Am besten gleich als Marke starten

Ein sportliches Programm: Fünf Euro von der Sparkasse als Startkapital und dann innerhalb von sechs Wochen eine Firma gründen. Mit eigener Geschäftsidee, Businessplan, Anmeldung und allem drum und dran. Der 5-Euro-Businessplan-Wettbewerb soll Studierenden die Möglichkeit geben, neben der grauen Theorie schon möglichst früh die Gesetze des Marktes hautnah in der Praxis kennenzulernen – ideal für alle, die vom eigenen Unternehmen träumen, sich aber nicht völlig unerfahren ins Abenteuer der Existenzgründung stürzen wollen.

Matthias Brinkmann, Geschäftsführer der Nürnberger Agentur 2be_markenmacher, veranschaulichte den Teilnehmern des Wettbewerbs in Bamberg und Bayreuth, wie wichtig es ist, schon bei der Unternehmensgründung an die eigene Marke zu denken. Es ist eben nicht nur das pfiffige Produkt, das den Erfolg ausmacht, sondern es geht auch um Faktoren wie Kommunikation, Vertrauen und Leidenschaft, wie man sich nach außen präsentiert. Wenn hier alles zusammenpasst, hat man meist gewonnen. Das ist die Macht der Marke. Und die hilft schon dabei, den Banker davon zu überzeugen, dass man unbedingt das Darlehen braucht, um diese unglaublich geile Geschäftsidee zu verwirklichen.

Die Studenten in Bamberg und Bayreuth waren mit Feuereifer dabei und schätzten die praktischen Erfahrungen, die sie im Lauf ihrer Projekte machen durften. Die schärften nämlich den Sinn für potenzielle Schwachstellen im eigenen Konzept und stachelten dazu an, kreative Problemlösungen zu entwickeln. Denn am Ende zählt nur eines: der Verkaufserfolg. Und über den entscheidet nun mal maßgeblich die Marke.

Wie Marken Ohren strapazieren können

Uff, ein bisschen hübscher hätte ich mir das schon vorgestellt. Ich kopiere versuchsweise die URL von www.coca-cola.de in das Eingabefeld von www.codeorgan.com und warte, bis die virtuelle Orgel den Code der Coca-Cola-Website in Musik umgerechnet hat. Nein, das klingt nicht nach spritzigem Sommersonnenfeeling wie in der TV-Werbung: da holpert ein Drumloop unbeholfen vor sich hin, darüber wabern synthetische Streicherklänge. Melodie? Keine Spur.

Ich versuche es noch mit anderen Marken-Websites: www.adidas.de zum Beispiel. Oder www.siemens.de. Letztere erschöpft sich klangmäßig in einem einzigen Ton und ein paar verebbenden Hi-Hat-Zischern.

Nein, das witzige Lärminstrument Codeorgan, das die Codes von Websites nach einem raffinierten System in Klänge umsetzt, schreibt nicht den Soundtrack für Ihr Unternehmen. Die musikalische Kreativität der Orgel hat es nicht so mit Harmonie oder dynamisch groovenden Beats, die eine Marke akustisch attraktiver machen könnten. Ein bisschen erinnern die Ergebnisse an den Youtube-Kult der „Shreds“, bei dem virtuose Musiker mit einer neuen, „andersartigen“ Tonspur unterlegt werden. Dabei mutiert schon mal ein Ausnahme-Gitarrist wie Paco de Lucia zum blutigen Anfänger-Poser.

Zum Schluss hab ich mir von der Codeorgan noch www.angela-merkel.de in Musik übersetzen lassen. Da hat’s mir dann endgültig die Schuhe ausgezogen …

Haben Sie auch schon einen Urwaldbewohner?

Um den indonesischen Urwald zu retten und seine Artenvielfalt zu erhalten, müssen viele Menschen zusammenhelfen. Der WWF hat es mit der Offenbacher Agentur zweipol geschafft, für dieses Projekt schon eine ganze Menge Unterstützer zu aktivieren – und es werden täglich mehr.

Auf der Microsite wwf.de/Urwaldriese wächst ein tropischer Baum. Jedes Mal, wenn man ihn besucht, ist er noch etwas belebter – und die Chancen, natürliche Lebensräume in Indonesien zu erhalten, sind vielleicht in diesem Moment wieder ein bisschen gewachsen. Tobias hat 500 Euro für die Urwälder auf Sumatra, Borneo und West-Papua gespendet und sich dafür ein Sumatra-Tiger-Baby ausgesucht. Julia hat an Freunde eine Spende von 3 Euro verschenkt und dafür eine Riesen-Waldameise auf den Baum gesetzt.

Wer die Arbeit des WWF für den Erhalt der indonesischen Flora und Fauna mit Geld unterstützt, darf sein Lieblingstier oder eine Pflanze auswählen und auf dem Urwaldriesen platzieren. Klickt man Tier oder Pflanze an, öffnet sich eine kleine Tafel mit interessanten Informationen zur jeweiligen Spezies. Hier kann der Spender seinen Namen, sein Bild und einen Kommenar einfügen – und jeder Leser wird gefragt, ob er auch einen Baumbewohner spenden oder verschenken möchte. Da die Urwaldriesen-Site so viel Charme ausstrahlt, kommen der Bitte tatsächlich sehr viele Leute gerne nach. Bislang gibt es schon über 1.500 Baumbewohner, für die knappe 50.000 Euro gespendet worden sind. »Bereits nach wenigen Stunden hat sich gezeigt, dass wir hier ein Tool geschaffen haben, das von den Usern begeistert angenommen wird, über das man spricht und das ein großes Potenzial in sich birgt« freut sich Constanze Oelighoff, Leiterin Internet, beim WWF Deutschland.

Kein Wunder, denn die Geschichte mit dem Urwaldriesen hat sich schnell herumgesprochen. Urwaldbewohner lassen sich nämlich prima per Twitter verschicken oder ins Facebook-Profil einbinden. So streckt der Urwaldriese seine Äste jetzt schon über weite Teile des Internets aus – und wann sorgen Sie dafür, dass sich darauf noch ein paar glückliche Lebewesen mehr tummeln?

Lasst Fetzen sprechen

Promi-Köpfe werden in der Werbung immer gern genommen – wenn sie beispielsweise erklären, wie sie zu Deutschlands größter Boulevard-Zeitung stehen. Oder sich nicht zu schade dafür sind, die unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellten Artikel eines Textildiscounters zu bewerben.

Glücklicherweise gibt es immer noch Beispiele, bei denen weder ein Gesicht als purer Werbeträger noch der Profit, sondern durchaus eine wichtige Botschaft im Vordergrund steht. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Ein solches Meisterstück ist der Agentur Scholz & Friends mit einem Beitrag zur FAZ-Reihe „Kluge Köpfe“ gelungen: Auf dem Foto ist Marianne Bithler zu sehen, die Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen – jedoch nicht ihr kluger Kopf, sondern lediglich ihre Hand, die ein aus zahllosen Schnipseln zusammengesetztes Exemplar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vors Gesicht hält. Die Message trifft den Betrachter hart und unerbittlich. Sie lässt weder Missverständnisse noch Schönfärbereien zu. Frau Bithler ist auf dem Bild zwar sehr präsent, tritt aber zugunsten der wichtigen politischen Aussage in den Hintergrund.

Die Eindringlichkeit des Bildmotivs zeigt Wirkung. Mit einem Mal beginnt man wieder, sich in Gedanken mit diesem wichtigen Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte auseinanderzusetzen – mit Ereignissen, die angesichts des täglichen Medien-Overkills in unseren Köpfen schon fast der Vergessenheit anheimgefallen sind.

Die Macht des Archaischen

Was ist es, das uns wie hypnotisiert nach oben blicken lässt, wenn ein riesiger Schwarm Zugvögel  über uns hinweg gen Süden fliegt? Wie sich der Himmel für Sekunden fast unmerklich verdunkelt? Wie Tausende von leisen Flügelschlägen die Luft zum Beben bringen? Das weckt in uns Gefühle, die wir kaum in Worte fassen können: etwas zwischen wohligem Schaudern und einer schwer erklärbaren Faszination …

Kaum jemand kann sich der Macht solch archaischer Bilder entziehen. Und die menschliche Kultur schöpft seit jeher aus dieser Quelle, um Werke hervorzubringen, die uns mit ihrer emotionalen Wucht ganz unmittelbar in unserem Innersten treffen – die Venus von Willendorf genauso wie etwa Stonehenge und Strawinskis „Sacre du Printemps“  –oder auch „Hive“, ein Projekt von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung (Innenarchitektur und Kommunikationsdesign) der FH Mainz.

„Hive“ war eine Lichtinstallation, die im Rahmen der Luminale 2010 über dem Weiher hinter der Alten Oper in Frankfurt präsentiert wurde: 1.600 einzeln über Bewegung und Klang ansprechbare LED-Leuchten formten einen dreidimensionalen, 12 x 6 x 5 Meter großen „Lichtschwarm“, der durch die Aktionen der Passanten ein Eigenleben zu entwickeln schien. Über spezielle Interaktionsplattformen hatten Besucher die Möglichkeit, die Lichtbewegungen des LED-Schwarms zu beeinflussen und ihm ungewöhnliche Klänge zu entlocken. Videoaufnahmen der Installation zeigen: Menschen reagierten auf den „Hive“ ganz ähnlich wie auf den eingangs erwähnten Vogelschwarm – und verfolgten gebannt das raffinierte Schauspiel aus Licht und Ton.

Dass Kunst auch der Werbung den Weg weisen kann, demonstrierten die Schöpfer von „Hive“ ebenfalls eindrucksvoll: Statt ihr Projekt nur mit herkömmlichen Pressemappen, Internetseiten und Video-Channels publik zu machen, organisierten sie Flashmobs, in denen sich Leute in schwarzweißen T-Shirts scheinbar spontan zu „Menschenschwärmen“ zusammenschlossen. So ergänzte sich die Licht-Installation mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu einem wegweisenden Gesamtkunstwerk, das gleichermaßen von der Begeisterung für innovative mediale Konzepte wie von der Faszination des Archaischen lebte. Ein bemerkenswerter Ansatz, de auch der Markenkommunikation frische Impulse verleihen kann.

Klickst Du noch oder wohnst Du schon?

Es soll ja Menschen geben, die haben sich im Internet bereits häuslich niedergelassen. Kein Wunder – wozu noch rausgehen aus den eigenen vier Wänden, wenn man Freunde im Web treffen oder Einkäufe auch stressfrei online erledigen kann?

Und wie richtet man sich im Intenet ein? Genauso wie im richtigen Leben – mit Ivar, Billy, Hemnes, Klippan & Co. natürlich! Wie das geht? Das verrät einem Nils, der Vorzeigebewohner der neuen Hej-Community von IKEA.

Schon lange demonstriert IKEA Familiensinn und duzt seine Kunden, als wären es Onkel Fritz, Oma Wilhelmine oder der kleine Klaus aus der Nachbarschaft. Und seit Anfang Februar findet sich die IKEA-Family online zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der Hej-Website zusammen, gestaltet Räume nach eigenem Gusto und bittet andere Besucher zur Besichtigung ins virtuelle Heim.

Ogilvy in Frankfurt hat für IKEA mit Hej ein Web-2.0-Konzept entwickelt, das Schule machen könnte. Hier wurde nicht einfach einem Webshop eine Community aufgepfropft, nein, bei Hej sind die Übergänge fließend. Überall gibt es etwas zu entdecken – nicht nur die Wohnzimmer der anderen Community-Bewohner, sondern auch Inspirationen fürs Einrichten, Tipps von Koch-Profis, kleine Filmchen, Gewinnspiele und vieles mehr. Selbst getestet: Man geht rein, fühlt sich wohl, ja fast „zuhause“ – und vergisst beim Herumklicken in Hej auch gerne mal die Zeit.

Egal ob der Einzug in die Hej-Community dann schon am nächsten Wochenende oder in ein paar Monaten zu einem Einkauf im schwedischen Möbelhaus führt: Wer sich einmal bei Hej willkommen gefühlt hat, wird die Marke IKEA sicher als den netten Onkel mit den hübschen Möbeln im Gedächtnis abspeichern. ;-)

Apple greift nach den Sternen

Kein Tag vergeht, an dem nicht in Dutzenden von Medien auch hierzulande mindestens eine News-Meldung über die iPhone-Schmiede Apple die Runde macht. Da wollen wir natürlich nicht hintanstehen – denn schließlich muss jeder unumwunden zugeben, dass es das Team um Steve Jobs versteht wie niemand sonst, eine Marke weltweit perfekt zu positionieren. Egal ob man nun begeisterter Anhänger von Apple-Produkten ist oder nicht – die Marke bleibt permanent im Gespräch.

Markenkommunikation als Selbstläufer – Apple macht vor, wie’s geht, wenn man omnipräsent sein will. Es reichen ein paar kleine, gezielte Impulse: eine der legendären Keynotes hier, ein zufällig (?) in einer Kneipe vergessenes iPhone da. Und schon bricht sie los, die Lawine weltweiter Aufmerksamkeit. Die Medien greifen jede Nachricht begierig auf und verbreiten sie flächendeckend weiter. In Youtube basteln währenddessen schon Witzbolde an neuen Apple-Parodien. Und in die Kult-TV-Serie „The Simpsons“ hat es „Steve Mobs“ auch schon geschafft. Etwas Vergleichbares dürfte seit den Beatles keiner außer Jobs und sein Marketing-Team geschafft haben.

Ja, iPhone und iPad sind sicher auch deshalb so erfolgreich, weil man mit ihnen als Erwachsener lifestyle-gerecht seinem Spieltrieb frönen kann. Die Apps, die der iTunes Store zu Hunderten hierfür bereithält, liefern für jeden Geschmack den passenden Zeitvertreib. Wer es beispielsweise etwas „abgehobener“ mag, greift mit iPhone oder iPad kurzerhand mal nach den Sternen und lädt sich die App Star Walk 4.0 herunter.

Star Walk 4.0 wurde von VITO Technology produziert und bestimmt per GPS die Position des Users. So ist es möglich, den Sternenhimmel exakt so darzustellen, wie er am aktuellen Standort aussieht – komplett mit Erklärungen zu den einzelnen Himmelskörpern, mit Mondphasen sowie Auf- und Untergangszeiten der Sonne. Per Zeitleiste lässt sich der Hobby-Astronom die Sternenkonstellationen für jeden beliebigen Tag anzeigen – animierte Meteoritenschauer inklusive.

Das lässt erahnen, wie künftig romantische Begegnungen frisch verliebter Nerds an lauen Sommerabenden ausfallen könnten:

Sie schmiegt sich wohlig an ihn, schmachtet ihn mit strahlenden Augen an und legt den Kopf auf seine Schulter.
Er: „Schau mal, der Große Wagen …“ … und deutet wissend auf den blitzblanken Screen des iPads in seiner linken Hand …

„Besser informiert entscheiden 2 – Die Kunst, zu informieren”

„Besser informiert entscheiden“ ist die Veranstaltungsreihe von ANIGMA und 2be_die markenmacher welche sich einem immer größer werdenden Erfolges freut. In den von ANIGMA zur Verfügung gestellten Räumen konnten die Teilnehmer den Vorträgen und der Podiumsdiskussion lauschen, Fragen einbringen, Diskussionen anregen und hatten zudem in den Zwischenzeiten viele interessante Gespräche mit Menschen aus anderen Branchenbereichen. Durch die Vielzahl von Gesprächen entstand eine sehr schöne Atmosphäre die den Leuten gut tat und sie anregte, die kommende Veranstaltung zu besuchen.

Eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion über Social Media
Hr. Brinkmann, Hr. Dembowsky, Hr. Fischer, Hr. Beyer

Welchen Einfluss haben Social Media heute auf die Kommunikation im Unternehmen?
Herr Dembowsky, Herr Fischer und Herr Beyer tauschten ihre Erfahrungen und Eindrücke mit Herrn Brinkmann aus:

Das Thema Social Media ist nicht neu: Früher traf man sich auf dem Marktplatz zum geselligen Plausch oder nutzte Theater- und Kinobesuche zu gesellschaftlichen Begegnungen. Der Nachteil: Keiner dieser Orte ist für alle zu jeder Zeit zugänglich. Heute hat sich das Internet zu einer Plattform entwickelt, auf der man sich unabhängig von Ort und Zeit treffen und miteinander kommunizieren kann. Mit der Entstehung von globalen sozialen Netzwerken wie Facebook formiert sich eine digitale Öffentlichkeit, die nicht nur privaten Usern, sondern auch Unternehmen neue Perspektiven der Kommunikation eröffnet. Soziale Netze bieten die Möglichkeit, Meinungen und Content einem breiten Publikum zugänglich zu machen und Feedback einzuholen. Wer hätte beispielsweise in den 90er Jahren gedacht, dass sich die Audi AG für die Meinung ihrer Kunden interessiert? Bei Facebook wird erkennbar, wie sich Audi heute in der digitalen Öffentlichkeit präsentiert.

Soziale Netzwerke vereinfachen Kommunikation nicht nur, sie machen die User auch unabhängiger. Man kann Kontakte pflegen und muss sich dennoch nicht auf alles und jeden einlassen. Trotzdem spiegeln sich auch im Netz alle etablierten sozialen Normen wider – Portale wie Facebook bieten keinen neuen Gesellschaftsentwurf. Das Netz wird immer genauso dumm oder klug sein wie seine Nutzer.

Welchen Mehrwert Social Media für Unternehmen bieten, ist immer noch umstritten. Im Bereich Personalmanagement spielen soziale Netzwerke gegenwärtig primär dann eine Rolle, wenn es darum geht, ob ein Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird. So lässt sich die Fehlerquote bei Einstellungsgesprächen schon im Vorfeld verringern.

In Zahlen lassen sich Mehrwert und Nutzen von sozialen Netzwerken jedoch nur unzureichend darstellen. Bei Facebook sind gegenwärtig nur die quantitativen Daten messbar – wie bei einer Printanzeige. Wertvolle Aufschlüsse liefert jedoch das Feedback der Fans – und hier erweist sich Facebook als hilfreicher Indikator für Erfolg oder Misserfolg der Zielgruppenansprache.

Allerdings bleibt die Frage, wie eine im Internet verbreitete Botschaft angesichts der unüberschaubaren Flut an Informationen überhaupt noch ihre Adressaten erreichen kann. Hier agieren soziale Netzwerke als nützliche „Gatekeeper“, über die sich gute und wichtige Informationen aus der Masse herausfiltern und gezielt streuen lassen.

Weitgehende Einigkeit herrschte darüber, dass Facebook wohl nie eine ähnlich weltbeherrschende Rolle wie Google spielen wird. Aber der enorme Einfluss, den Google heute hat, war vor einigen Jahren auch noch nicht absehbar. In Facebook werden dem User Informationen zugetragen, bei Google sucht er selbst gezielt danach. Unbestritten können Informationen über Facebook leichter direkt an den Mann gebracht werden als über Google.

Fazit: Die Entwicklung des Phänomens Social Media beruht laut den Teilnehmern dieser Veranstaltung weiterhin vorwiegend auf Spekulationen und Prognosen, doch waren es nicht die Prognosen eines Orakels, die dazu geführt haben, dass Ödipus letztendlich doch noch seinen eigenen Vater tötete und dann seine eigene Mutter zur Ehefrau nahm?

Verwahrloste Marke sucht Pflegefamilie!

Hilfe, meine Marke ist schwer erziehbar! Sie macht, was sie will, gehorcht mir nicht mehr! Was soll ich nur tun? Was hab ich falsch gemacht? Ich wollte doch immer nur ihr Bestes!

Marken sind wie kleine Kinder. Sie wollen Pflege und Zuwendung – von der ganzen Unternehmensfamilie! Vom Vertriebsonkel genauso wie von der Callcenter-Tante und der Entwickler-Cousine. Es reicht ihnen nicht, wenn ihnen die Marketing-Mama sagt, wie sie sich gefälligst in der Öffentlichkeit zu benehmen haben.

Wenn die Marke mal nicht spurt, geraten die Unternehmens-Eltern oft in Panik. Sie kaufen ihrem Sprössling neue Klamotten mit schickeren Logos drauf, um ihn zu besänftigen. Oder sie entwickeln eine Kampagne, rennen in der ganzen Stadt rum und erzählen allen Leuten noch mal in anderen Worten, wie toll doch ihr Kind ist. Aber der Erfolg bleibt aus: Die Marke pfeift auf Design-Relaunch und teure Werbekampagnen. Und bleibt weiter bockig.

Und wenn die Marke dann rausgeht auf die Straße und sich gegen all die anderen Marken behaupten soll, die da noch so rumlaufen – dann will sie ihre Spielsachen nicht in dem gleichen Rucksack durch die Gegend schleppen wie alle anderen auch – nur erkennbar an dem Namensschild, das die Marketing-Mama morgens schnell noch draufgeklebt hat. Nein, eine Marke will mehr sein als ein Label für ein austauschbares Produkt. Sie will einem Produkt mit einzigartigen Eigenschaften und Qualitäten zum Erfolg verhelfen – für Marke und Produkt sozusagen eine Win-Win-Situation, von der beide profitieren.

Mit einem Wort: Das Kind Marke will nicht nur, dass man es hübsch anzieht und zum Spielen rausschickt – wo es dann feststellt, dass es nicht anders aussieht und sich auch nicht anders verhält als all die anderen Kinder. Das Kind Marke will Persönlichkeit entwickeln, um andere beeindrucken zu können. Und das schafft es nur, wenn es von der ganzen Familie die volle Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommt. Da reicht es nicht, mal schnell die Haare zurechtzumachen.

Ganzheitliche Markenführung – ein Schlagwort, das von denen, die es im Munde führen, oft in der Praxis nicht mit Leben erfüllt wird. Das liegt sicher zum Teil an der Hektik des Tagesgeschäfts. Wie leicht passiert es, dass man über den vielen brennenden Baustellen die fürsorgliche Pflege der Marke aus den Augen verlieren kann! Doch wer möchte, dass seine Marke brav und wohlerzogen genau das macht, was er von ihr erwartet, der sollte sie nicht verwahrlosen lassen …

Wenn die Schärfe fehlt …

Phrasen beherrschen die Welt – das wird einem nicht nur bei jeder Shopping-Tour durch die städtische Einkaufsmeile oder beim abendlichen TV-Konsum von Casting-Shows und Talkrunden klar, sondern auch beim Rundgang auf Fachmessen aller denkbaren Branchen. Ausgerechnet dort, wo sich Unternehmen eigentlich mit ihren einzigartigen Vorzügen präsentieren und von den Mitbewerbern abheben wollen, ergehen sie sich in austauschbaren Allgemeinplätzen, die schwammiger nicht sein könnten.

Man denke nur an die viel strapazierten „maßgeschneiderten Lösungen“, die 99 von 100 Firmen für ihre Kunden auf der Pfanne haben. Manchmal sind die Lösungen auch nicht nur „maßgeschneidert“, sondern auch noch „innovativ“. Der Kunde wird sozusagen „punktgenau dort abgeholt, wo er steht“, bleibt aber gerade deshalb völlig ratlos zurück. Bei welchem Anbieter soll er nun seine „maßgeschneiderte Lösung“ kaufen? „Innovativ“ sind sie ja eh alle.

Was hier offenbar wird, ist ein fehlendes Gespür dafür, was eine Marke ausmachen muss, um erfolgreich zu sein. Es reicht nicht, auf seine lange Tradition oder auf die Marktführerschaft zu verweisen. Um ihre Wirkung zu entfalten, muss eine Marke ein scharfes, klares Profil haben. Karsten Kilian, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität St. Gallen, zeigte in absatzwirtschaft 4/2009 transparent auf, welche Anforderungen eine Marke erfüllen muss, um auf K.U.R.S. zu kommen: Sie sollte Konkret, Ursächlich, Relevant und Spezifisch sein. 

Die Marke muss konkret ein besonderes Merkmal beschreiben, das auch für den Kunden relevant ist. So wirbt der Kindernahrungshersteller Hipp damit, dass die Zutaten seiner Produkte aus biologischem Anbau stammen und deshalb besonders wertvoll für das Kind sind. Ist dieses Produktmerkmal für den Käufer entscheidend, spricht es ihn fast schon automatisch an. Und wenn Herr Hipp sich am Ende noch persönlich „mit seinem Namen“ für die Produktqualität verbürgt, ist das etwas Spezifisches, das seine Marke zumindest nach außen von anderen Herstellern unterscheidet.

 Der Kunde braucht Marken mit klaren Konturen und eindeutigen Botschaften, um sich im Dschungel der vielen ähnlich gearteten Angebote noch zurechtzufinden. Doch ein klares Markenbild ist nicht nur den Verkaufzahlen zuträglich – es schärft auch für die Mitarbeiter das Profil des Unternehmens und liefert ihnen Werte, mit denen sie sich identifizieren können. Marke, Motivation und Verkaufserfolg gehen also Hand in Hand.

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