Zeit „sehr mitgenommen“ aus. Aushänge an öffentlichen Pinnwänden gehen schnell in einer ausufernden Zettelflut unter. Ein positiver Werbeeffekt ist für den Kunden dann kaum mehr zu erwarten.

Eigentlich wäre es deshalb nötig, den Zustand der eingesetzten Werbemittel in kurzen Abständen zu kontrollieren. Eine Möglichkeit wäre, wöchentlich vor Ort Fotos anzufertigen, anhand derer der Kunde dann entscheiden kann, ob er eine Überarbeitung seines Werbeauftritts wünscht oder nicht. Schließlich geht es nicht nur darum, „irgendwie“ präsent zu sein, sondern sich von seiner besten Seite zu zeigen.

Nächste Seite »