Speed-Founding

Wenn die lieben Kleinen wieder mal nicht wissen, wohin mit ihrer Energie, sagen die Großen gern: „Malt doch mal was!“ Und zu den Großen heißt es heute: „Gründet doch mal `ne Firma!“

„Start-up Weekend“ nennt sich das Ganze und wurde vor ungefähr zwei Jahren zum ersten Mal veranstaltet. Menschen aus allen Sparten – vom Grafiker über den Ingenieur und den IT-Spezialisten bis hin zum BWL-Studenten reicht die Bandbreite der Teilnehmer, die gemeinsam innerhalb eines Wochenendes eine Geschäftsidee bis zur Firmengründung weiterentwickeln wollen. Die Atmosphäre auf dem letzten Start-up Weekend, das Ende September im Nürnberger Südwestpark stattfand, war aufgeladen mit Begeisterung und Kreativität – an die 120 Gründungswillige fanden sich zusammen, um in der Gruppe die ersten Schritte zum eigenen Unternehmen zu wagen. Ideen wurden vorgestellt und diskutiert, Teams gebildet, um jeweils eine von insgesamt zwölf Konzepten erst einmal auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen und dann weiter auszuarbeiten. Konzentriertes Werkeln in lockerer Umgebung war angesagt – auf Äußerlichkeiten kam es da nicht an. Hauptsache, die Leute hatten ausreichend Strom für Laptops und Smartphones …

Nun, eine Firmengründung stand nicht am Ende des Nürnberger Start-up Weekends. Wäre ja auch illusorisch. Innerhalb von 48 Stunden lässt sich nun mal kein ausgereifter Businessplan auf die Beine stellen. Skeptikern sei trotzdem gesagt: Start-up Weekends sind dennoch eine gute Idee. Denn selten trifft so viel kreatives Potenzial in so kurzer Zeit an einem Ort aufeinander. Vielleicht finden hier ja einige Teilnehmer als die idealen Geschäftspartner zusammen – und realisieren mit etwas Zeitverzögerung doch noch den Plan vom eigenen Unternehmen. Als unkomplizierte Plattform, um begeisterungsfähige Menschen zusammenzubringen und Ideen zu schmieden, können Start-up Weekends sicherlich viel Schwung in die Gründerszene bringen.

Raus aus dem Elfenbeinturm – fürs Leben lernen!

Frisch von der Uni und schon wissen, wie der Hase im Berufsleben läuft? Das muss kein Widerspruch sein. Gerade im Bereich Marketing und Werbung gibt es in Deutschland zahlreiche engagierte Initiativen, in denen Studierende schon während ihrer Universitätsausbildung handfeste Praxiserfahrung sammeln können.

Studenten-Agenturen wie Töchter + Söhne in Berlin, Die goldenen Zwanziger in Jena oder Werbeliebe in Pforzheim bieten angehenden Marketing-Fachkräften, Mediengestaltern, Betriebswirten oder Informatikern die Möglichkeit, bereits während des theorielastigen Studiums an konkreten Projekten für Auftraggeber aus der freien Wirtschaft mitzuarbeiten. Und manchmal mausert sich ein derartiges Studentenunternehmen dann tatsächlich zu einer „echten“ Werbeagentur – so geschehen beim Bielefelder Medienlabor, das die Schwerpunkte in der Kommunikation auf die Bereiche Recht und Politik legt.

Realisierbar sind solche Projekte nur, wenn bei der Gestaltung des Studiums genügend „Luft“ bleibt, um neben Seminarraum und Hörsaal noch Zeit für die Arbeit in der Agentur zu finden. Eigentlich sollte das auch Ziel unserer Bildungspolitik sein – wird doch oft genug geklagt, hierzulande fehle der Universitätsausbildung der direkte Bezug zur Berufspraxis.

Trotzdem ist der Fortbestand der engagierten Studentenagenturen gegenwärtig akut bedroht: Universitäten setzen immer mehr auf straff durchorganisierte Bachelor- und Master-Studiengänge, in denen der Studierende zwar schneller zu seinem Abschluss kommt, dafür aber auch dicht gepackte Stundenpläne in Kauf nehmen muss. Für eine praxisorientierte „Nebentätigkeit“ bleibt dabei in der Regel kein Spielraum mehr. Vielleicht wäre hier ein Innehalten und Nachdenken darüber angebracht, ob eine weitere „Verschulung“ akademischer Ausbildungsgänge unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten tatsächlich sinnvoll ist. Oder ob es nicht ungleich effizienter wäre, nach einem flexibler ausgelegten Studium „sofort praxistaugliche“ Absolventen in die Arbeitswelt zu entlassen?