Eine gute Tat – auch für die Marke

Wer anderen etwas Gutes tut, profitiert auch selber davon. Das gilt im privaten Bereich, aber noch viel mehr im öffentlichen Leben. Gut zu sehen an Bill Gates und Microsoft. Noch vor wenigen Jahren als das personifizierte Böse verschrien, haben sich die Wogen um den amerikanischen Mega-Konzern in letzter Zeit spürbar geglättet – sicherlich auch weil der schwerreiche Firmengründer Bill Gates mit seinem vielfältigen karitativen Engagement nicht mehr so überzeugend als Buhmann taugt. Jetzt, angesichts seiner spektakulären Initiative mit Warren Buffett, weltweit Spenden in Millionenhöhe zu sammeln, mag das mancher als geschickt eingefädelte PR-Aktion abtun. Doch letztendlich ist es der Zweck, der die Mittel heiligt – und hier gleich in doppelter Hinsicht: Die Gesellschaft profitiert von der Großzügigkeit der Spender und Letztere werden auf längere Sicht dann doch eher als Wohltäter im Gedächtnis bleiben – was wiederum den Unternehmen, mit denen sie assoziiert werden, einen gehörigen Image-Schub verleiht. Das Beispiel Microsoft scheint diese These zumindest teilweise zu bestätigen.

Dass es auch andersherum geht, zeigt Apple: Während Produkte des Unternehmens aus Cupertino nach wie vor in gewissen Kreisen Kultstatus genießen, ist das Bild des Unternehmens in der Öffentlichkeit lange nicht mehr so makellos wie zu Beginn. Anfangs oft als idealistischer David dargestellt, der gegen den übermächtigen, geldgierigen Goliath Microsoft antritt, macht Apple in letzter Zeit eher durch Kundengängelung, iPhone-Bugs und ausbeuterische Arbeitsbedingungen an fernöstlichen Produktionsstätten von sich reden. Und Steve Jobs wird immer öfter das Image eines Kontroll-Freaks zugeschrieben – von Wohltäter keine Spur. Noch funktioniert das Apple-Modell bestens – doch die glänzende Fassade hat deutliche Risse bekommen. Auf lange Sicht könnten sich diese zu einem verheerenden Image-Schaden ausweiten. Hier wäre es für die sonst so clevere Apple-Marketing-Abteilung höchste Zeit gegenzusteuern. Etwas soziales Engagement abseits des unmittelbaren Unternehmenszwecks würde hier zweifellos Wunder wirken …

Überhaupt: Soziales Engagement tut jeder Marke gut – es müssen ja nicht gleich Millionenbeträge sein. Gerade in Zeiten, in denen viele Unternehmen wegen ihrer ausschließlichen Fokussierung auf Gewinnmaximierung in der Öffentlichkeit an den Pranger gestellt werden, ist es sinnvoll, beispielsweise als Sponsor sozialer Projekte Flagge zu zeigen. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und spüren selbst den positiven Effekt. Denn die Marke lebt nicht nur von Rekordumsätzen, sondern auch von Menschlichkeit.

Der Mensch als Marke

Das eigene Profil schärfen, um sich wirkungsvoll auf dem Markt zu positionieren: Nicht nur Unternehmen wählen diesen Weg, auch Einzelpersonen gehen mitunter so weit, sich selbst als eigenständige Marke zu inszenieren. Dadurch erreichen sie in jedem Fall eines: Sie werden von der breiten Öffentlichkeit besser wahrgenommen und wiedererkannt. Doch bedeutet dieses Mehr an Aufmerksamkeit zugleich auch mehr Erfolg?

Ob Paris Hilton, Lady Gaga, Sascha Lobo oder Hans Werner Sinn – die Marken unter den Menschen scheinen allgegenwärtig zu sein. Sie fallen sofort ins Auge. Doch mögen wir sie deshalb auch? Oder anders gesagt: Sind diese Marken für uns positiv besetzt? Hierüber lässt sich nun trefflich streiten. Denn Menschen als Marken scheinen deutlich stärker zu polarisieren als Produktmarken. Gleichgültigkeit hat hier selten Platz. Man liebt diese Leute oder hasst sie. Und genau hier liegt die Gefahr. Denn die Leidenschaftlichkeit, mit der wir menschlichen Marken begegnen, kann beim geringsten Anlass radikal von der Verehrung in Verachtung umschlagen. So verwundert es kaum, dass viele „Marken-Menschen“ in der Medienwelt mit Wucht nach oben gespült werden, ihre Hochzeit haben und dann ganz schnell wieder in der Versenkung verschwinden.

Eine weitere Schwierigkeit: Bei der Einzelperson als Marke fallen selbst kleinste Authentizitätsdefizite noch ungleich stärker ins Gewicht als bei größeren Unternehmen. Da darf nichts Konstruiertes spürbar sein, sonst funktioniert das Marken-Dasein vom ersten Moment an nicht. Die Marke leben, um sie mit Leben zu erfüllen – das ist auch für Einzelpersonen essenziell.

Sascha Lobo, der den eigenen Status als Marke durchaus distanziert und kritisch sieht, bemerkt in einem Kommentar zum Artikel „Marke werden – aber wie?“ auf Einloggen13: „Marken funktionieren bei der Ansprache von Menschenmassen gut. Aufträge für freie Journalisten werden aber nicht von Menschenmassen gegeben, sondern von Redakteuren, die man kennt. Und im direkten Kontakt wirken Menschen, die unbedingt Marken sein wollen, eher seltsam, wenn man nicht sehr behutsam vorgeht.“ Was hier für freie Journalisten gilt, dürfte auch auf die meisten anderen Berufszweige zutreffen. Und Lobo weist auf eine weitere Gefahr hin, die mit dem Marken-Dasein verbunden ist: Leicht geschieht es, dass die Außendarstellung der Marke zu sehr in den Vordergrund rückt und die Inhalte daneben an Bedeutung verlieren. Damit wird die Marke zum Selbstzweck und verliert eigentlich ihre Daseinsberechtigung.

Fazit: Menschen, die sich selbst als Marke etablieren wollen, lassen sich damit in jedem Fall auf eine Gratwanderung ein. Und sie müssen ihre Marke permanent und flexibel an den Anforderungen des Marktes ausrichten – wobei Einzelpersonen hier leicht in ein Authentizitäts-Problem hineinschlittern. Dass es dennoch funktionieren kann, beweist etwa Madonna, über die die Boulevardpresse nicht umsonst seit mittlerweile 25 Jahren gerne schreibt, sie würde sich „mit jedem Album immer wieder neu erfinden.“

Denkmal für einen Blumenkübel

Haben Sie Anfang August auch mitgelitten, als Unbekannte einen Blumenkübel vor dem Eingang des Antoniusstifts in Neuenkirchen zerstörten? 150 Euro Sachschaden! Ganz zu schweigen von dem ideellen Wert des Pflanzenbehältnisses. Die Münstersche Zeitung berichtete am 3. August in einer an und für sich unscheinbaren Meldung über den unerhörten Vorgang – nicht ahnend, welche Wellen die Geschichte im Anschluss bundesweit schlagen sollte.

Eine kleine Twitter-Meldung von einem Redakteur der Münsterschen Zeitung brachte das Ganze offenbar ins Rollen. Mit einem ungeheuren Tempo trugen Twitter-Follower und Facebook-Freunde die Blumenkübel-Geschichte weiter – und entfachten einen Hype, der schließlich sogar die ZDF-Online-Redaktion und Vertreter des Bundestags erfasste. Schon wenig später tauchten auf YouTube eine „Dramatisierte Lesefassung“ und im Popkultur-Blog Coffee and TV ein Blumenkübel-Song auf. Schließlich bekannte sich sogar eine Gruppe namens „Free the Flowers“ zu dem Anschlag.

Hunderte von Tweets, zig Blog-Einträge und mehr als 10.000 Freunde einer Blumenkübel-Seite auf Facebook: Niemand hatte das so beabsichtigt, schreibt die Münstersche Zeitung, der die Blumenkübel-Story laut Carta.info selbst um die 50.000 Seitenaufrufe bescherte. „Um eine Viralkampagne handelt es sich […] nicht, wie @BrandNewWelt uns am Nachmittag via twitter unterstellte“, schreibt das Blatt in seiner Online-Ausgabe.

Stellt sich die Frage: Wie konnte eine kleine, banale Lokalmeldung eine derartige Wirkung entfalten? Basiert das Ganze auf glücklichen Zufällen? Oder stecken dahinter doch Mechanismen, die sich für virale Marketingaktionen nutzen ließen? Genauestens analysieren sollte man das Phänomen allemal.

Zu Ihrer Beruhigung: Ein Würzburger Unternehmen hat dem Antoniusstift mittlerweile Ersatzkübel geschenkt. Und seien wir doch mal ehrlich: Ist der Neuenkirchener Blumenkübel wirklich weniger news-relevant als der Schulterblick von Paris Hilton oder das Outfit von Lady Gaga?

Eigen-Werbung: der pure Horror

Geben Sie’s zu, auch Sie sind ein bisschen eitel. Jeder von uns ist es. Und wir fühlen uns geschmeichelt, wenn unser Name irgendwo lobend in einer Zeitung erwähnt wird. Wenn wir im Fernsehen zufällig einen Haarbüschel von uns in einer Menschenmenge entdecken. Oder wenn wir gar mal als Statist in einer Filmproduktion für Sekundenbruchteile durchs Bild huschen dürfen.

Natürlich nutzt Werbung seit jeher gezielt unsere narzisstische Ader aus. Und jetzt, in der Zeit der sozialen Netzwerke, wird das alles sogar noch viel einfacher – und wirkungsvoller. Der Schweizer TV-Anbieter Swisscom TV beispielsweise macht Facebook-User zu Filmstars: Ein paar Mausklicks genügen, und schon ziert der eigene Name Vorspann und Credits des hollywoodreif inszenierten Horrorfilm-Trailers „Lost in Val Sinestra“. Man fungiert dabei als Produzent des gelungenen Streifens und agiert gleichzeitig als Oberbösewicht. Das Hochladen des eigenen Porträtfotos bereitet einen Schockmoment vor, der sich gewaschen hat.

Doch damit nicht genug: Während der User sein persönliches „Lost in Val Sinestra“ kreiert, können automatisch oder manuell Facebook-Nutzer aus der Freundesliste als Darsteller integriert werden. Und damit hat Swisscom TV sein virales Ziel schon fast erreicht.

„Schaut mal, wir sind alle gemeinsam in einem Film“, werden die meisten „Produzenten“ ihr Machwerk zumindest an die „Schauspieler-Kollegen“ unter den Facebook-Freunden weiterleiten. Wahrscheinlich bekommt jedoch der gesamte Bekanntenkreis den Horrorstreifen zu sehen. Die allgemeine Begeisterung schlägt hohe Wellen, dutzende weiterer Versionen von „Lost in Val Sinestra“ werden zusammengestöpselt und in alle Welt verschickt. Im Abspann des Trailers lockt dann das Swisscom-TV-Logo zum Anklicken – in der Hoffnung, dort weiteres Material zum Gestalten eigener Filme zu finden. Doch letztendlich landet dann jeder User auf der Homepage des Schweizer Unternehmens und kann sich in aller Ruhe über das umfangreiche TV-Angebot informieren.

Auch ich bin den Schweizern in die virale Falle gegangen – und es hat Spaß gemacht, die eigenen Freunde und sich selber in einem professionell produzierten Trailer zu sehen. Wenn ich jetzt noch auf der Suche nach einem Film-TV-Anbieter wäre …

Das virale Lauffeuer

Heute schon mal „Gefällt mir“ geklickt? Oder „Teilen?“ Irgendeinen Artikel auf einem Online-Portal Ihren Freunden bei Facebook empfohlen, weil er Ihnen aus der Seele gesprochen hat? Oder gar einen witzigen Werbespot, den Sie gerade auf Youtube gefunden haben?

Millionen von Menschen klicken regelmäßig in aller Welt auf „Gefällt mir“ und „Teilen“ – nicht selten sogar mehrmals täglich. Und wer eine Botschaft im Internet geschickt platziert, kann damit ohne Weiteres ein regelrechtes Social-Media-Lauffeuer entfachen. Seine Nachricht in wenigen Stunden über alle Kontinente verbreiten. Aktuelles Beispiel: Die geheimen Afghanistan-Dokumente bei Wikileaks sind heute in aller Munde und werden sicher die eine oder andere weitreichende politische Veränderung provozieren. Ohne die immense Dynamik von sozialen Netzwerken wie Facebook würde es zweifellos viel länger dauern, bis derartige Dinge ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen könnten. Und dann wäre es womöglich schon wieder zu spät, um ordentlich Wirkung zu entfalten …

 Auch Werbung und Marketing profitieren von den ultraschnellen und megaeffizienten Kommunikationskanälen der sozialen Netzwerke. Und wenn sie es geschickt anstellen, müssen sie weder viel Zeit noch Millionenbudgets in entsprechende Kampagnen investieren. Denn dann erledigt die Netzgemeinde die Arbeit schon fast von selbst. So geschehen bei Ikea zur Eröffnung der neuen Filiale in Malmö im Herbst 2009. Die Agentur Forsman & Bodenfors in Göteborg platzierte kurzerhand ein Profil des Filial-Chefs Gordon Gustavsson in Facebook, pflasterte es mit Bildern von Ikea-Produkten zu und verband das Ganze mit einem Gewinnspiel: Wer als Erster ein Bild mit seinem Namen kennzeichnete, gewann das entsprechende Möbelstück. Der Clou: Wer auf ein Bild klickte, informierte damit gleichzeitig all seine Facebook-Kontakte von der Ikea-Aktion – nullkommanichts und mit minimalem Aufwand hatte Ikea auf diese Weise ein Millionenpublikum erreicht.

 Und jetzt? Sehen Sie rechts von diesem Text den blauen „Teilen“-Button? Klicken Sie doch einfach mal drauf! ;-)

SQUIDDS entfacht das Feuer

Es war heiß, sehr heiß am Mittwoch vergangener Woche. Als ich das Auto bestieg, betrug die Innenraumtemperatur heimelige 44 Grad Celsius. Ich schnappte nach Luft und machte mich auf den Weg … zu einem Kamingespräch

SQUIDDS, die Spezialisten für Technische Dokumentation mit Firmensitz am Nürnberger Hafen, hatten eingeladen zu einem konzentrierten Gedankenaustausch unter Experten, Entwicklern und Anwendern. Aufhänger für die Veranstaltung „Technische Dokumentation erleben“ war die Veröffentlichung von Adobes Technical Communication Suite 2.5, die Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zum Anlass nahm, über ausgewählte neue Features des Software-Pakets zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Mit einer Reihe von anspruchsvollen, aber leicht verständlichen Beiträgen vermittelten Referenten der Unternehmen Acolada, Theorie3.De und CAP Studio ein umfassendes Bild dessen, was mit Technischer Dokumentation heute möglich ist. Die Optimierung des Workflows mit Hilfe von Content-Management-Systemen kam ebenso zur Sprache wie das Potenzial von 3D-PDF in der Katalogerstellung und eine kritische Würdigung des Dokumentenformats DITA. Abschließend ermutigte Georg Eck  dann noch zu einem Blick über den Tellerrand: Wie lassen sich Communities und Social Media in den Prozess der Technischen Dokumentation mit einbinden? Wie kann man sich die Vorteile moderner Online- und Mobile-Technologien in diesem Bereich noch stärker zunutze machen? 

Als ich nach dem Ende der Veranstaltung die SQUIDDS-Räumlichkeiten verließ und auf die Straße trat, hatte es immer noch über 30 Grad Celsius. „Technische Dokumentation ist tatsächlich ein heißes Thema“, schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte beim Kamingespräch einen intensiven Einblick in Bereiche der Technischen Dokumentation erhalten, von deren Potenzial ich bislang noch viel zu wenig wusste. Viele Erkenntnisse und Anregungen gewann ich auch aus den entspannten, aber sehr lebhaften Diskussionen zwischen den Fachbeiträgen. Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Kamingesprächs: „Es ist sehr lange her, dass ich zum letzten Mal derart tiefgründige und inspirierende Diskussionen miterleben durfte.“ 

Der Erfolg des ersten SQUIDDS-Kamingesprächs macht Lust auf mehr. Umso größer die Freude der rund ein Dutzend Teilnehmer, als Georg Eck verkündete, weitere Veranstaltungen dieser Art folgen lassen zu wollen. Das nächste Kamingespräch könnte eventuell bereits im September oder Oktober stattfinden. Behalten Sie also jetzt schon mal die Neuigkeiten auf der SQUIDDS-Homepage im Auge. Es lohnt sich!

Audi horcht in die Zukunft

Als August Horch 1909 die von ihm gegründete August Horch & Cie Motorwagenwerke Zwickau verließ, um einen unternehmerischen Neustart zu wagen, wandte er einen raffinierten Kniff an, um seinen Familiennamen weiterhin als Bestandteil des Firmennamens nutzen zu können: Er übersetzte „Horch!“ kurzerhand ins Lateinische. Heraus kam „Audi“, der Imperativ Singular von „audire“ (dt. „hören“). Derlei Kreativität hat bei Audi mittlerweile Tradition. So schaffte es der Ingolstädter Autobauer auch, sich vom Image einer „Altherren-Marke“ zu befreien und sich erfolgreich als weithin geachteter Premium-OEM zu positionieren. Hochwertiges, gediegenes Design und technische Innovationsfreude machen Audi heute zu einem der wichtigsten Automotive-Unternehmen der Welt.

Doch mit „Vorsprung durch Technik“ allein lassen sich noch keine Kunden gewinnen. Es ist – wie damals anno 1909 – die richtige Sprache, die den Erfolg bringt. So war Audi immer einer der Ersten, die gelernt haben, wie man die modernen Kommunikationsmittel am besten nutzt, um seine Zielgruppen zu erreichen. Und jetzt geht es darum, weibliche und männliche Käufer im Alter zwischen 25 und 35 Jahren für den neuen Kleinwagen A1 zu begeistern. Folgerichtig setzt Audi bei der Prelaunch-Kampagne auf einen aufwändigen Medien-Mix, der alles einschließt: von der eigenen A1-Internet-Microsite als Startplattform über die virtuelle Probefahrt, Kurzfilme auf Youtube und Präsenzen auf allen entscheidenden Social-Media-Portalen. Ein Film mit Pop-Idol Justin Timberlake gehört ebenso zum Gesamtpaket wie der exklusive Rocksoundtrack, der „Stilberater“ oder das iPhone-Game. Das Überzeugende an Audis A1-Kampagne ist nicht primär der multimediale Overkill, sondern wie gut die Einzelkomponenten ineinandergreifen und ein schlüssiges Gesamtkonzept ergeben – eine große virtuelle Spielwiese, die den potenziellen Käufer auf allen Ebenen emotional wie intellektuell zu beschäftigen weiß. Die Kampagne zeigt: Audi hat verstanden, wie die Kommunikation der Zukunft funktioniert.

Warum Puma Pizza nicht mehr schmeckt

Es dürfte jedem klar sein: Bei der WM in Südafrika geht es nicht nur um Fußball. Irgendwie bei dem Spektakel dabei zu sein, kann dem (Marken-)Image einen gehörigen Schub verleihen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte von diesem Effekt profitieren. Es kann ja nicht schaden, sich nach dem Debakel der Bundespräsidenten-Wahl ein wenig im Glanz von Jogi Löws Nationalmannschaft zu sonnen, mögen sich ihre Berater gedacht haben. Und so wohnte Merkel dem 4:0-Sieg über Argentinien in Kapstadt höchstpersönlich bei. Eigentlich eine gute Gelegenheit, um vor Dutzenden von Kameras wieder mal ein wenig Volksnähe zu demonstrieren – wenn da nicht der bittere Beigeschmack wäre, dass Merkels Flug nach Südafrika in etwa zehn Jahresgehälter hart arbeitender Bürger an Steuergeldern verschlungen hat …

Nicht nur für Politiker, sondern auch für Unternehmen mit handfesten wirtschaftlichen Interessen ist die Fußball-Weltmeisterschaft ein zweischneidiges Schwert: Wer wie adidas auf die deutsche Mannschaft setzte, hat jetzt schon das große Los gezogen: die Fußballtrikots des Markenartikel-Herstellers gehen weg wie warme Semmeln und bescheren adidas im WM-Jahr vorausschichtlich ein Umsatz-Plus von 25 Prozent. Mitbewerber Puma hatte weniger Glück: er investierte 16,5 Millionen Euro in die Ausrüstung des Ex-Weltmeisters Italien – der dann prompt schon in der Vorrunde aus dem Rennen flog. Puma wird sich demnach wohl weder über die erhofften Einnahmen noch über einen Image-Gewinn freuen können. Besonders tragisch erwischte es bei der Weltmeisterschaft 2006 den fränkischen Spielwarenhersteller NICI, der das Maskottchen Goleo in Lizenz produzierte und u. a. wegen mangelnder Nachfrage noch vor Beginn der WM Insolvenz anmelden musste.

Eigentlich erschreckend, wie 90 Minuten Spielzeit nicht nur für Fußballerkarrieren, sondern auch für Wohl und Wehe ganzer Großkonzerne entscheidend sein können. Aber die Chancen auf einen Image-Gewinn scheinen trotz des enormen Risikos deutlich zu überwiegen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sich alle vier Jahre so viele Hersteller darum reißen, Lizenzprodukte auf den Markt bringen zu dürfen.

Die Orgie ist vorbei

Glaubt man einschlägigen Umfragen, haben Kreative und „Werber“ beim Gros der Bevölkerung keinen allzu guten Ruf. Werbung gilt vielfach als etwas Unehrliches, als Schaumschlägerei, für das ihre Macher fürstlich entlohnt werden und ihre Erfolge mit Hummergelagen und Champagnerbädern feiern. Nun, falls es denn jemals tatsächlich so war, diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Die Werbebranche hat nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise starke Schläge hinnehmen müssen: Unternehmen kürzten radikal ihre Werbebudgets und halten sich mit neuen Investitionen nach wie vor zurück. Agenturen und Einzeldienstleister müssen bis heute einem horrenden Preisdruck nachgeben, um sich überhaupt irgendwie über die Runden zu retten. Viele sind stark ins Trudeln gekommen, mussten Mitarbeiter entlassen oder gar ganz ihre Pforten schließen.

Doch man darf die Schuld nicht nur bei anderen suchen. Werber sollten sich durchaus an die eigene Nase fassen. Denn die gegenwärtige Krise ist zum Teil auch hausgemacht. „In unserer Branche gibt es zu viele egomanische Selbstdarsteller, die keine wirkliche Substanz mitbringen“, bemängelte Amir Kassaei, Kreativchef der Agentur DDB, gegenüber Welt Online. In der Tat schmorten wohl manche Vertreter der Werbeindustrie in den letzten Jahren zu sehr im eigenen Saft und haben die Verbindung zu „der Welt da draußen“ etwas verloren. Anders lässt es sich auch kaum erklären, dass sich die Branche immer noch so schwer tut mit den gegenwärtigen Umwälzungen auf dem Markt: TV, Radio und Print verlieren für die Werbung zunehmend an Bedeutung und werden verdrängt durch Online und Mobile.

Doch wie umgehen mit Phänomenen wie Internet und Social Communities, Smartphones oder In-Game-Advertising? Auch Jahre nachdem diese Entwicklung ihren Anfang genommen hat, herrscht noch große Unsicherheit im Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen. Dabei kommen praktisch wöchentlich neue faszinierende Möglichkeiten hinzu, diese Werkzeuge für aufregende crossmediale Kampagnen zu nutzen. Doch souverän auf der Klaviatur der Neuen Medien spielen bislang nur wenige. Hier tut sich ein weites Feld auf, in dem Kreative wieder wirklich kreativ werden müssten. Vielleicht klappt’s dann irgendwann auch wieder mit den Orgien … ;-)

Mein Kumpel Calibri

Den ganzen lieben langen Tag sitze ich vor dem Computer und tippe Texte – manchmal ein ziemlich einsames Geschäft. Und eines, bei dem man wählerisch wird. Da sucht man es sich schon ganz gezielt aus, wem man sein Vertrauen schenkt und wen man am liebsten die ganze Zeit um sich haben will. Nach vielen kurzen und weniger glücklichen Affären hab ich mich nun für Calibri entschieden. Calibri ist immer freundlich zu mir und ich fühle mich wohl in seiner Nähe. Danke, Lucas de Groot, dass du uns miteinander bekannt gemacht hast. Ein weniger harmonisches Verhältnis pflege ich mit Times New Roman, bei dem ich immer sofort an unangenehme Briefe vom Amt oder an dozierende Altphilologen denken muss. Times, den alten Römer, dulde ich nicht in meiner Nähe. Alles markieren, umformatieren, dann endlich wieder entspannen! Erst dann kann ich wieder in Ruhe weiterarbeiten.

Jetzt kann ich meine Freundschaft mit Calibri auch öffentlich kundtun, ohne dabei ein komisches Gefühl haben zu müssen. Denn ich bin nicht allein. Es gibt noch mehr Menschen wie mich, die sich Schriften zu Freunden gewählt haben. Auf Facebook ist das ganz einfach. Wie kürzlich in der Online-Ausgabe der PAGE zu lesen war, ist es gar nicht so ungewöhnlich, zu einer Schrift ein sehr emotionales Verhältnis zu haben: So gestehen manche Leute auf Facebook ihre Liebe zu der natürlichen, serifenlosen Schönheit von Gill Sans, während andere verschworene Häuflein bilden, um gemeinsam ihrer Verachtung für … na? … jawoll! … Times New Roman Ausdruck zu verleihen.

Sicher werden Schriften auch auf Facebook niemals so viele Fans haben wie Lena Meyer-Landrut oder Ozzy Osbourne. Aber es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass es noch eine ganze Menge Menschen gibt, denen Typografie auch im Internet-Zeitalter noch eine Herzensangelegenheit ist.

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