Immer nur weiß oder auch mal bunt?
Waschmittelwerbung – für viele von uns buchstäblich ein rotes Tuch. Aseptische Hyperhausfrauen, deren wichtigstes Ziel im Leben zu sein scheint, dass ihre Kinder in keimfreiem Weiß zur Schule gehen. Trottelige Männer, die zu blöd sind, sich im Haushalt zurechtzufinden. Flauschiges, sorgsam weichgezeichnetes Plastik-Familienglück, oft angereichert mit längst überwunden geglaubten Rollen-Stereotypen. Möchten wir tatsächlich in einer solchen Welt leben? Erfasst uns angesichts all der Einheits-Supermütter und perfekten Primärgruppen nicht sogar manchmal ein Schaudern, weil wir selber so schrecklich unzulänglich sind? Kann man sich mit einem kleinen Kaffeefleck auf der Bluse überhaupt noch vors Haus wagen, ohne dass einen sofort der Blitz trifft?
Dabei wäre Waschmittelwerbung eigentlich eine großartige Herausforderung für jede engagierte B2C-Agentur. Mit frechen Ideen und jeder Menge Selbstironie ließen sich die bislang dominierenden Genre-Klischees gründlich auf den Kopf stellen – und dann bestünde vielleicht auch die Chance, dass man einen Spot wegen seiner unnachahmlichen Originalität wieder auf Anhieb einem bestimmten Brand zuordnen könnte. Erste Experimente in dieser Richtung gibt es schon – durchaus mit exzellenten Ergebnissen. Wenn sich beispielsweise ein zunächst eher spießig wirkendes Paar die Grauschleier vom Leib reißt und dann hemmungslos in der Küche übereinander herfällt. Wenn tiefschwarze Strickpuppen die ausgeblichenen grauen angreifen und einen glorreichen Sieg erringen. Wenn ein bekanntes Waschmittel einen Ketchupfleck in Polyester verwandelt …
Es klingt paradox – aber um künftig noch mehr Käufer hinter dem Ofen hervorzulocken, muss Waschmittelwerbung ihren alten Mief hinter sich lassen. Frischer, frecher und origineller werden. Oder auch mal einfach nur einen Blick in die Vergangenheit werfen: Warum war Ariels Klementine so erfolgreich und ist bei vielen Menschen bis heute fest im Gedächtnis verankert? Weil sie eben keine austauschbare, makel- und profillose „Power-Hausfrau“ war, sondern etwas zutiefst Menschliches ausstrahlte – mit allen Ecken und Kanten. Die weichgespülten, humorlosen Familienidyllen der Gegenwart hingegen wirken wie geklont und lösen statt Aufmerksamkeit höchstens noch ein Gähnen aus.
Also, auf geht´s! Wir wollen Waschmittelwerbung, die Spaß macht!
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