Auf Marken abfahren
Die Deutsche Bahn hat derzeit ein ausgeprägtes Image-Problem. Das rührt nicht nur von den Spitzelskandalen der Ära Mehdorn her, auch die Defizite in den Bereichen Kundenfreundlichkeit und Pünktlichkeit haben schon fast Tradition. Jetzt setzt die Bahn-Führung an den unterschiedlichsten Punkten gleichzeitig die Hebel an, um den Ruf des Unternehmens in der Öffentlichkeit deutlich aufzumöbeln.
Zur Rundumerneuerung gehört auch, die großen Bahnhöfe aufzuwerten und als Aufenthaltsort für die Reisenden attraktiver zu machen. Gerade in Großstädten haben sich die Bahnhöfe ohnehin schon zu Shopping-Centern entwickelt, die unter anderem durch ihre ausgedehnten Öffnungszeiten bei den Verbrauchern punkten können. Eigentlich naheliegend, diesen Ansatz weiterzuverfolgen und über das Angebot auch ein anspruchsvolleres Publikum mit renommierten Marken anzusprechen – so wie dies beispielsweise auf Flughäfen seit jeher gang und gäbe ist. Profitieren würden davon nicht nur die Verbraucher – auch die Deutsche Bahn könnte durch das gezielte Anlocken zahlungskräftiger Konsumenten in den Bahnhöfen sicherlich noch zusätzliches Geschäft generieren.
Die Voraussetzungen könnten besser nicht sein: Als Sammelpunkt der unterschiedlichsten Zielgruppen bietet der Bahnhof das ideale Umfeld für eine breit angelegte Kundenkommunikation. Um hierfür die optimalen Konzepte auszuarbeiten, hat die Deutsche Bahn die Eventagentur Go Public! ins Leben gerufen. Acht Bahnhöfe (München, Berlin, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und Hannover) werden im Zuge der Neuorientierung zu attraktiven „Markenwelten“ mit frischen Formen der Kundenansprache umgestaltet. Unverbrauchte Werbemittel wie Großbanner, die sich um die eigene Achse drehen, hohe Back-Light-Tower, Live-Promotions und Events sollen im Bahnhof für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen und das Geschäft beleben. Wenn das Angebot stimmt, kommen auch die Kunden – ähnliche Strategien haben im Bahnhof Hannover ihre Feuertaufe bereits erfolgreich bestanden. Dort wurden gezielt Räume an Hersteller hochpreisiger Markenartikel vermietet – mit überzeugendem Publikumszuspruch. Und wer die Wartezeit bis zum nächsten Zuganschluss in ansprechender Umgebung mit einem attraktiven Warenangebot überbrücken kann, nimmt die nächste Zugverspätung obendrein gleich viel gelassener hin …
Kommentare(0)