Pille statt Halstuch
Schon interessant, wie Markenwerbung manchmal funktioniert. Da schickt vor fünf Jahren beispielsweise Mobilfunk-Discounter simyo einen Herrn ins Rennen, der so gar nicht dem Klischee des gelackten Werbemodels entspricht: „Dan Williams“, laut simyo-Blog angeblich Alt-Hippie und Sohn eines kalifornischen Staubsaugervertreters, präsentiert sich mit altmodischem Jackett und Halstuch als simyo-CEO und preist seinen Mobilfunktarif als erfreuliche Alternative zu den verwirrenden Angeboten anderer Provider an: „Weil einfach einfach einfach ist“.
Unter uns: Besonders sympathisch ist der schmierige Dan mit seinem Halstuch nicht, oder? Und der Dreimal-einfach-Spruch hört sich an, als ob der Anbieter den Kunden für derart minderbemittelt halten würde, dass er ihm die Botschaft in einem Satz gleich mehrfach ins Gedächtnis hämmern muss. Trotzdem: Dan hat simyo als Marke mit Profil fest in den Köpfen der Kunden etabliert. Ein Erfolg.In letzter Zeit ist es etwas ruhiger um Dan geworden, doch jetzt startet simyo eine neue Kampagne, die vor allem die Markenkommunikation neu beleben soll: Die „Pille fürs Handy“, ein neuer Flatrate-Tarif mit „Kostenstopp“, stellt allerdings nicht mehr der alte Dan Williams vor, sondern ein „Tom Lindvoss“, der deutlich lockerer daherkommt als sein Vorgänger und sich mit seinem netten skandinavischen Akzent von aalglatten Typen wie „Marcell D’Avis“ von 1 & 1 unterscheidet: „Sie sahlen nur, was Sie verbrauchen …“
Die Pillen-Kampagne umfasst diesmal auch Social-Media-Aktionen – nicht ohne Grund, denn es gilt, sich gegen andere Anbieter mit einem Modell zu positionieren, das auch mobiles Internet-Surfen noch attraktiver macht. Es wird in jedem Fall spannend, ob der smarte Tom seine Mobilfunk-Marke ähnlich gut verkaufen kann wie der Mann mit dem Halstuch – oder ob den Endkunden simyo künftig als Billiganbieter von Pharmaprodukten im Gedächtnis bleibt.
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