Vom Bundestrojaner zum Unternehmenstrojaner – oder: Wie man innerhalb von wenigen Tagen Vertrauen in eine Marke verspielt

Was ist Privatsphäre heute noch wert? Nicht viel, wie es scheint. Und zweifellos trägt das Internet zu dieser Entwicklung bei. Wir wollen nun nicht ins selbe Horn stoßen wie diverse Fortschrittsverächter, die in jeder Innovation gleich einen potenziellen Totengräber des Abendlands vermuten. Welche enormen Vorteile beispielsweise Social Media für Anwender und Unternehmen mit sich bringen können, haben wir an dieser Stelle ja schon des Öfteren thematisiert. Dennoch: Wer von uns stellt sich auf den größten Platz seiner Stadt, zieht sich vor allen Passanten nackt aus oder präsentiert auf einem Tischchen seine Einkommensteuererklärung für jeden Vorbeigehenden zur Einsichtnahme? Daneben liegt dann gleich eine Liste mit den schweren, ansteckenden Krankheiten der letzten Jahre und der Ausdruck mit den persönlichen Daten aller Menschen aus, mit denen man in den letzten sechs Monaten telefoniert hat. Als Dreingabe gibt’s schließlich noch das pikante Bewegungsprofil, aus dem sich mühelos entnehmen lässt, in welchen Läden, Restaurants und sozialen Schichten man so verkehrt …

„Ich habe nichts zu verbergen“, wenden immer noch viele ein und öffnen staatlichen Institutionen wie privaten Unternehmen bereitwillig Tür und Tor zum eigenen Daten-Pool, nicht ahnend, dass sie sich damit selber zum Spielball fremder Interessen machen. Und hier geht es längst nicht mehr nur um lästige Werbe-Postwurfsendungen, Call-Center-Drückerkolonnen oder Spam im heimischen Mail-Programm. Staatliche Organe bedienen sich mittlerweile in wesentlich größerem Umfang des sogenannten Bundestrojaners, als dies nach einschlägigen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts erlaubt ist. Die sächsische Polizei späht nach dem Gießkannenprinzip einfach mal weit über 100.000 Mobilfunkverbindungen unbescholtener Bürger aus und so weiter …

Die wenigsten regen sich wirklich darüber auf. In der alltäglichen Nachrichtenflut geht sowas schnell wieder unter. Genauso wie die gespeicherten Bewegungsprofile auf Apples iPhone. Aktiv werden Bürger stattdessen dort, wo es eigentlich am wenigsten weh tut – wie etwa bei der Ablichtung ohnehin öffentlich einsehbarer Gebäude für Dienste wie Google Streetview. Insbesondere hier kam es zu geradezu grotesken Situationen, wenn sich beispielsweise Organisatoren von Anti-Streetview-Initiativen von den Medien ohne Bedenken vor ihren Wohnhäusern fotografieren ließen. So war es auch ohne Streetview mit wenigen Mausklicks möglich, Adressen samt Telefonnummern herauszufinden und einen ersten Einblick in das soziale Umfeld der betreffenden Personen zu bekommen.

Derzeit macht ein neuer Daten-Schnüffelskandal die Runde – mit ganz ähnlicher Ambivalenz. Computerspiele-Gigant Electronic Arts betreibt einen Online-Shop namens Origin, der Bestandteil der Software-Pakete des Unternehmens ist. Wer beispielsweise den neuen „Fussball Manager 12“ oder „Battlefield 3“ spielen will, kommt um Origin nicht herum. Anwender haben jedoch mittlerweile herausgefunden, dass Origin sehr neugierig ist: Es fragt unter anderem die Postleitzahl des Benutzers ab, durchwühlt Cache und Browserverlauf … und scannt sogar die Daten, die in der Einkommensteuer-Software hinterlegt sind. User reagieren empört – mittlerweile hat der neue Hype-Spieletitel aus dem Hause EA, „Battlefield 3“, auf Amazon weit über tausend Negativ-Bewertungen mit nur einem Stern. Trotzdem kaufen die Leute das Produkt – es hat bei Amazon in der Rubrik „Games“ derzeit Rang 2 erreicht.

EAs Ruf ist durch die Datensammelwut von Origin sicherlich nachhaltig angekratzt. Verstörend: Konsumenten kritisieren zwar die Vorgehensweise des Konzerns, kaufen aber trotzdem dessen Produkte – der Konsumwille siegt über ethische Gesichtspunkte beim Umgang mit persönlichen Daten. Fragt sich nur, wie lange noch – der Grundstein für mehr „Awareness“ in Sachen Datenschutz ist gelegt. Und das ist auch gut so. Langfristig wird EA sicher seine Origin-Strategie überdenken müssen, wenn der Konzern nicht massenweise potenzielle Käufer vergrätzen will …

Der Mensch als Marke

Das eigene Profil schärfen, um sich wirkungsvoll auf dem Markt zu positionieren: Nicht nur Unternehmen wählen diesen Weg, auch Einzelpersonen gehen mitunter so weit, sich selbst als eigenständige Marke zu inszenieren. Dadurch erreichen sie in jedem Fall eines: Sie werden von der breiten Öffentlichkeit besser wahrgenommen und wiedererkannt. Doch bedeutet dieses Mehr an Aufmerksamkeit zugleich auch mehr Erfolg?

Ob Paris Hilton, Lady Gaga, Sascha Lobo oder Hans Werner Sinn – die Marken unter den Menschen scheinen allgegenwärtig zu sein. Sie fallen sofort ins Auge. Doch mögen wir sie deshalb auch? Oder anders gesagt: Sind diese Marken für uns positiv besetzt? Hierüber lässt sich nun trefflich streiten. Denn Menschen als Marken scheinen deutlich stärker zu polarisieren als Produktmarken. Gleichgültigkeit hat hier selten Platz. Man liebt diese Leute oder hasst sie. Und genau hier liegt die Gefahr. Denn die Leidenschaftlichkeit, mit der wir menschlichen Marken begegnen, kann beim geringsten Anlass radikal von der Verehrung in Verachtung umschlagen. So verwundert es kaum, dass viele „Marken-Menschen“ in der Medienwelt mit Wucht nach oben gespült werden, ihre Hochzeit haben und dann ganz schnell wieder in der Versenkung verschwinden.

Eine weitere Schwierigkeit: Bei der Einzelperson als Marke fallen selbst kleinste Authentizitätsdefizite noch ungleich stärker ins Gewicht als bei größeren Unternehmen. Da darf nichts Konstruiertes spürbar sein, sonst funktioniert das Marken-Dasein vom ersten Moment an nicht. Die Marke leben, um sie mit Leben zu erfüllen – das ist auch für Einzelpersonen essenziell.

Sascha Lobo, der den eigenen Status als Marke durchaus distanziert und kritisch sieht, bemerkt in einem Kommentar zum Artikel „Marke werden – aber wie?“ auf Einloggen13: „Marken funktionieren bei der Ansprache von Menschenmassen gut. Aufträge für freie Journalisten werden aber nicht von Menschenmassen gegeben, sondern von Redakteuren, die man kennt. Und im direkten Kontakt wirken Menschen, die unbedingt Marken sein wollen, eher seltsam, wenn man nicht sehr behutsam vorgeht.“ Was hier für freie Journalisten gilt, dürfte auch auf die meisten anderen Berufszweige zutreffen. Und Lobo weist auf eine weitere Gefahr hin, die mit dem Marken-Dasein verbunden ist: Leicht geschieht es, dass die Außendarstellung der Marke zu sehr in den Vordergrund rückt und die Inhalte daneben an Bedeutung verlieren. Damit wird die Marke zum Selbstzweck und verliert eigentlich ihre Daseinsberechtigung.

Fazit: Menschen, die sich selbst als Marke etablieren wollen, lassen sich damit in jedem Fall auf eine Gratwanderung ein. Und sie müssen ihre Marke permanent und flexibel an den Anforderungen des Marktes ausrichten – wobei Einzelpersonen hier leicht in ein Authentizitäts-Problem hineinschlittern. Dass es dennoch funktionieren kann, beweist etwa Madonna, über die die Boulevardpresse nicht umsonst seit mittlerweile 25 Jahren gerne schreibt, sie würde sich „mit jedem Album immer wieder neu erfinden.“

SQUIDDS entfacht das Feuer

Es war heiß, sehr heiß am Mittwoch vergangener Woche. Als ich das Auto bestieg, betrug die Innenraumtemperatur heimelige 44 Grad Celsius. Ich schnappte nach Luft und machte mich auf den Weg … zu einem Kamingespräch

SQUIDDS, die Spezialisten für Technische Dokumentation mit Firmensitz am Nürnberger Hafen, hatten eingeladen zu einem konzentrierten Gedankenaustausch unter Experten, Entwicklern und Anwendern. Aufhänger für die Veranstaltung „Technische Dokumentation erleben“ war die Veröffentlichung von Adobes Technical Communication Suite 2.5, die Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zum Anlass nahm, über ausgewählte neue Features des Software-Pakets zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Mit einer Reihe von anspruchsvollen, aber leicht verständlichen Beiträgen vermittelten Referenten der Unternehmen Acolada, Theorie3.De und CAP Studio ein umfassendes Bild dessen, was mit Technischer Dokumentation heute möglich ist. Die Optimierung des Workflows mit Hilfe von Content-Management-Systemen kam ebenso zur Sprache wie das Potenzial von 3D-PDF in der Katalogerstellung und eine kritische Würdigung des Dokumentenformats DITA. Abschließend ermutigte Georg Eck  dann noch zu einem Blick über den Tellerrand: Wie lassen sich Communities und Social Media in den Prozess der Technischen Dokumentation mit einbinden? Wie kann man sich die Vorteile moderner Online- und Mobile-Technologien in diesem Bereich noch stärker zunutze machen? 

Als ich nach dem Ende der Veranstaltung die SQUIDDS-Räumlichkeiten verließ und auf die Straße trat, hatte es immer noch über 30 Grad Celsius. „Technische Dokumentation ist tatsächlich ein heißes Thema“, schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte beim Kamingespräch einen intensiven Einblick in Bereiche der Technischen Dokumentation erhalten, von deren Potenzial ich bislang noch viel zu wenig wusste. Viele Erkenntnisse und Anregungen gewann ich auch aus den entspannten, aber sehr lebhaften Diskussionen zwischen den Fachbeiträgen. Georg Eck, Inhaber der SQUIDDS People.Products.Passion. e.K., zeigte sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Kamingesprächs: „Es ist sehr lange her, dass ich zum letzten Mal derart tiefgründige und inspirierende Diskussionen miterleben durfte.“ 

Der Erfolg des ersten SQUIDDS-Kamingesprächs macht Lust auf mehr. Umso größer die Freude der rund ein Dutzend Teilnehmer, als Georg Eck verkündete, weitere Veranstaltungen dieser Art folgen lassen zu wollen. Das nächste Kamingespräch könnte eventuell bereits im September oder Oktober stattfinden. Behalten Sie also jetzt schon mal die Neuigkeiten auf der SQUIDDS-Homepage im Auge. Es lohnt sich!

Haben Sie auch schon einen Urwaldbewohner?

Um den indonesischen Urwald zu retten und seine Artenvielfalt zu erhalten, müssen viele Menschen zusammenhelfen. Der WWF hat es mit der Offenbacher Agentur zweipol geschafft, für dieses Projekt schon eine ganze Menge Unterstützer zu aktivieren – und es werden täglich mehr.

Auf der Microsite wwf.de/Urwaldriese wächst ein tropischer Baum. Jedes Mal, wenn man ihn besucht, ist er noch etwas belebter – und die Chancen, natürliche Lebensräume in Indonesien zu erhalten, sind vielleicht in diesem Moment wieder ein bisschen gewachsen. Tobias hat 500 Euro für die Urwälder auf Sumatra, Borneo und West-Papua gespendet und sich dafür ein Sumatra-Tiger-Baby ausgesucht. Julia hat an Freunde eine Spende von 3 Euro verschenkt und dafür eine Riesen-Waldameise auf den Baum gesetzt.

Wer die Arbeit des WWF für den Erhalt der indonesischen Flora und Fauna mit Geld unterstützt, darf sein Lieblingstier oder eine Pflanze auswählen und auf dem Urwaldriesen platzieren. Klickt man Tier oder Pflanze an, öffnet sich eine kleine Tafel mit interessanten Informationen zur jeweiligen Spezies. Hier kann der Spender seinen Namen, sein Bild und einen Kommenar einfügen – und jeder Leser wird gefragt, ob er auch einen Baumbewohner spenden oder verschenken möchte. Da die Urwaldriesen-Site so viel Charme ausstrahlt, kommen der Bitte tatsächlich sehr viele Leute gerne nach. Bislang gibt es schon über 1.500 Baumbewohner, für die knappe 50.000 Euro gespendet worden sind. »Bereits nach wenigen Stunden hat sich gezeigt, dass wir hier ein Tool geschaffen haben, das von den Usern begeistert angenommen wird, über das man spricht und das ein großes Potenzial in sich birgt« freut sich Constanze Oelighoff, Leiterin Internet, beim WWF Deutschland.

Kein Wunder, denn die Geschichte mit dem Urwaldriesen hat sich schnell herumgesprochen. Urwaldbewohner lassen sich nämlich prima per Twitter verschicken oder ins Facebook-Profil einbinden. So streckt der Urwaldriese seine Äste jetzt schon über weite Teile des Internets aus – und wann sorgen Sie dafür, dass sich darauf noch ein paar glückliche Lebewesen mehr tummeln?

Mit Scheuklappen durchs Leben?

Wir sind uns sicher einig: Kinder und Jugendliche sollen nicht zum Tabak- oder Alkoholkonsum verführt werden. Ebenso unerwünscht ist es, Klischees über Geschlechterrollen, Menschen unterschiedlicher Nationalitäten oder ethnischer Herkunft in der Gesellschaft zu zementieren. Natürlich muss es diesbezüglich auch für die Werbung klare Grenzen geben. Doch was tun, wenn die ganze Wirkung von Werbebeschränkungen wegen Schwächen in der Umsetzung völlig verpufft?

Ehrenhafte Absichten und handfeste wirtschaftliche Interessen prallen bei Werbebeschränkungen hart aufeinander. Daraus ergeben sich groteske Situationen wie die Folgende: Bei Jugendsportveranstaltungen darf nicht für Alkohol geworben werden, im Fußball jedoch schon. Überspitzt ausgedrückt: Wäre es da nicht folgerichtig, Jugendlichen im Stadion Scheuklappen zu verpassen, damit sie die Werbung der Brauerei nicht sehen, die ihren Lieblingsverein sponsert? Tatsächlich ist „Koma-Saufen“ bei Jugendlichen heute „cooler“ denn je – das legt die Vermutung nahe, dass die aktuellen, halbherzigen Beschränkungen für Alkoholwerbung völlig ins Leere gehen.

Betrachten wir es realistisch: Der Einfluss von Werbung auf soziale „Dos and don´ts“ kann niemals isoliert vom komplexen Gesamtgefüge aller gesellschaftlichen Strömungen gesehen werden. Solange Phänomene wie Sexismus, Rassismus und Tabak- oder Alkoholkonsum in großen Teilen der Bevölkerung akzeptiert und nicht hinreichend hinterfragt werden, kann Werbung dem zwar positive Zeichen entgegensetzen, aber alleine kein gesellschaftliches Umdenken bewirken.

Wer hier den Schwarzen Peter ausschließlich der Werbeindustrie zuweist, schiebt selbst Verantwortung von sich weg. Jeder Einzelne von uns hat mit seinem Verhalten Einfluss darauf, welche Werte in unserer Gesellschaft das Handeln bestimmen.